Architektur
Das Hörder Burg-Quartier – Hilton-Hotel und Sparkassenakademie

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Von der Brache zum Sahnestückchen: Die Revitalisierung der Hörder Burg

Von der Hörder Burg bekam man früher nur ein kleines Stückchen zu sehen: Ein paar Burgzinnen, ein Turm, etwas angeschmuddelte Mauern. Diesen Ausschnitt konnte man erhaschen, wenn man an der Fassstraße am Hoeschwerkstor vorbeifuhr.

Dabei reichen die Ursprünge der Hörder Burg bis ins 13. Jahrhundert zurück. Forschungen datieren die ältesten noch vorhandenen Elemente auf das Jahr 1270. Zur Südwestseite wurde der Wohnturm bis ins 16. Jahrhundert weiter ausgebaut. Hier sind Architekturelemente der Renaissance ablesbar.

1894 begann der Umbau zum Verwaltungsgebäude des Hörder Bergwerks-und Hüttenvereins, dessen Abschluss der große Anbau im Süden 1911 bildete. Zu dieser Zeit entstand auch die historisierende Architekturform, die mit Stufengiebeln und Burgzinnen einen etwas märchenhaften Eindruck vermittelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im Westen die sogenannte Vorburg mit neobarocken Elementen errichtet. Gegen Ende der Stahlwerkszeit wurden Pflege und Erhaltung des Ensembles zurückgefahren, so dass die Gebäude zu Beginn des Jahres 2000 einen sehr unansehnlichen Zustand erreicht hatten.

Die Stadt, die das gesamte Areal inklusive der südlich angrenzenden ehemaligen Stiftsbrauerei von privater Hand übernommen hatte, investierte zunächst in eine Dach- und Fachsanierung, um das Gebäude äußerlich attraktiv zu machen und damit den Startschuss für die Seevermarktung zu geben. Dies erwies sich als ausgesprochen kluger Schachzug, um das Entree des Seeareals aufzuwerten.

Im Frühjahr 2014 übernahm die Dortmunder Immobilienfirma DIAG Grundstück und Gebäude, damals noch ohne feste Nutzungsidee. Im Sommer des Jahres lobte die Sparkassenakademie Nordrhein-Westfalen einen NRW-weiten Aufruf für einen neuen Standort aus. Die Sparkassenakademie, Körperschaft des öffentlichen Rechts, ist eine Fortbildungseinrichtung, die in erster Linie für die Sparkassen Nordrhein-Westfalens aber auch für andere Einrichtungen und Privatengagements offen ist. Ihre beiden Standorte in Düsseldorf und Münster sollten zusammengelegt werden. Die Standortsuche sollte bis zum Jahresende 2014 abgeschlossen sein.

„Unser Büro Schamp & Schmalöer hatte als Architekten bereits ein Jahr zuvor das Projekt RIVA für DIAG am Phoenix See realisiert. Folglich bewarben wir uns als Team auch im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens für die Sparkassenakademie NRW mit dem Standort Hörder Burg und den angrenzenden Flächen“, so der Architekt Richard Schmalöer.

Das umfangreiche Raumprogramm der Ausschreibung ließ sich nicht allein in der Hörder Burg unterbringen, so dass neben der Burg im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens ein rund 4000 Quadratmeter großer Neubau mit Tiefgarage vorgesehen wurde. Am Verfahren nahmen 113 weitere Teams aus allen namhaften Regionen Nordrhein-Westfalens statt.

„Wenn man einen Kreis um Dortmund schlägt, dessen Mitte ungefähr am Phoenix See liegt, so stellt man fest, dass Dortmund innerhalb Nordrhein-Westfalens einen ausgesprochen zentralen Standort einnimmt, was für die Wahl des neuen Sitzes der landesweiten Fortbildungseinrichtung von großem Vorteil war“, so Schmalöer.

„Darüber hinaus hatte es sich offensichtlich bis nach Münster und Düsseldorf herumgesprochen, dass am Phoenix See ein ungewöhnlich qualitätvolles Stadtentwicklungsprojekt realisiert worden war, dessen Aufenthaltsqualität heute weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlt. Letztendlich hatte aber auch die Qualität des denkmalgeschützten Altbaus mit der modernen Architektur des Neubaus im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens einen wesentlichen Ausschlag gegeben, weshalb der Vorstand der Sparkassenakademie sich letztendlich am 23.12.2014 für das Projekt von DIAG und Schamp & Schmalöer entschied“, so Schmaloer.

