Zweites Leben für Literatur: Aus dem eigenen Regal in den öffentlichen Bücherschrank
Futter für Leseratten

Lieber einen historischen Schmöker - oder vielleicht doch ein aktuelles Sachbuch? Krimi oder Liebesroman? Die Auswahl ist groß. Und das Beste: Alle Bücher gibt es zum Nulltarif. Öffentliche Bücherschränke machen es möglich. Der USB hat am Wochenende seinen fünften Schrank im Kirchviertel aufgestellt. Das Azubi-Projekt ist seit seinem Start 2015 ein echtes Erfolgsmodell. Doch nicht nur an den USB-Schränken können sich Leseratten - wie hier USB-Azubi Carina Lauria - mit frischem "Futter" eindecken.
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  • Lieber einen historischen Schmöker - oder vielleicht doch ein aktuelles Sachbuch? Krimi oder Liebesroman? Die Auswahl ist groß. Und das Beste: Alle Bücher gibt es zum Nulltarif. Öffentliche Bücherschränke machen es möglich. Der USB hat am Wochenende seinen fünften Schrank im Kirchviertel aufgestellt. Das Azubi-Projekt ist seit seinem Start 2015 ein echtes Erfolgsmodell. Doch nicht nur an den USB-Schränken können sich Leseratten - wie hier USB-Azubi Carina Lauria - mit frischem "Futter" eindecken.
  • Foto: Molatta
  • hochgeladen von Petra Vesper

Das heimische Bücherregal quillt über: Wird man den spannenden Krimi tatsächlich noch ein zweites Mal lesen? Soll der Ferienschmöker aus dem letzten Strandurlaub wirklich ins Regal zu den Klassikern? Und das Erstleserbuch mit den Feengeschichten ist dem Töchterchen doch auch schon lange peinlich geworden. Also weg damit! Aber wohin? Bücher in den Altpapier-Container zu werfen, tut vielen Leseratten weh - zu Recht! Denn die Alternative liegt ganz nah und heißt: öffentlicher Bücherschrank.

Das Prinzip ist ganz simpel: Jeder kann Bücher hineinlegen und selber welche mitnehmen. Lesefutter wechselt so ganz unkompliziert und kostenlos den Besitzer.
In Zeiten, da ein gut sortiertes Bücherregal in den eigenen vier Wänden als Statussymbol längst ausgedient hat und immer mehr Menschen nur noch in digitaler Form lesen, sind gebrauchte Bücher oftmals nur noch für ein paar Cent zu verkaufen - wenn überhaupt. Da macht es also Sinn, Bücher direkt an andere Literaturfreunde weiterzugeben. Bücherschränke ermöglichen dies unkompliziert und anonym.
2015 stellte der USB seinen ersten Bücherschrank im Ehrenfeld auf - seither kommt jährlich einer dazu, zuletzt im Kirchviertel Wiemelhausen. Das Projekt wird von den Auszubildenden des Unternehmens betreut. "Die Aufstellung übernimmt eine externe Firma, aber unsere Azubis kümmern sich anschließend darum", erläutert Lisa Fiedler, die beim USB das Projekt koordiniert. "Sie fahren alle Schränke regelmäßig an, kontrollieren und reinigen sie und mussten auch schon mal ein Graffiti entfernen." Vandalismus ist aber bislang - und da sind alle Beteiligten froh - kein Thema. "Wir haben aber auch versucht, die Standorte so zu wählen, dass eine gewisse soziale Kontrolle da ist", macht USB-Pressesprecher Jörn Denhard deutlich. "Außerdem ist es ganz oft so, dass sich auch Nachbarn und Anwohner verantwortlich fühlen und uns auch informieren, wenn mal was im Argen ist."
Die Azubis des USB sorgen auch für Büchernachschub und verteilen die Bestände zwischen den einzelnen Standorten, so dass immer ausreichend frisches Lesefutter da ist. "Wir haben oft Anrufe von Bürgern, die wissen wollen, wo sie mit ihren alten Büchern hin sollen, und dann bitten wir sie, ob sie die zu uns bringen können, damit wir damit Bücherschränke befüllen können", berichtet Lisa Fiedler. "Aber wir bekommen auch aussortierte Bücher der Stadtbücherei oder Spenden von Buchhandlungen, die etwa Leseexemplare abgeben. Und auch viele unserer Mitarbeiter bringen von zuhause Bücher mit." So ist der Bestand in den Bücherschränken stets bunt gemischt. "Und in den unteren Fächern stehen bei uns immer die Kinderbücher, damit die Kleinen gut dran kommen."
So positiv ist die Resonanz auf die Bücherschränke, dass es inzwischen eine regelrechte "Warteliste" für neue Standorte gibt. "Es melden sich regelmäßig Menschen bei uns, die so ein Exemplar auch gerne für ihren Stadtteil hätten", weiß Lisa Fiedler aus Erfahrung. "Wir versuchen, pro Jahr einen neuen Schrank aufzustellen, achten dabei aber auf die Verteilung im Stadtgebiet und stimmen uns bei der Auswahl des Standortes immer mit Stadtwerken und Tiefbauamt ab - schließlich stehen unsere Schränke auf einem 30 Zentimeter tiefen Betonsockel. Da sollen ja beim Aufstellen keine alten Leitungen im Weg sein."
"Das Aufstellen eines Bücherschrankes ist gar nicht so schwierig - viel schwerer ist es, sich regelmäßig darum zu kümmern", weiß Karsten Höser vom Stadtteilverein "Langendreer hat's", der 2016 zwei Bücherschränke in Langendreer aufstellte - einen auf der Alten Bahnhofstraße am "Stern" und einen an der Christuskirche. "Wir haben für beide Schränke mehrere Teams, die sich ehrenamtlich darum kümmern", berichtet er. Regelmäßiges Säubern gehört genauso dazu wie das Aussortieren allzu alter Schmöker: "In der Regel sind die Bücher sehr gut, die bei uns eingestellt werden", so Höser. "Aber manchmal hat man Fragmente dabei, die in einem Altpapiercontainer besser aufgehoben wären - da fehlen die Buchdeckel oder reihenweise Seiten." Demnächst stehen die ersten Reparaturen an den Bücherschränken an - teilweise müssen Magnete oder Scharniere erneuert werden: "Das ist aber ganz normal nach den Jahren." Denn die Langendreerer Bücherschränke werden nach wie vor sehr gut angenommen: "Es kommen täglich Menschen hin", weiß Höser auch von den Berichten der Geschäftsleute und Anwohner, die ein Auge auf die Schränke haben. "Meist werden mehr Bücher reingetan als rausgenommen." Weil die Schränke des Stadtteilvereins extra tiefe Regale haben, damit auch Bildbände hineinpassen, stehen Taschenbücher manchmal sogar in zwei Reihen. "Die Auswahl ist bunt gemischt - natürlich sind auch ein paar 'Angelique'-Romane darunter", lacht er, "aber teilweise auch sehr spezielle Bücher." Neulich etwa seien einige Titel zur Eisenbahngeschichte dabei gewesen, da habe sich ein Sammler sehr gefreut.
Dass auch ein Bücherschrank funktionieren kann, der auf Privatinitiative zurückgeht, beweist seit rund fünf Jahren der vor dem "Trinkgut"-Markt an der Oberscheidstraße 12 in Riemke. "Ich kannte die Idee aus Wuppertal", erzählt Dorothee Schwarz von der Geschäftsführung. "Der Grundstock kam von uns und unseren Mitarbeitern, doch von den Kunden ist er schnell angenommen worden. Die bringen regelmäßig Bücher mit und nehmen was raus." Der Schrank im Eingangsbereich sei immer gut gefüllt: "Klar kommt es mal vor, dass jemand alte Bertelsmann-Bücher aus den 60er Jahren reinpackt, aber selten. Da sind meistens richtig tolle und ganz aktuelle Bücher drin."
Die eigene Leseleidenschaft war es auch, die das Team des Frisörs "fish for hair" bewogen hat, ein Tauschregal im Laden einzurichten. "Wir lesen alle gerne, da kommt einiges zusammen", erzählt Mitarbeiterin Lina Brasch. Das Regal sei zwar nicht riesig, aber immer gut bestückt. "Die Resonanz unserer Kunden darauf war super."
Aus der "Bookcrossing"-Bewegung stammt das Bücherregal im Keller des Cafés "röst.art" an der Grabenstraße. "Das ist ein absoluter Selbstläufer, ich halte mich da aus allem raus", ist Mitinhaber Richard Miklas begeistert. Täglich werde das Regal mehrfach genutzt. "Das ist immer gut gefüllt - auch CDs sind oft dabei." Ein ähnliches Bookcrossing-Regal findet sich auch im Café "Ferdinand" unweit des Hauptbahnhofs.
Manch ein offener Bücherschrank ist ganz klein - wie etwa der am Hahnenfußweg in Stiepel: Dort haben die Anwohner einen kleinen Bücherschrank in ihrem Vorgarten eingerichtet...

