EvK und Rochus-Hospital nennen Bertelsmann-Studie "realitätsfern"
Krankenhäuser sehen ihre Zukunft als gesichert an

Das Rochus-Hospital an der Glückaufstraße gehört zur katholischen St. Lukas-Gesellschaft.
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  • Das Rochus-Hospital an der Glückaufstraße gehört zur katholischen St. Lukas-Gesellschaft.
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Weniger Krankenhäuser, dafür aber eine bessere Ausstattung: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung empfiehlt, die Zahl der Kliniken in Deutschland von derzeit etwa 1.400 auf rund 600 zu verringern.

Die verbleibenden Häuser könnten dann mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten. Patienten könnten so mit weniger als der Hälfte der Krankenhäuser deutlich besser versorgt werden. Der Stadtanzeiger fragte bei den beiden örtlichen Krankenhäusern nach und bat um eine Einschätzung der Lage.

Wie beurteilen Sie die Bertelsmann-Studie grundsätzlich?
- Heinz-Werner Bitter, Geschäftsführer der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel gGmbH:

Der Studie fehlt in vielen Punkten der Realitätsbezug. So wären z.B. für die dort geforderte Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft Mittel in Höhe von rund 3,3 Milliarden Euro notwendig, die das Land NRW aufbringen müsste. Doch schon jetzt fehlen den Krankenhäusern in NRW rund eine Milliarde Euro an Fördermitteln.

- Clemens Galuschka, Geschäftsführer der katholischen St. Lukas-Gesellschaft, zu der das Rochus-Hospital gehört:

Die Studie ist realitätsfremd. Diese Darstellung hilft nicht wirklich weiter, denn mit der konkreten Versorgungssituation vor Ort haben diese „Zahlenspielereien“ nichts zu tun.

Die Versorgung in Großkliniken werden viele Patienten nicht als hilfreich für ihre Genesung empfinden. Die meisten Krankheitsbilder sind sinnvoller im Wohnumfeld und im Kreise der Familienangehörigen zu behandeln.
Aufwendige oder komplexe Krankheitsbilder bedürfen der Versorgung in Spezialabteilungen. Diese Krankheitsbilder können aber auch dezentral in kleineren Krankenhäusern mit exzellenter Qualität behandelt werden.
Letztlich dürfte ein solcher Strukturwandel ein ganz anderes Gesundheitssystem bedingen, bei dem es z.B. keine freie Arztwahl mehr geben würde.

Auch würden die notwendigen Umstrukturierungsmaßnahmen mehrfache Milliardenbeträge kosten.

Wie wirkt sich die durch die Studie ausgelöste Diskussion um die Zukunft der Kliniken auf die Patienten aus?
- EvK: Was die Patienten angeht, so ist es aus unserer Sicht unverantwortlich, wie hier mit dem Vertrauen der Menschen in die Kliniken vor Ort gespielt wird. Wir haben unseren Patienten seit jeher ein Höchstmaß an Transparenz geboten, informieren sie regelmäßig über unser Leistungsangebot, bieten ihnen bei Veranstaltungen, Vorträgen und Führungen die Möglichkeit, mit unseren Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten ins Gespräch zu kommen.
- Rochus: Eine solche Diskussion verunsichert nur unnötig, zumal solche Studien letztlich in der Realität keine Relevanz entfalten, weil sie politisch und wirtschaftlich nicht durchsetzbar sind.

Welche Folgen haben die Ergebnisse der Studie für die medizinische Ausrichtung Ihres Hauses hinsichtlich Grund- und Spezialversorgung? Aktuell, mittel- oder langfristig?
- EvK: Das EvK hat mittlerweile schon ein hohes Maß an Spezialisierung erreicht. Bestes Beispiel ist unsere Altersmedizin, die inzwischen von der Akutgeriatrie über die Gerontopsychiatrie bis hin zur Frührehabilitation alles abdeckt. Wir haben ein Netzwerk für Geriatrie initiiert und tragen dafür Sorge, dass auch nach dem Klinik-aufenthalt die Versorgung älterer Menschen sichergestellt ist. Oder nehmen Sie unsere Klinik für Neurologie, die ein Alleinstellungsmerkmal für Castrop-Rauxel hat. Wer die Entwicklung des EvK seit Jahren beobachtet, stellt fest, dass wir stets bereit sind, innovative Wege zu gehen. Aktuelles Beispiel ist die Zusammenlegung zweier Kliniken zu dem größten Zentrum für Innere Medizin im Stadtgebiet.

- Rochus: Schon weit vor der Studie haben wir unsere medizinische Ausrichtung entsprechend konzipiert. Wir haben das Angebot der Grund- und Regelversorgung mit Gebieten der „Spezial“-Versorgung deutlich erweitert. So haben wir mit der Plastischen Chirurgie und der Orthopädie (Fußchirurgie) zwei neue Abteilungen mit weit überregionaler Bedeutung aufgebaut. Im weiten geographischen Umfeld gibt es auf diesen „Spezial“-Gebieten keine Wettbewerber.

Müssen Patienten befürchten, künftig mit vielen Gesundheitsproblemen nicht mehr in der Europastadt behandelt zu werden?
- EvK: Grundsätzlich verfügen die Castrop-Rauxeler Krankenhäuser über ein breites Spektrum an Versorgungsangeboten. Die Tatsache, dass beide Häuser zertifiziert sind, zeugt davon, dass sie allen geforderten Qualitätsrichtlinien entsprechen. Gleichzeitig ist es ganz normal, dass jede Spezialisierung auch ihre Grenzen hat. So haben wir z.B. in Castrop-Rauxel keine Klinik für Urologie oder Neurochirurgie.

- Rochus: Ganz klar „Nein“!

Wie sehen Sie die Perspektive für Ihr Haus in den kommenden Jahren?
- EvK: Die Studie setzt auf Spezialisierung und Zentrumsbildung, auf hohe Qualität und große Patientenzahlen – wir haben dies nachweislich zu bieten und machen uns deshalb keine Sorgen, was die kommenden Jahre betrifft.

- Rochus: Seit Anfang 2019 bildet das St. Rochus-Hospital Castrop-Rauxel zusammen mit dem Katholischen Krankenhaus Dortmund-West und dem St.-Josefs-Hospital Dortmund-Hörde das St. Lukas-Klinikum.
Daher sind diese drei Krankenhaus-Betriebsstätten krankenhausplanungsrechtlich als ein Krankenhaus zu betrachten.
Das St. Lukas-Klinikum ist mit 760 Betten eines der großen Krankenhäuser der Region.

Darüber hinaus sind neue OP-Kapazitäten am St. Rochus-Hospital geschaffen worden, die hervorragend ausgelastet sind.

Durch diese und weitere derartige Maßnahmen ist die Zukunft des St. Rochus-Hospitals Castrop-Rauxel gesichert!

Das Rochus-Hospital an der Glückaufstraße gehört zur katholischen St. Lukas-Gesellschaft.
Das Evangelische Krankenhaus hat seinen Sitz an der Grutholzallee.
Autor:

Lokalkompass Castrop-Rauxel aus Castrop-Rauxel

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