Heißer Sommer für die Bauern

Jan-Dirk Braß zeigt, wie hoch das Gras auf seiner Wiese im Wannebachtal eigentlich stehen müsste. Statt dessen ist das Grün bis zur Wurzel vetrocknet. Die Wiese zum Süden hin hat Gefälle, auf dem das Wasser ablaufen würde - wenn es denn mal regnete.
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  • Jan-Dirk Braß zeigt, wie hoch das Gras auf seiner Wiese im Wannebachtal eigentlich stehen müsste. Statt dessen ist das Grün bis zur Wurzel vetrocknet. Die Wiese zum Süden hin hat Gefälle, auf dem das Wasser ablaufen würde - wenn es denn mal regnete.
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Wie ist die Lage der Bauern in Dortmund nach dem heißen und trockenen Sommer? Gibt es dramatische Ernteausfälle? Zwei Dortmunder Landwirte, Jan-Dirk Braß im Süden und Nils Frielinghaus im Norden beschreiben ihre Situation.

„Wir sind noch mal mit einem blauen Auge davongekommen“ erzählt Jan-Dirk Braß. Auf seinem Hof, dem Gut Kückshausen am Wannebachtal sind rund hundert Reitpferde privater Besitzer untergebracht. Der Hof wird schon in der zwölften Generation von der Familie bewirtschaftet, 1974 wurde die traditionelle Landwirtschaft komplett auf Pferdehaltung umgestellt. Seitdem werden auf 180 Hektar Ackerfläche und 70 Hektar Grünland Stroh, Futtergetreide, Silage und Heu hauptsächlich für den eigenen Bedarf produziert. Der Überschuss wird verkauft. Auch die Maissilage wird verkauft. Rund 55 Tonnen waren es in diesem Jahr.

„Die Ertragsverluste auf unserem Hof sind nicht so dramatisch“, bilanziert der Agraringenieur Braß. „Gegenüber anderen Jahren haben wir rund zehn Prozent weniger Ertrag.“Die letzten zehn Doppelzentner Ertrag, die wir nicht einfahren konnten, die fehlen uns dann am Gewinn.“

Etwas drastischer sieht es beim Grünschnitt aus. „Statt dreimal zu schneiden konnten wir die Wiesen nur etwa eineinhalb Mal mähen. Der letzte Schnitt ist ganz ausgefallen. In der Regel können wir überschüssiges Futter abgeben, in diesem Jahr müssen wir zukaufen.“ So geht es auch den Betrieben in der Nachbarschaft: „Ich brauche da gar nicht nachzufragen – die haben selbst nichts mehr.“ Trotzdem wird Braß die Kosten nicht an die Einsteller der Pferde weitergeben.

Das zugekaufte Futter kommt aus Frankreich und Süddeutschland, und die Preise sind bei knappem Angebot und hoher Nachfrage schon ordentlich gestiegen. Zwar sind die nicht genutzten Brachflächen vom Landwirtschaftsministerium zum Schnitt freigegeben, doch das hilft zumindest Braß nicht weiter: „Da wächst Jakobskreuzkraut und andere Kräuter, als Pferdefutter ist das nicht geeignet.“

Dennoch, keiner der Betriebe in der Region wird die Dürrehilfe der Regierung in Anspruch nehmen müssen, glaubt Braß. „Wir arbeiten hier mit relativ gut wasserhaltenden Böden. In Brandenburg mit seinen sandigen Böden ist die Lage ganz anders.“ Auch für Kartoffel- und Gemüsebauern ist es ein sehr schwieriges Jahr – weil die Früchte mehr Wasser brauchen.

„Die Folgen der extremen Trockenheit werden wir erst m nächsten Jahr spüren“, meint Braß. Dann kann es beim Raps knapp werden. „Wenn ich den jetzt aussäe, und er wegen zuwenig Feuchtigkeit gar nicht keimt, dann habe ich 150 Euro pro Hektar für Saatgut und Herbizid ausgegeben, die ich nicht wieder reinholen kann.“ Eine Woche lang richtig schönen Regen, das wäre es, was die Landwirte jetzt brauchten.

