Bauchmensch, Hundefreund, Ronaldo-Fan und Currywurst-Liebhaber: So tickt Bochums Cheftrainer
Exklusiv-Interview mit VfL-Trainer Thomas Reis: "24 Stunden Fußball im Kopf"

Bei ihm dreht sich 24 Stunden am Tag alles um Fußball: Thomas Reis, Cheftrainer des VfL Bochum. Foto: Molatta
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  • Bei ihm dreht sich 24 Stunden am Tag alles um Fußball: Thomas Reis, Cheftrainer des VfL Bochum. Foto: Molatta
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Am Montag (6.1.) startet der VfL Bochum unter Thomas Reis die Vorbereitung auf die Rückrunde. Vorher hat sich der Stadtspiegel mit dem Cheftrainer zu einem sehr persönlichen Gespräch getroffen, um etwas mehr über den Menschen Thomas Reis zu erfahren. Wie der 46-Jährige tickt, denkt und fühlt, verrät er im exklusiven Entweder-Oder-Interview – wobei es natürlich immer wieder auch um Fußball geht.

Optimist oder Pessimist?
Ich bin immer ein Optimist, das habe ich auch bei meinem Antritt als VfL-Trainer betont. Wenn in gewissen Situationen vieles pessimistisch gesehen wird, ist es auch meine Verantwortung, optimistisch zu sein. Als Trainer musst du Souveränität ausstrahlen. Du musst immer an den Erfolg glauben und das lebe ich der Mannschaft auch vor.

Bauch oder Kopf?
Ich bin eher ein Bauchmensch - auch als Trainer. Meistens ist das erste Bauchgefühl am besten.

"Ich würde gerne mal länger schlafen"

Langschläfer oder Frühaufsteher?
Ich würde gerne mal länger schlafen, aber ich kann es einfach nicht. Früher lag es an den Kindern und den Schulzeiten, heute geht man mit den Gedanken an den Trainerjob ins Bett und wacht damit wieder auf. Ich habe 24 Stunden Fußball im Kopf.

Couch oder Sport?
Eine Zeitlang war es Sport. Meine Lebenspartnerin ist sehr sportlich und motiviert mich auch. Aber als Cheftrainer ist das Zeitfenster doch kleiner geworden. Wenn du viel unterwegs bist, hast du nicht mehr ganz so viel Lust zum Sport. Aber ab und zu muss man sich diese Zeit nehmen.

TV-Programm oder Netflix?
Eigentlich eher klassisches Fernsehen, da gibt es mittlerweile ja genug Programme. Und als Trainer schaue ich viel Fußball, achte auf Spieler, die vielleicht mal für den VfL interessant werden könnten. Aber auch viele internationale Spiele – welche Taktik wird gespielt, wie reagiert ein Trainer in welcher Situation? So entwickelt man sich auch selbst weiter.

"Ich schaue gerne die Premier League"

Premier League oder Bundesliga?
Wenn man in Deutschland lebt und arbeitet, natürlich Bundesliga. Aber ich schaue mir auch gerne die Premier League an. Das sind sehr interessante Spiele, für mich vor allem auch, wenn deutsche Trainer an der Linie stehen. Es ist schon Wahnsinn, wenn du überlegst, wie viele Spiele die englischen Top-Klubs haben und wie du eine Mannschaft dann trainieren und vorbereiten musst. Ich selbst hatte das Glück und konnte mir im letzten Jahr bei Manchester City die Jugendakademie anschauen. Es war total interessant, auch mal hinter die Kulissen bei einem solchen Top-Klub zu blicken.

