In den Fußstapfen von Aktenzeichen XY-Eduard Zimmermann: Ein Interview mit Karl-Heinz Schayen vom Weißen Ring

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(Foto: Foto: Karl-Heinz Schayen)

Den Namen „Weißer Ring“ hört man ja schon mal öfter, aber können wir uns auch ganz konkret etwas darunter vorstellen? Was ist die Aufgabe dieses Vereins, wer kann sich an ihn wenden und in welcher Richtung wird er tätig? Herr Schayen von der Außenstelle Kleve und Wesel war heute gerne bereit, mir darauf ein paar Antworten zu geben.

Worum genau handelt es sich beim Weißen Ring und seit wann gibt es ihn schon?

„Der Weiße Ring ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kriminalitätsopfern zu helfen und Straftaten zu verhüten. Gegründet wurde er unter anderem von Eduard Zimmermann, dem Moderator der Sendung Aktenzeichen XY, und dem damaligen Chef des BKA, Herrn Böden.“

Wieviele Mitarbeiter gibt es beim Weißen Ring?

„Beim Weißen Ring sind deutschlandweit über 3.000 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig, die sich berufen fühlen, anderen Menschen zu helfen. Diese Mitarbeiter kommen aus allen Berufen, von der Haufrau über Pädagogen bis zu Soldaten und Polizisten.“

Was war Ihre Motivation, ehrenamtlich für den Weißen Ring tätig zu werden?

„Ein früherer Kollege von mir, auch Polizeibeamter und damaliger Landesvorsitzender vom Weißen Ring, hat mich angesprochen. Bei einer Tasse Kaffee war die Sache für mich nach 10 Minuten klar. In 3 Jahren in Bosnien habe ich viel Elend gesehen und hier hatte ich gleich den Eindruck, etwas bewirken zu können. Etwas, das bei der täglichen Polizeiarbeit leider manchmal zu kurz kommt.“

Ok, damit hat sich die Frage nach der Berufserfahrung schon erledigt :-)
Opferschutz: Wer kann sich an Sie wenden, was sind Ihre Aufgaben und wie werden Sie tätig?


„An den Weißen Ring kann sich JEDER wenden, der Opfer einer Straftat wurde. Es wird dann geprüft, ob und wie wir Hilfestellung gegeben können. Sei es die Vermittlung eines Anwalts, eines Gesprächspartners bei der Frauenberatungsstelle oder ggfs. auch finanzielle Hilfe. Wichtig ist es, die Menschen zu besuchen und ihnen einfach zuzuhören. Wir verstehen uns als eine Art Lotse – zum Beispiel beim Kennenlernen der Rechte oder Ausfüllen von Anträgen. Aber auch andersherum wird von Ärzten oder Behörden auf den Weißen Ring aufmerksam gemacht.“

Wie reagieren Opfer und Täter auf die Intervention des Weißen Rings?

„Die Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, fühlen sich wahrgenommen und unterstützt. Viele leiden auch unter seelischen Problemen und es fällt ihnen schwer, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Zu den Tätern nehmem wir übrigens keinen Kontakt auf, das ist die Aufgabe der Behörden.“

Die Gespräche mit Kriminalitätsopfern gehen bestimmt nicht spurlos an einem vorüber. Verraten Sie uns doch, wie Sie nach solch einem Tag am besten abschalten?

„Da gibt es bei Bedarf die Supervision – viel öfter aber die Gespräche mit den anderen Mitarbeitern. Durch die Berufserfahrung berührt es einen zwar immer noch, ist aber in der Regel nicht mehr belastend.“

Wenn sich jemand für eine ehrenamtliche Tätigkeit beim Weißen Ring entscheidet – wie wird er dann auf die Arbeit vorbereitet?

„Wer Mitarbeiter beim Weißen Ring werden möchte, wird zunächst vom Außenstellenleiter ausführlich über die Tätigkeit informiert. Anschließend wird er zu mindestens 3 Opferfällen mitgenommen, damit er einen Eindruck von der Arbeit vor Ort bekommt und geht dann zu einem 1 1/2-tägigen Grundseminar in unserem Landesbüro in Düren. Ist das Gesamtbild positiv (die Außenstellenleiter achten schon darauf, ob ein(e) Kandidat(in) geeignet ist), wird er kurz darauf zum Mitarbeiter ernannt und arbeitet je nach Einstellung selbstständig oder zunächst mit einem erfahrenen Kollegen zusammen. Innerhalb von 2 Jahren muss er an einem weiteren Seminar teilnehmen, wo die Kenntnisse vertieft werden. Darüberhinaus verfügt der Weiße Ring über ein umfangreiches Seminarangebot zu verschiedensten Themen, die die Mitarbeiter besuchen können.“

Thema Zivilcourage: Was würden Sie sich da von Ihren MitbürgerINNEN erhoffen?

„Grundsätzlich sollte keiner etwas machen, was er nicht verantworten kann. Zum Beispiel sich nicht selbst mit 3 gewaltbereiten Jugendlichen anlegen, ABER heutzutage hat jeder ein Handy dabei. Wichtig ist es, nicht wegzuschauen sondern sofort per Handy einen Notruf abzusetzen – und das lieber einmal zuviel als zuwenig.“

Eine letzte Frage: was möchten Sie den Lokalkompass-Lesern noch ans Herz legen?

„Der Weiße Ring ist, wie gesagt, ein gemeinnütziger Verein und bekommt keinen Cent vom Staat. Wie bei fast jedem Verein gibt es auch bei uns zur Zeit einen starken Mitgliederschwund. Also würden wir uns über jedes neue Mitglied freuen, denn nur so kann unser Verein seine wichtige Arbeit fortsetzen. Der Mitgliederbeitrag beträgt 2,50 € pro Monat, für Ehepaare 45 € im Jahr. Bislang konnten die sinkenden Mitgliederzahlen dadurch aufgefangen werden, dass die neuen Mitglieder sogar mehr einbezahlt haben“.

Ein interessantes Gespräch neigt sich dem Ende entgegen. Zum Glück können es sich sehr viele Menschen, und dazu gehöre ich auch, gar nicht vorstellen, wie es sein mag, Opfer eines Verbrechens zu werden. Ich wage da mal einen Vergleich - schon im ganz normalen Leben hinterlassen unbedachte Worte und Taten bei jedem Menschen Spuren. Um wieviel schlechter müssen sich die Opfer von Diebstahl, Einbruch, Brandstiftung, Schlägerei oder Vergewaltigung fühlen. Ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitssphäre, schutzlos, hilflos, vielleicht auch perspektivlos. Da tut es gut, wenn man weiß, dass einem jemand mit Rat und Tat sowie einem objektiven Blickwinkel zur Seite steht. Vorausgesetzt natürlich, dass man auch bereit ist, diese Hilfe anzunehmen.


Weißer Ring
Außenstelle Kleve und Wesel
Karl-Heinz Schayen
Brabanter Str. 52, 47533 Kleve
Telefon: 02821 9736667

Spendenkonto Weißer Ring
IBAN DE26 5507 0040 0034 3434 00
BIC DEUTDE5MXXX
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