Von einer Dürreversicherung für die Landwirte aus dem Subventionstopf hält Jan-Dirk Braß nicht viel: „Das fehlt ja dann wieder woanders, zum Beispiel bei den Subventionen für Ackerrandstreifen und Uferrandstreifen. Im Durchschnitt gibt es hier in der Region alle 15 Jahre ein problematisches Jahr. Da muss man entweder Rücklagen bilden oder selbst für eine entsprechende Versicherung sorgen, das ist eine unternehmerische Abwägung.“ Anders sieht das in Brandenburg aus. Dort ist jedes fünfte Jahr ein schwieriges, entweder wegen zuviel oder zuwenig Wasser.

Die Ernte ist für dieses Jahr komplett abgeschlossen, schon Ende Juli war alles eingefahren, rund vier Wochen früher als sonst. Zeit für Treffen und Sitzungen: Was ist, wenn solche Sommer zur Regel werden? „Die Landwirtschaft umzustellen ist problematisch. Wir arbeiten auf unserem Hof mit einer weiten Fruchtfolge aus Raps, Mais, Weizen, Gerste, Hafer, Ackerbohne und Triticale, das ist ein Futtergetreide, eine Mischung aus Weizen und Roggen“ - und das hilft, das Risiko abzufedern.

Nils Frielinghaus bewirtschaftet in Brechten einen Hof mit 240 Milchkühen und rund hundert Hektar Land, und abgesehen vom chronisch niedrigen Milchpreis geht Frielinghaus „entspannt in den Winter.“ Er zehrt noch vom Ertragsüberschuss des vergangenen Jahres. „Normalerweise können wir fünf Mal im Jahr einen Grünschnitt machen, dieses Jahr ist wegen der Trockenheit einer ausgefallen. Wir haben ein wenig Mais zugekauft, das wars.“ Allerdings sind schon jetzt die Preise für Mais und Raps gestiegen.

Frielinghaus produziert konventionell, doch er orientiert sich an der ökologischen Landwirtschaft und achtet darauf, dass er einen funktionierenden Kreislauf in seiner Landwirtschaft hat: „Wir produzieren Futter für unseren eigenen Bedarf und düngen mit der Gülle und dem Mist wieder unsere eigenen Felder. Ich füttere nicht mit Sojaschrot, das heißt, die Milch ist gentechnikfrei.“ Sein Hof ist seit 1796 in Familienbesitz: „Mit dem, was mir die Familie übergeben hat, will ich vernünftig und verantwortungsvoll arbeiten.“

Statt Sojaschrot experimentiert Frielinghaus mit eigenen Futtermischungen: „Trotz des heißen und trockenen Sommers ist der Rotklee hier gut gewachsen, weil er sehr tief wurzelt und dort auch noch Feuchtigkeit findet. Klee ist für meine Kühe super, sie bekommen unter anderem Kleegras, das ist eine Mischung aus 30 Prozent Klee und 70 Prozent Gras. Da hatten wir auch in diesem Jahr einen ausreichenden Ertrag.“

Die Kühe, die besonders viel Milch geben, bekommen zusätzlich eine spezielle Kraftfuttermischung, sie besteht aus gewalztem Weizen, Rapsschrot, Mais, Kalk und Salz. „Mehr Protein muss ich nicht zukaufen. Das Getreide wird hier auf dem Hof vermahlen.“

Die Hitze hat nicht nur den Pflanzen, sondern auch seinem Vieh zu schaffen gemacht: Rund zehn Prozent weniger Milch haben die Kühe gegeben, und auch die Fruchtbarkeit ist während der Zeit gesunken. Damit es auch im offenen Stall für die Tiere erträglich bleibt, gibt es große Ventilatoren und auch Wasserkühlung mit Nebenanlagen.

Für die Zukunft mit möglicherweise regelmäßig heißen Sommern muss man verschiedene Ansätze antesten, meint Frielinghaus. „Es gibt Gräser, die bis zu 1,60 Meter tief wurzeln, die kommen mit Trockenheit viel besser klar.“ Nicht in Hysterie verfallen, die Veränderungen beobachten und auf Dinge reagieren, das ist seine Devise. So hat er in diesem Jahr erstmals Blühstreifen rund um die Äcker gesät, insgesamt 1,8 Kilometer lang, mit Sonnenblumen und Wildblumen. Das bietet Insekten, Vögeln und Kleintieren einen Lebensraum und ist auch für das nächste Jahr wieder fest eingeplant.

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