Ronaldo oder Messi?
Ich habe gegen beide nichts, sie sind beide herzlich eingeladen zum VfL zu kommen. (lacht) Nein, im Ernst: Es sind zwei ganz unterschiedliche Spielertypen. Ronaldo finde ich faszinierend, er hat schon in vielen Top-Ligen gespielt, überall seine Tore gemacht und seine Leistung abgerufen. Und den Körper, den er hat, bekommst du nicht, wenn du dreimal trainierst. Er ist ein Fußballer durch und durch, der seine Arbeit liebt und alles dafür tut. Messi hat mit seiner Technik und seinen Dribblings andere Qualitäten, beide sind über Jahre Weltklasse. Aber Ronaldo finde ich einen Tick bemerkenswerter, weil er wie gesagt in jedem Land seine Tore macht.

"Toppmöller oder Neururer? Ich bin mit beiden angeeckt"

Toppmöller der Neururer?
Ich bin mit beiden angeeckt. (lacht) Toppmöller hat in Bochum eine gute Ära geprägt. Wir sind damals als Aufsteiger in den UEFA-Cup gekommen, das gab es vorher noch nie. Daran hast du natürlich tolle Erinnerungen. Ich fand ihn auch als Mensch sehr direkt und ehrlich, was ich gegenüber den Jungs auch versuche umzusetzen. Und Peter Neururer war einer, der Leute begeistern und mitreißen kann. Es macht auch nicht jeder mal eben das Stadion voll in einer schwierigen Situation. Als ich sein Co-Trainer war, haben wir uns viel ausgetauscht. Von beiden habe ich viel mitgenommen, positiv und negativ. Jeder Trainer, den ich hatte, hat etwas in mir geprägt und von jedem habe ich etwas Positives mitgenommen. Jupp Heynckes ist für mich auch ein prägendes Beispiel. Ich hatte unter ihm in Frankfurt nicht einmal trainiert, wurde operiert und er war am nächsten Tag bei mir im Krankenhaus, obwohl ich nur ein kleines Licht war.

Taktik oder Attacke?
Eine Mischung aus beiden Dingen. Als Trainer versuchst du ein stückweit weiterzugeben, wie du selbst als Spieler warst. Ich hatte immer eine gute Einstellung, hatte einen guten linken Fuß und habe sehr viel Taktik relativ schnell verstanden. Ich hatte beim Tempo sicher Defizite, aber das kannst du mit der richtigen Taktik ausgleichen. Insofern denke ich schon, dass ich auch heute als Trainer in gewisser Weise ein Taktiker bin – aber ich mag auch die Attacke. Schnelles Umschalten bei Ballbesitz ist das, was ich sehen will.

"Ein bisschen städtisch darf es sein"

Stadt oder Land?
Ich komme vom Land, aber ein bisschen städtisch darf es gerne. Bochum finde ich ideal, weil es als Stadt im Außenbereich trotzdem viel Grün hat. Mir hat schon als Spieler der Bochumer Süden gefallen, damals habe ich erst in Wiemelhausen und dann in Stiepel gelebt. Man wohnt stadtnah, ist aber in fünf Minuten im Grünen. Und das brauchst du auch manchmal, wenn du vom Land kommst.

Meer oder Berge?
Früher waren durch meine Eltern im Urlaub mehr Berge angesagt, jetzt ist das Meer schon mal etwas Schönes. Ich hätte aber auch kein Problem, mal wieder in die Berge zu fahren.

Katze oder Hund?
Ich hatte über viele Jahre einen Hund, bin eher der Hundetyp. Wenn mir eine Katze zulaufen würde, wäre das etwas anderes, aber sonst bin ich eigentlich kein großer Katzenfreund. Katzen streichelst du, bekommst dann irgendwann eine gepflastert und weißt nicht, warum.

"Ich bin bekennender Biertrinker"

Bier oder Wein?
Da bin ich bekennender Biertrinker. Es darf auch mal ein Glas Rotwein sein, aber im Normalfall nehme ich lieber ein Pils oder ein Weizenbier. (lacht) Das hat auch gute Elektrolyte.

Currywurst oder Fischbrötchen?
Da ich nach wie vor behaupte, hier in Bochum eingebürgert zu sein, ist die Currywurst schon das Richtige für mich.

Autor:

Dietmar Nolte aus Dortmund-West

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