1. Dinslakener Literatur-Hotel-Preis: Christine Lodewick

Walburga lernt tanzen

Auf einem Bauernhof lebt Walburga.
Walburga?
Ihr wollt wissen, wer Walburga ist?
Walburga ist ein Huhn. Walburga ist aber keines dieser unglücklichen Kreaturen, die zu Hunderten in Legebatterien gesperrt sind, wenig Platz haben und nur die Tätigkeit des Eierlegens kennen.
Nein, Walburga ist ein glückliches Huhn.
Jeden Tag spaziert sie mit ihren Geschwistern über den Hühnerhof. Pickt hier ein Korn. Pickt dort ein Korn. Findet hier einen Wurm. Findet dort einen Wurm. Spielt und streitet mit ihren Geschwistern, so, wie es Geschwister miteinander eben tun.
Walburga ist immer unterwegs. Bei Wind und Regen, bei Sonne und Schnee.
Und … Sie kennt alle Tiere des Hofes. Jedes Mal, wenn sie irgendwo erscheint, wird sie lautstark und liebevoll begrüßt.
Wie schon erwähnt, Walburga ist ein glückliches Huhn. Das heißt, eigentlich müsste sie es sein.
Eigentlich?
Moment mal …
Sie hat nämlich für sich beschlossen, dass es noch mehr geben müsste, als nur Körner picken oder Würmer finden.
Halt!!!
Wie kommt ein Huhn eigentlich auf derartige Gedanken?
Hühner sind doch eigentlich dumm. Oder?
Walburga ist aber kein dummes Huhn. Sie ist neugierig. Neugierig geworden, seit...
Und das kam so:

Es war einer dieser wunderschönen sonnigen Tage. Auf dem Hof duftete der Hafer in der Sonne so schön aromatisch. Der Geruch von frisch gemähtem Gras durchflutete die Luft so herrlich, dass Walburga am liebsten Luftsprünge machen wollte.
Erst traute sie sich nicht so recht.
Aber dann … dann siegte doch ihre Glückseligkeit und … sie sprang tatsächlich in die Luft. Allerdings sahen diese Sprünge eher wie kleine Hopser aus, was sie nicht weiter störte.
Ungläubig schüttelten die Geschwister ihren Kopf.
„Wie kann man sich nur so unschicklich benehmen!“ gackerten sie sich zu und entfernten sich von ihrer in die Luft springenden Schwester.
Walburga war irgendwann einmal außer Atem. Und als sie sich entschloss, eine Pause zu machen, da bemerkte sie, dass sie allein war.
Da wurde sie traurig. Nicht, weil sie allein war.
Nein!
Sie fragte sich: „Warum machen meine Geschwister nicht mit? Es macht doch so viel Spaß. Und es ist doch so spannend und so aufregend.“
Während Walburga ihren Gedanken nachhing, flog ein bunter Schmetterling über ihr. Er tanzte so schön, so wunderschön, sodass Walburga sich wünschte, auch so tanzen zu können.
„Was machst du da?“ fragte sie den Schmetterling.
„Ich tanze meinen Sonnentanz!“ antwortete der Schmetterling und tanzte weiter.
Sie war so begeistert von diesem Tanz, sodass sie ihre Geschwister bald völlig vergessen hatte. Sie schaute nur noch nach dem Schmetterling.
Sie schaute und schaute. Sie schaute und probierte. Sie schaute noch einmal und probierte noch einmal. Aber es wollte nicht klappen mit dem Sonnentanz.
„Und wie machst du das?“ fragte sie schließlich.
„So geht das! Versuch`s `mal!“
Der Schmetterling klappte seine Flügel hoch und wieder herunter. Erst ganz langsam und dann immer schneller.
Walburga versuchte es noch einmal. Sie versuchte es immer wieder. Und tatsächlich … Irgendwann schaffte sie es zu tanzen. Und sie tanzte… tanzte von mal zu mal besser.
Nur so hoch wie der Schmetterling tanzte, so hoch schaffte sie es nicht. Aber das war Walburga völlig egal.

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