Steinbrück goes Eichelbaum

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Kein Freund von Schmierereien: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. (Foto: PR-Foto Köhring/JA)
 
Diskussion über Infrastruktur. (Foto: PR-Foto Köhring/JA)
Ein sichtlich gutgelaunter Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, steigt am Dienstag gegen 11.30 Uhr aus dem Wagen, das Jacket in der Hand. Zusammen mit den Sicherheitsbeamten überquert er die Straße, zieht sich das Jacket im Gehen an und will gerade an der Ampel stoppen, als die Grün für Fußgänger anzeigt: „Freie Fahrt“ für den Kanzlerkandidaten. Ein Symbol?

Steinbrück lächelt, begrüßt herzlich Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und den Bundestagskandidaten Arno Klare. Umringt von Kamerateams und Fotografen bahnt sich das Trio den Weg zur U-Bahnstation Eichbaum.

Bunte Graffitis, deren Qualität weitgehend zu wünschen übriglässt, prangen dem Kandidaten entgegen. Am Container an der Station erfährt Steinbrück, dass hier vor Jahren eine Oper inszeniert wurde. „Ich werde jetzt aber nicht singen“, erstickt er etwaige Wünsche im Keim: „Ich gehöre zu wenigen Menschen, die Weihnachtslieder in einer Tonlage singen können“, fährt er lächelnd fort.
Ihm imponiere aber, dass der Ort für Kultur genutzt wird. Die Kameras surren derweil und die Fotoapparate klicken, was das Zeug hält.

Ruhig lässt er sich die Probleme erklären: Der sechsstreifige A40-Ausbau wird hier in der Nähe enden. „Die Folge wird ein permanenter Riesenstau sei“, prognostiziert Klare, der die Station Eichbaum als einen Ort skizziert, an dem Stephen King sich Inspirationen für einen seiner nächsten Romane holen könnte.

Dr. Horst Zierold, Vorstand Essener Verkehrs-AG, erläutert dem Kandidaten, dass die U-Bahn angesichts der Fahrzahlen gar nicht durch Busse ersetzt werden könne. „Die würden morgens und abends den Stau auf der gegenüberliegenden A40 nur noch verstärken.

Steinbrück nickt und fragt dann sofort „Wie ist das mit der Sicherheit? Bei diesen vielen Ecken und der Unübersichtlichkeit nutzen vor allem ältere Menschen diese Station in den Abendstunden nicht mehr.“

Das Stichwort Sicherheit nimmt Zierold sofort auf: „Wir könnten Kameras installieren, aber dann müsste auch jemand sie überwachen und im Zweifel müsste jemand schnell vor Ort sein.“ Technik allein könne Probleme nicht lösen, sagt Zierold in Richtung Kandidat. „Wir brauchen auch Menschen“, um dann ein Zahlenfeuerwerk an Zahlen abzufeuern: „Nur die kommunalen Verkehrsträger in NRW benötigen für die Infrastruktur 2,1 Milliarden Euro. Für neue Bahnen sind es noch einmal 2,2 Milliarden Euro zusätzlich.“ Lediglich 25 Prozent könnten die Unternehmen selbst erwirtschaften. Fasse ein Verkehrsbetrieb beispielsweise eine alte Station wie Eichbaum an, explodierten die Kosten. Barrierefreiheit, Brandschutz, Verkehrsinformationssystem und das Streichen nur dieser Station schlüge mit über 3,5 Millionen Euro zu Buche.

Direkt am Bahnsteig, auch hier ist Steinbrück „eingerahmt“ von Graffitis, erklärt MVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Wandelenus, dass man bei der Beseitung der Schmierereien bereits Spezialfarben einsetze. Dann zeigt er Steinbrück an der haltenden Bahn ein weiteres teueres Problem: „Mit ihren Diamantringen zerkratzen uns Vandalen die Scheiben.“ Der Kandidat ist kurz verdutzt.

Aber Sicherheit ist sein Thema: „Wir müssen den öffentlichen Raum zurückgewinnen und Kriminalität eindämmen“, fordert er. Dazu und für die Sanierung müssten die Kommunen finanziell gestärkt werden. „Es kann nicht sein, dass 75 Prozent der NRW-Kommunen am Tropf hängen.“

Und natürlich müsse der Bund mehr Geld in den Erhalt der Infrastruktur, in den „Verkehr, die Energiewende und die Breitbandverkabelung auf dem Land stecken. Bei der Verkabelung liegen wir europaweit hinter Rumänien zurück. Das sagt uns die EU“, betont Steinbrück.

Wenn die SPD die Bundesregierung im Herbst übernehme, würde auch wieder mehr Geld in die Städtebauentwicklung, „vor allem ins Projekt soziale Stadt“, fließen.

Finanzieren sollen das Singles mit Einkommen über 100.000 Euro und Ehepaare mit über 200.000 Euro Jahreseinkommen. Für diese Gruppen soll der Spitzensteuersatz auf 59 Prozent angehoben werden. „Wir wollen einige Steuern für Einige erhöhen“, sprichts und wendet sich in Richtung Auto, umringt von Kameras... .
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3 Kommentare
Dirk-R. Heuer aus Essen-Kettwig | 08.05.2013 | 09:10  
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Manfred Wrobel aus Mülheim an der Ruhr | 08.05.2013 | 19:41  
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Manfred Wrobel aus Mülheim an der Ruhr | 08.05.2013 | 21:05  
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