KANDIDAT PRIVAT: Der schnelle Norbert

Wahlkampf-Taxi.
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Ruf ein Taxi - und es kommt ein CDU-Landtagskandidat!

Den CDU-Kandidaten Norbert Neß kann man als Einzigen jetzt schon wählen - unter Wesel 030 300 - dann kommt er mit dem Taxi vorbei.
Der heutige Hamminkeler MdL-Bewerber um den rechtsrheinischen Wahlkreis im Kreis Wesel, zu dem auch Voerde und Hünxe gehören, ist gebürtiger Kölner. In Pulheim, einer nördlichen Vorstadt, wuchs Klein-Norbert behütet auf. Und wurde schon bald in der Messdiener-Zeitung „Da musst du durch“ aktiv. Wo er auch ein vielbeachtetes Interview mit dem noch neuen Kardinal Meisner veröffentlichte („der war nicht begeistert, war ihm zu rebellisch und zu frech“). Und prompt ein Angebot vom heimischen Wochenblatt bekam.

Kandidat privat

Hier konnte sich Neß auch Kindheitsträume erfüllen: U.a. ein Nachteinsatz mit der Feuerwehr, natürlich Schützenfeste und Brauchtum satt (Kölscher und Pullemer Karneval in allen Facetten), Politik. Und bekam auch den berühmten Kölner Klüngel vor die journalistische Flinte. Denn Pulheim gilt (mit seinen Ortsteilen, darunter Brauweiler, in dessen Abtei einst Adenauer Teile der Nazizeit in Arrest verbrachte) als Talente-Reservoir für die Kölner Politik. Der letzte Kölner CDU-Bürgermeister Fritz Schramma war Latein-Lehrer in Pulheim. Schüler Norbert Neß hatte zwar kein Latein bei Schramma, aber die eine oder andere Vertretungsstunde bei ihm. Der wiederum als Kommunal-Politker verständnisvoll die Hand über ihn hielt, wenn er z. B. wegen eines journalistischen Termins nicht die 3. oder 4. Stunde besuchen konnte. (Was natürlich nur ganz selten vorkam. Und heute unter G8-Verhältnissen gar nicht empfehlenswert wäre!).

Rüttgers Referent

Ein anderer einstiger CDU-Grande kam ebenfalls aus Pulheim, der damalige Zukunftsminister und spätere NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Und machte dem 23-jährigen Lokalredakteur ein „Angebot, das man nicht ablehnen konnte“: Sein Persönlicher Referent zu werden! Sicher spielte auch die damals schon gute Vernetzung von N.N. eine Rolle. Doch so ein offensichtliches Bekenntnis für ein politisches Lager hat auch Nachteile: „Viele kannten mich plötzlich gar nicht mehr, als sie mich bei der CDU wiedertrafen.“ Mit Rüttgers ging Neß dann dessen langen Weg: Minister, MdB, Oppositionsführer im Landtag, Landesvater, zur Hochzeit im September 2006 kam der Ministerpräsident persönlich gratulieren.

Sandra Neß kommt vom Niederrhein und als die junge Familie ein schönes Haus in Hamminkeln fand, wurde sie bald hier heimisch. Und freut sich inzwischen, dass ihre kleinen Söhne nahe dem schönen Niederrhein aufwachsen können. Im Dezember 2006 dann der überraschende Bruch durch Rüttgers: Der Regierungs-angestellte Neß wurde aus der Pressestelle der Landesregierung in ein Gelsenkirchener Amt versetzt. Doch: Schwamm drüber, sagt Neß heute unaufgefordert. Inzwischen ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen. Und Jürgen Rüttgers auch nicht mehr Ministerpräsident.
Neß ist heute froh über die handfesten fach- und sachlichen Erfahrungen in der Stadtplanung einer der ärmsten Revierstädte. Unter Rotgrün wurde er dann zurück nach Düsseldorf ins Landes-Referat für Demografische Entwicklung (Wirtschaftsministerium) berufen.

Düsseldorf - Gelsenkirchen und zurück

„Also, in Düsseldorf arbeite ich ja schon. Das ist es nicht, warum ich kandidiere! Ich will unser Land wieder nach vorne bringen: Den Rahmen für Wachstum und Beschäftigung schaffen. Mein Schwerpunkt ist die Wirtschafts-Politik.“ Wahlkämpfe hat Neß ja schon einige gestemmt, darunter auch richtig spannende mit-organisiert, wie den Wahlkampf zwischen Steinbrück und Rüttgers. Der ja bekanntlich mit dem Sieg Rüttgers im SPD-Stammland NRW endete. Aber Wahlkampf für sich selbst ist natürlich was ganz Besonderes.
Für den hat er (wie auch politische Gegner zugeben) eine richtig gute Idee entwickelt:

Neß hat ein altes Taxi seines Schwiegervaters aufgemöbelt und ist damit auf Wahlkampf-Tour. Und er fährt jeden Tag freiwillig eine Stunde für ein echtes Taxi-Unternehmen: u.a. macht er Krankenfahrten, begleitet hilfsbedürftige Patienten zur Dialyse und „schaut dabei dem Volk aufs Maul“. Den Lohn des 400-Euro-Jobs spendet er als wahlkämpfender Politiker natürlich für einen guten Zweck (für ein Kinderhospiz).

Den Taxischein hat er übrigens ebenfalls „in echt gemacht“. Und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass er seinen Wahlkreis wie seine Westentasche kennt. Denn der Schein bestätigt – wer hat das schon: amtlich nachgewiesen – genaue Ortskenntnisse. Und passt zudem auch genau in seine Westentasche.

Und schon hat „der schnelle Norbert“ die nächste Fuhre auf dem Schirm... doch wohl bloß nicht ausgerechnet SPD-Gegenkandidat MdL Norbert Meesters, der ein Taxi braucht? Nein. Na, dann: Gute Fahrt! Zumindest bis zum Muttertag! (Niederrhein Anzeiger KW 17/12 cd)

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