Gewerbeflächen sind fast voll: Wirtschaftsentwickler Ralf Meyer im Gespräch über Bochums Infrastruktur

Pressegespräch mit Ralf Meyer, Geschäftsführer WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft Bochum mbH.
  • Pressegespräch mit Ralf Meyer, Geschäftsführer WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft Bochum mbH.
  • Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Referat für Kommunikation
  • hochgeladen von Vera Demuth

Die Entwicklung der digitalen und wirtschaftlichen Infrastruktur Bochums hat sich die WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft Bochum mbH für die kommenden Jahre auf die Fahne geschrieben. Details zu den Schwerpunktthemen Gigabit-City, Digitalisierung, Gewerbeflächen und -steuer nannte Geschäftsführer Ralf Meyer in einem Pressegespräch.

Einen Schwerpunkt der Arbeit der Wirtschaftsförderung in den nächsten fünf bis zehn Jahren sieht Meyer darin, weitere Gewerbeflächen zu schaffen. Als er 2014 sein Amt übernahm, habe der Flächenumsatz bei vier Hektar pro Jahr gelegen. „Heute sind es 20 Hektar.“ Die Folge dieses Anstiegs ist, dass es kaum noch vermarktbare Flächen in den 21 Gewerbeparks und -gebieten gibt. Elf sind komplett vermarktet. „Und wenn die Entwicklung so weitergeht, haben wir in den übrigen zehn Ende 2018 keine Flächen mehr.“ Einzige Ausnahme sei das Areal Mark 51°7, auf dem die Flächen noch hergerichtet würden.
„Das ist einerseits eine schöne Situation, aber andererseits werden wir dafür sorgen müssen, dass Unternehmen, die nach Bochum kommen wollen, kommen können“, beschreibt Meyer das Dilemma. Dazu müssten neue Gewerbegebiete entwickelt werden, wobei diese, betont der Geschäftsführer, „in die Landschaft passen müssen, denn wir wollen noch Grün haben“. Die Stadt solle attraktiv für Wohnen und Freizeit bleiben.

Geringe Gewerbesteuereinnahmen

Eng verknüpft mit der Entwicklung der Gewerbeflächen ist die der Gewerbesteuer. „Gerade Großstädte leben vom Thema Gewerbesteuereinnahmen“, verdeutlicht Meyer. Eine gut gehende Großstadt nehme jährlich pro 100.000 Einwohner 100 Millionen Euro ein. Bochum müsste also etwa 370 Millionen Euro generieren. „2016 hatten wir Einnahmen von knapp 170 Millionen Euro“, zeigt der Wirtschaftsförderer das Problem auf. Zwar mache es sich bemerkbar, dass nun mehr Flächen vermarktet würden, „aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen“.
Bochum sei schwach in den wertschöpfungsstarken kleinen und mittleren Unternehmen, erläutert Meyer. Man werde daher hart arbeiten müssen, um in den Bereich von jährlichen Einnahmen von 350 Millionen Euro zu kommen.

Gigabit-City

Als erste Großstadt Deutschlands möchte Bochum bis Ende 2018 flächendeckend Internet mit einer Leistung von einem Gigabit, also 1.000 Megabit, pro Sekunde ermöglichen. So lautet das Ziel des Projekts Gigabit-Cit, einem Element des städtischen Entwicklungskonzepts „Bochum Strategie 2030“. „Das ist eine Grundvoraussetzung und ein Alleinmerkstellungsmerkmal für eine Großstadt wie Bochum“, so Meyer.
Umgesetzt werden soll das Ziel, für das dort, wo es noch nicht liegt, Glasfaserkabel verlegt werden muss, in Kooperation mit Unitymedia sowie den Stadtwerken Bochum. Bund und Land fördern das Projekt Gigabit-City mit 5,7 Millionen Euro. Die jetzt erfolgte Ausschreibung für die Verlegung der Kabel läuft bis Ende des Jahres. Beginn der Arbeiten solle im Februar oder März 2018, kündigt Meyer an.
Schon bevor Ende des kommenden Jahres Haushalte und Unternehmen das Highspeed-Internet bei ihrem Telekommunikationsanbieter buchen können sollen, soll das Image Bochums als künftige digitale Stadt beworben werden. Einen ersten Aufschlag zu der Vermarktungskampagne gab es am vergangenen Wochenende beim Halbmarathon.

Digitalisiering soll voranschreiten

Auch die Digitalisierung Bochums, wie etwa mit der Freischaltung des Serviceportals „Mein Bochum“ in der vergangenen Woche, soll weiter voranschreiten. „Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen und schnell sein, um keine Wettbewerbsvorteile zu verschenken“, betont Meyer. Dabei wolle die Wirtschaftsförderung sowohl Motor innerhalb der Stadtverwaltung sein als auch Verbindungen zu Wissenschaft und Wirtschaft knüpfen.
Das Thema IT-Sicherheit soll bei diesem Prozess nicht außer Acht gelassen werden. „Wir haben hier mit dem Horst-Görtz-Institut an der Uni und G Data zwei entscheidende Player“, so Meyer. „Von 1.300 IT-Sicherheitsleuten, die pro Jahr in Deutschland ausgebildet werden, kommen 650 aus Bochum.“
Auch die Schulen sollen von der Digitalisierung profitieren. „Bis Ende wollen wir die Voraussetzungen für digitales Lernen geschaffen haben“, sagt Meyer. Als einen finanziellen Baustein habe man dazu einen Förderantrag über 1,75 Millionen Euro gestellt.

Autor:

Vera Demuth aus Stadtspiegel Bochum / Wattenscheid

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