Das Frauenhaus
Ein Ort der Zuflucht in Castrop-Rauxel

Sie ist 18 Jahre alt. Ihre Eltern misshandelten sie, sperrten sie ein, nahmen ihr das in der Ausbildung verdiente Geld weg. Die Polizei griff ein. Nun lebt die junge Frau im Frauenhaus Castrop-Rauxel.

"So einen Fall wie den der 18-jährigen Deutschen hatten wir hier praktisch noch nie. Nur einmal gab es eine ähnlich gelagerte Situation", sagt Katrin Lasser-Moryson, Leiterin des Frauenhauses. Sie stellt aber auch fest: "Die familiären Konflikte nehmen zu, und sie eskalieren immer gleich sehr heftig. Das ist eine neue Entwicklung."

Castrop-Rauxeler Frauenhaus  besteht seit 1986
Seit 1986 gibt es in Castrop-Rauxel das Frauenhaus. Derzeit sind dort sieben Frauen und acht Kinder untergebracht. "Auch in diesem Jahr sind wieder viele Frauen bei uns", so Lasser-Moryson. Die jüngste Frau, die in diesem Jahr Zuflucht im Frauenhaus suchte, war 18 Jahre alt, die älteste knapp über 60 Jahre. Häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung seien die Hauptgründe für den Aufenthalt im Frauenhaus.

Die dortige Verweildauer habe sich im Laufe der Jahre verlängert. Dies sei dem schlechten Wohnungsmarkt geschuldet. "Alle, die im SGB-II-Bezug sind, haben es schwer, eine Wohnung zu finden. Die Wohnungsgesellschaften steuern gezielt dagegen", meint die Frauenhaus-Leiterin. Neben der schwierigen Wohnungssuche dauerten auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen länger. Im Durchschnitt bleiben die Frauen vier bis fünf Monate im Frauenhaus. "Wenn sie zu uns kommen, sind sie selbstbewusster, als sie es früher waren", hat Katrin Lasser-Moryson beobachtet. "Sie treffen die bewusste Entscheidung, sich von bestimmten Zwängen freizumachen."

Es gibt auch Rückfälle
Natürlich gebe es auch Rückfälle. "Wenn die Frauen ausziehen und sich alleine fühlen, erhöht das die Rückfallquote." Während der Zeit, die die Frauen im Frauenhaus verbringen, helfen die Verantwortlichen deshalb dabei, Netzwerke zu schaffen und Kontakte aufzubauen. Ein stabiles soziales Umfeld sei immens wichtig. "Zudem bieten wir auch eine Nachbetreuung an", sagt Lasser-Moryson.
Das Verhältnis der Frauen untereinander sei im Großen und Ganzen sehr gut. Früher habe es viel mehr Konflikte gegeben. "Die Frauen helfen sich und passen aufeinander auf. Über das gemeinsame Kochen läuft hier sehr viel." Dabei muss man auch nicht unbedingt dieselbe Sprache sprechen. Der Anteil von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund halte sich die Waage.

"Arbeit macht ein Stück demütig"
Die Arbeit im Frauenhaus mache "ein Stück demütig. Es wird einem bewusst, an wie vielen Stellen es einem gut geht." Zudem sei sie dankbar, wenn sie beim Auszug der Frauen feststelle, dass ein positiver Prozess in Gang gesetzt worden sei, sagt Katrin Lasser-Moryson. Dies stelle man auch bei den Ehemaligentreffen fest, zu denen sich immer über 30 Personen einfinden. "Es ist schön, zu sehen, was auf den Weg gebracht wurde."

Weihnachten wird im Frauenhaus übrigens "ganz klassisch" gefeiert. Manche Frauen fahren zu Verwandten, andere bleiben vor Ort. Der Baum wird geschmückt, der Weihnachtsmann (eine Frau) kommt vorbei, es gibt Geschenke, es wird gemeinsam gegessen und gesungen. "Wir schreiben jedem Kind und jeder Frau einen persönlichen Brief mit ganz viel von dem, was sie geschafft haben. Und wir lassen sie wissen, was für besondere Menschen sie sind", sagt Katrin Lasser-Moryson.

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