Vogelnest im Kamin löst Gas-Unglück aus

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Äste, Gras und andere Dinge - dieses Dohlennest verstopfte den Schornstein. (Foto: Magalski)
Giftiges Kohlenmonoxid war plötzlich im Badezimmer, eine junge Frau liegt nun im Krankenhaus. Sie war beim Duschen bewusstlos geworden. Dohlen hatten im Schornstein des Hauses ein Nest gebaut und so das Gas-Unglück in Selm ausgelöst.

Kohlenmonoxid ist ein tückisches Gas - ohne Geschmack, ohne Farbe oder Geruch. Wenige Atemzüge davon können Lebensgefahr bedeuten. Die alarmierten Rettungskräfte erkannten die gefährliche Situation am Sonntagnachmittag schnell und brachten die Frau (20) aus der Wohnung. Sie wird nun im Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr besteht nach Auskunft der Polizei nicht. Eine zweite Frau, die sich ebenfalls in der Wohnung aufhielt, wurde zur Kontrolle in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Verdacht, dass in der Wohnung Kohlenmonoxid im Spiel war, löste einen Großeinsatz der Rettungskräfte an der Kreisstraße aus. Hubschrauber Christoph 8 landete, Rettungswagen und Notärzte kamen und die Feuerwehr rückte an. Das Mehrfamilienhaus wurde geräumt. Unter Atemschutz schalteten Feuerwehrmänner die Heizungen ab und lüfteten die Wohnung. Die Ursache für das Gas im Bad war dann schnell gefunden.

Vogelnest verstopft den Schornstein

Ein Dohlennest verstopfte den Schornstein. Dirk Böhle, der zuständige Bezirksschornsteinfeger aus Werne, kehrte den Kamin und entfernte das Nest. Selms Wehrführer Thomas Isermann, selbst Bezirksschornsteinfegermeister, weiß: "Die Dohlen beginnen nun mit dem Nestbau." Das System der Vögel ist so einfach wie effektiv. Stöcke, Äste, Grasbüschel und anderes Baumaterial - alles lassen die Dohlen einfach in den Kamin fallen. Irgendwann sitzt der Schornstein zu, häufig ist das schon nach ein oder zwei Tagen der Fall. Die Abgase der Heizung können nicht mehr entweichen, stauen sich und können schließlich in die Wohnung gelangen. Gitter, die oben auf dem Schornstein montiert werden, sollen die Dohlen bei den Nestbauarbeiten stören. "Wenn Dohlen regelmäßig den Kamin anfliegen, sollte man den Schornsteinfeger alarmieren", rät Isermann.

Kohlenmonoxid - das geruchlose Gas

Warum ist Kohlenmonoxid so gefährlich? Das Gas ist nicht zu schmecken, es riecht nicht und hat keine Farbe. Husten oder brennende Augen löst es nicht aus. Symptome treten erst auf, wenn die Vergiftung schon eingetreten ist. "Müdigkeit, Übelkeit oder Kopfschmerzen gehören dazu", erklärt Isermann. im Blut verdrängt Kohlenmonoxid den Sauerstoff, weil es sich stärker an das Hämoglobin bindet, das für den Sauerstofftransport im Blut da ist. Spezielle Melder, ähnlich Rauchmeldern, können ein Stück mehr Sicherheit bringen, ersetzen aber nicht die regelmäßige Kontrolle der Heizung und des Schornstein durch Fachpersonal.

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1 Kommentar
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Hans Werner Wagner aus Lünen | 26.03.2013 | 16:44  
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