Ein Bild - Eine Geschichte
Prinzessin im goldenen Käfig

„Schau doch Anna, wie wundervoll es ist!“ Rosalie beugte sich weit aus dem Fenster der Kutsche, als das Schloss in Sicht kam. „Es strahlt richtig. Es ist so prächtig, wie die Kleider, die mir mein Bräutigam geschickt hat.“ Rosalie lachte glücklich und ließ sich wieder in die Polster fallen. Sacht strich sie über den kostbaren Stoff ihres Gewandes. Sie kannte ihren zukünftigen Gemahl nicht, wusste noch nicht einmal seinen Namen, doch er musste ein zuvorkommender, ehrenwerter Mann sein, wenn er sie schon vor der Hochzeit mit Geschenken überhäufte. „Was denkst du Anna, wird mein Gemahl auch so stolz und edel wie sein Schloss sein?“
Rosalies Amme, Anna, zwang ein Lächeln in ihr Gesicht. „Mit Sicherheit, mein Engel.“ Es brach ihr das Herz, Rosalie so vergnügt ihrem Schicksal entgegenfahren zu sehen. Die Prinzessin ahnte nicht, was sie erwartete. Sie wusste nicht, dass sie das Pfand für den Gehorsam ihres Vaters war. Sie war die Kriegsbeute, die Diether Thum verlangte. Durch sie hoffte er in höhere Kreise aufzusteigen. Stolz war er. Doch weder edel noch liebenswürdig. Weder das Schloss, noch das Geschmeide, mit dem er Rosalie beschenkt hatte, gehörten rechtmäßig ihm. Er hatte alles in einer blutigen Schlacht erobert und seine Gier kannte keine Grenzen. Diether der Grausame wurde er auch genannt und Anna fürchtete, dass auch ihr kleines Mädchen diese Seite bald kennenlernen würde. Und sie konnte nichts dagegen tun.
www.sabine-kalkowski-schriftsteller.de

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