  •  Fehlen öffentliche Bücherregale und -schränke in unserer Übersicht? Dann schreiben Sie uns! Wir aktualisieren die Liste gerne. Hinweise bitte an: redaktion@stadtspiegel-bochum.de, Stichwort "Bücherschränke".

Bücherschränke in Bochum

Bücherschränke des USB:

Ehrenfeld, am Hans-Ehrenberg-Platz
Wattenscheid-Leithe, Gelände der Kirchengemeinde St. Johannes
Gerthe, Marktplatz
Grumme, Johanneskirche, Ennepestraße
Wiemelhausen, Kirchviertel, Brenscheder Straße, Höhe Hausnummer 56

Weitere Schränke:
Langendreer, Alte Bahnhofstraße, am Stern und an der Christuskirche
Harpen, Rosenberg, am Geschäftszentrum
Querenburg, Hustadt, am Brunnenplatz
Steinkuhl, Kirche St. Martin, Am Langen Seil 120
Ruhr-Uni, am Kulturcafé, an der Brücke zum Uni-Center
Werne, Amtshaus (zu den Öffnungszeiten)
Werne, Ev. Kirche (vor und nach dem Gottesdienst)
Hochschule Bochum, auf der Mensa-Empore
Seniorenbüro Gerthe, Gerther Straße 20
Café "Ferdinand", Ferdinandstraße 44
"RöstArt", Grabenstraße
"fish for hair", Grabenstraße
"trinkgut", Oberscheidstraße 12
Modehaus "Baltz", Massenbergboulevard (im Erdgeschoss)
"Kugelpudel", Dorstener Straße 1
Zeitmaul-Theater, Imbuschplatz 11
Kulturhaus Thealozzi, Pes-talozzistraße 21
Stadtteilzentrum Q1, Halbachstraße 1 (Box für Kinder- und Jugendliteratur auf dem Hof)
Soziales Zentrum, Josephstraße 2
Weitmar, Roomersheide, Höhe Hausnummer 7
Harpen, Zur Waldschmiede
Stiepel, Hahnenfußweg, Höhe Hausnummer 16

Autor:

Petra Vesper aus Bochum

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