Unmittelbar zum Jahresanfang 2015 konnte die Planung fortgesetzt werden, so dass schon im Mai 2015 mit den Entkernungsarbeiten und den restauratorischen Forschungen innerhalb der Burg begonnen wurde. Die Entdeckungen, die dabei gemacht werden konnten, waren großartig:

„Es fanden sich vollständig verkleidet und unerkennbar Reste einer sogenannten Joly-Treppe, einer gusseisernen Fertigtreppenkonstruktion aus der Zeit um 1900. Es fanden sich Renaissancekapitelle aus Sandstein. Es fanden sich Marmorimitatmalereien und sonstige Wandbemalungen verschiedenster Formen. Und es fand sich die einzige Holzimitatdecke aus Stuck, die es in Dortmund gibt“, fasst Richard Schmalöer zusammen.

All diese denkmalpflegerisch bedeutenden Elemente wurden erhalten und in die neue Nutzung integriert, so dass die Besucher des Hauses sie heute erleben und wahrnehmen können. Innerhalb der Burg sind Büro-, Schulungs- und Verwaltungsräume auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern entstanden. Sämtliche Bereiche sind mit hohem technischem Aufwand zu perfekt nutzbaren, modernen Räumen ertüchtigt worden. Lüftung, Klimatisierung und Raumakustik sowie die EDV-technische Ausstattung sind auf dem neusten Stand, ohne dass man es dem alten Gemäuer anmerkt. Anfang Dezember 2016 wurde der erste Bauabschnitt, also die Hörder Burg selbst, an die Nutzer übergeben, die daraufhin bis zur ein Jahr später erfolgten Übergabe des Neubaus (zweiter Bauabschnitt) bereits den Betrieb in eingeschränkter Form aufnehmen konnten.

Im etwa 30 Prozent größerem Neubau ist neben dem Restaurant auch eine große Aula für Veranstaltungen mit bis zu 200 Gästen realisiert worden. In der Aula ist Bühnentechnik vorhanden, die für Veranstaltungen aller Art geeignet ist. Das Restaurant verfügt über 230 Plätze und fungiert einerseits als Kantine für die Besucher der Schulungen, andererseits als öffentliches Restaurant. Unter dem Neubau befindet sich eine Tiefgarage mit 89 Stellplätzen.

Die Planung des Anbaus an die denkmalgeschützte Hörder Burg erfolgte in enger Abstimmung mit dem Gestaltungsbeirat der Stadt und den Denkmalbehörden aus Dortmund und Münster. Alle beteiligten Experten folgten dem Vorschlag der planenden Architekten, den Neubau durch ein modernes und reduziertes Volumen mit hochwertiger Natursteinfassade zu ergänzen.

Zwischen der Hörder Faßstraße und dem Burgareal ist durch den dritten Bauabschnitt, das Hotel Hamptons by Hilton, einer der schönsten öffentlichen Plätze in Dortmund entstanden. Der Hörder Burgplatz, von den Landschaftsarchitekten Landschaft planen + bauen, Thomas Mielke und Hellmut Neidhardt, entworfen und realisiert, nimmt die Außengastronomie des Akademierestaurants und der Lobby des Hotels auf.

Darüber hinaus erstreckt sich im Zentrum des Gebäudekomplexes eine großzügige Grünfläche, die dem steinernen Platz einen wohltuenden Charakter verleiht. Öffentliche Durchgänge zu den verschiedenen Seiten ermöglichen eine Verbindung mit den angrenzenden Quartieren rund um den See, lassen den Platz aber gleichzeitig als angenehme Oase der Ruhe im städtischen Gefüge erscheinen.

Das Hotel verfügt über 135 Zimmer, von denen 2 rollstuhlgerecht ausgestattet sind. Mit seiner
Sandsteinfassade knüpft es an typische großstädtische Bauten der Nachkriegsmoderne in Dortmund an. Die schlichte Fassade mit der Betonung der Eingangsachse, die eingeklappten Fensterleibungen, das Flugdach und der Arkadengang als Besonderheiten der Architektur kommen gemeinsam mit der Lage so gut an, dass die Hotelleitung mit der Auslastung ausgesprochen gut zufrieden ist.

Den letzten Bauabschnitt rund um den Hörder Burgplatz bildet die Fassaden- und Dachsanierung der Vorburg. In diesem Gebäude sind verschiedene Nutzungen untergebracht. Sie stehen nicht im
Zusammenhang mit der Sparkassenakademie. Die Räumlichkeiten sind über DIAG als Ansprechpartner frei vermietbar. „Schamp & Schmalöer als Architekturbüro mit Sitz in Hörde im Labor auf Phoenix-West sind sehr glücklich über die Möglichkeit, ein so komplexes Projekt innerhalb einer so kurzen Zeit und mit einem Bauherrn mit ungewöhnlich hohem Anspruch realisiert haben zu können“, bilanziert Schmalöer. Regelmäßig führen die Architekten Besichtigungen in der Hörder Burg und in der Sparkassenakademie durch. Interessenten können sich dazu gerne bei Schamp & Schmalöer melden.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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