(K)ein gewöhnliches Café

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Hier trifft man sich jeden zweiten Dienstag an der Schützenbahn 67. (Foto: Johanneswerk)
 
Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an Demenzpatienten. (Foto: Johanneswerk)

Seit Anfang des Jahres gibt es das Café Wilma im Essener Nordviertel. Doch hier warten nicht nur Kaffee und Kuchen auf den Besucher: Menschen mit den verschiedensten Hintergründen können sich in diesem Begegnungs-Café treffen – und viele neue Kontakte knüpfen. Dabei wird gesungen, diskutiert und vor allem... gelacht. Deswegen plant auch der diakonische Träger, das Angebot schon bald weiter auszubauen.

Das Café Wilma ist kein einfacher Gastronomiebetrieb. Dies merkt man schon an der munteren Namenspatronin des Cafés: ein sechsjähriger Wellensittich, Wilma genannt, der hier ein neues zu Hause fand und seitdem die Gäste aus seinem Käfig heraus amüsiert. Oder auch umgekehrt. „Hier bei uns ist jeder willkommen und ich würde mich freuen, wenn einige neue Besucher unsere Einrichtung kennenlernen möchten“, eröffnet die Leiterin der Begegnungsstätte Heidi Grohnert, eine gelernte Krankenschwester. Dabei richtet sich das Angebot in erster Linie an Demenzpatienten – doch nicht nur. Gerade bei älteren Menschen bestehe die Gefahr, dass sie nach dem Tod des Partners oder einer Scheidung vereinsamen. „Dem wollen wir entgegentreten und einen geselligen Treffpunkt im Stadtteil einrichten“, verspricht sie. Doch auch Angehörige oder Neugierige, die sich selbst ein Bild machen wollen, können bei Wilma, dem Wellensittich, vorbeischauen.

Seit Anfang Februar leitet Heidi Grohnert das Café, knapp zwei Jahre arbeitete sie zuvor bereits in der ambulanten Pflege des Evangelischen Johanneswerks. „Als dann im Erdgeschoss unseres Pflegedienstes an der Schützenbahn eine Gaststätte schloss, entschieden wir schnell, die Räumlichkeiten zu übernehmen“, resümiert sie und blickt zufrieden in den Raum, der mittlerweile eher einem großen Wohnzimmer ähnelt: Der Blick des Besuchers schweift über alte Vasen, zu einer hellen Couch und bleibt an einer einladenden Theke hängen – bis sich Wilma wieder lautstark zu Wort meldet. Nur durch zahlreiche private Sachspenden, die das Johanneswerk erhielt, sei die komfortable Einrichtung überhaupt möglich gewesen.

Ein Nachmittag zwischen Sissi und Bowling

Denn das Johanneswerk ist gut bekannt: In ganz NRW unterhält der diakonische Träger an über 30 Standorten beispielsweise Projekte in Tagespflegeeinrichtungen sowie Hospizen. „Auch in Essen hat der Verband drei stationäre Einrichtungen“, erzählt Heidi Grohnert, die jedoch für den Bereich „Ambulante Pflege und Assistenz“ im Pflegedienst des Johanneswerks arbeitet. „Der ambulante Pflegedienst unterstützt seine Kunden dabei, auch weiterhin im gewohnten Umfeld leben zu können und ist rund um die Uhr erreichbar.“ Dabei gehe es nicht nur um die bloße Versorgung mit Medikamenten – oft sei menschlicher Zuspruch ebenso notwendig. Seit kurzem nutzen Heidi Grohnert und ihre zehn Mitarbeiter dafür auch einen Hausnotruf, der als „Funkfinger“ schnelle Hilfe garantieren soll. Außerdem gibt es hinter dem Café Wilma eine Beratungsstelle, kurz KoKoBe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle) genannt, rund um das Thema „Leben mit Behinderung“.

„Bisher treffen wir uns jeden zweiten Dienstag nachmittags im Café“, so Heidi Grohnert, die hofft, dass das Café auch weiterhin gut im Stadtteil angenommen wird. „Da sich unsere Gäste oft spontan zu gemeinsamen Aktivitäten entschließen, benötigen wir dazu auch kein festes Rahmenprogramm“, meint sie schmunzelnd und berichtet, dass oft ein Gesangsbuch zur Hand zur genommen werde – auch zur Freude von Wilma. „Hoch auf dem gelben Wagen gehört hier ebenso zum Standardrepertoire wie In München steht ein Hofbräuhaus.“ Auch an der Couch versammelt man sich nicht nur, um die Sissi-Trilogie einzulegen, sondern auch, um sich auf einer neuen Spiele-Konsole im Bowling zu messen. „Hier fühle ich mich gut aufgehoben“, hört Heidi Grohnert deswegen nicht allzu selten.

Speiseangebot durch Spendenkasse gesichert

Doch auch die großen politische Themen erfreuen sich im Café Wilma ungebrochener Beliebtheit: „Unsere Diskussionsrunden fangen bei Adenauer an und hören bei Weizsäcker auf“, verrät sie. Wer sich dafür weniger begeistert, könne auch jederzeit eine Tanzstunde ausrufen. „Los lass uns tanzen“, heißt es dann schlichtweg, während gleichzeitig schon das Radio laut aufgedreht wird. „Es gibt deswegen auch Planungen, einen Tanzkurs für die Gäste des Cafés einzurichten“, sagt Heidi Grohnert. Manchmal begnügen sich ihre Besucher jedoch auch einfach nur mit einer Runde „Mensch ärgere dich nicht“ - selbstverständlich nicht ohne Kaffee und Kuchen. „Unser Speiseangebot kommt aus der eigenen Küche und finanziert sich komplett durch eine Spendenkasse, die wir im Café aufgestellt haben“, erzählt sie. So könne jeder je nach persönlicher Situation und eigenem Ermessen seinen Beitrag für die Begegnungsstätte leisten.

Wer sich nun vom Angebot angesprochen fühlt, kann jeden zweiten Dienstag von 15 bis 17 Uhr das Café Wilma an der Schützenbahn 67 besuchen. Über das Jahr verteilt, wird es auch einige besondere Veranstaltungen geben: „Auch 2014 wird es wieder ein Sommerfest vom Johanneswerk geben“, so Heidi Grohnert. Für die Weihnachtszeit sei eine gemeinsame Backstunde geplant – auch für Angehörige. „Hier können Familienangehörige lernen, welche Besonderheiten im Umgang mit Demenzpatienten beachtet werden sollten.“ Außerdem werde man die Öffnungszeiten der Begegnungsstätte ausweiten – dies wäre schließlich auch im Sinne Wilmas, die sich über jeden Besucher freut. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 20. Mai, statt.

Weiter Informationen unter: www.johanneswerk.de

Nächstes Treffen ist am Dienstag, 20. Mai.
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