Dortmund sagt mit 12 Coronavirus-Fällen alle eigenen Veranstaltungen ab
Im Konsens mit vielen Veranstaltern

Großveranstaltungen werden in Coronavirus-Zeiten verschoben, wie die Stadt mit kleineren umgehen will, darüber informierte heute der Dortmunder Krisenstab im Rathaus.
  • Großveranstaltungen werden in Coronavirus-Zeiten verschoben, wie die Stadt mit kleineren umgehen will, darüber informierte heute der Dortmunder Krisenstab im Rathaus.
  • hochgeladen von Antje Geiß

Dortmund hat heute 12 bestätigte Coronavirus-Fälle und sagt bis Mitte April alle eigenen Veranstaltungen ab. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht", sagt Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei einer Pressekonferenz während die Weltgesundheitsorganisation erstmals von einer Pandemie spricht. Der Dortmunder Krisenstab entscheid seitens der Stadt keine eigenen Veranstaltungen seitens der Stadt mehr durchzuführen und auch keine Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen. Der Umgang mit der Lage treffe bei den meisten Veranstaltern auf Konsens und finde viel Zustimmung.  "Für Veranstalter ist das auf der ökonomischen Seite ein gewaltiger Einschlag, der auch existentielle Auswirkungen haben kann", weiß Ullrich Sierau. 
"Wir wollen das Leben auch nicht komplett lahmlegen"sagt er, aber wo sich ganz viele anstecken können, da können Infektionsketten unterbrochen werden. Und dabei spricht er nicht nur von den großen Veranstaltungen, aber auch von denen.

Pandemie fordere Verantwortung zu tragen

In Bezug auf die Regelung zur Absage von Großveranstaltungen erhielt die Stadt Dortmund den Erlass des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Darin wird den Kommunen die Durchführung aller Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen untersagt.
Die Stadt Dortmund wird abhängig von den im Erlass formulierten Vorgaben so schnell wie möglich eine Regelung für alle Veranstaltungen in Dortmund erarbeiten. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wird die Stadt Dortmund so schnell wie möglich kommunizieren.
WILO habe die Eröffnung verschoben, die FH feiert später, das eBike Festival ist verschoben. Veranstalter gehen sehr bewusst und verantwortungsvoll mit der Lage um, stelle der Dortmunder Krisenstab fest. Da wo es gehe, werde der Termin verschoben. 

Skatturniere, Konzerte, Gedenken

Es gehe um Skatturniere, Chorauftritte, Divers City  und auch das Karfreitagsgedenken in der Bittermark. "Unser Regelwerk soll bis Mitte April gelten, das ist unser Orientierungswert", sagt das Stadtoberhaupt, nächste Woche wolle man weiter schauen. Festgelegt ist per unbefristetem Erlass des NRW-Gesundheitsministers Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern abzusagen. Im Rathaus redet man von einer guten Kooperationskultur. "Menschen in Krisen verhalten sich oft vernünftiger, als man denkt", sagt Sierau, der jetzt einen "leeren" Terminkalender hat, denn er hat alle Einladungen durch die Bank abgesagt.

Fürsorge und Prävention

"Das ist Fürsorge und Prävention, wir sehen uns in der Verantwortung," meint der Oberbürgermietser, dass die Stadt mit gutem Beispiel voran gehen müsse. In der Verwaltung werde zu Coronaviruszeiten viel durch Telefon und Videokonferenzen substituiert. Jeder solle zwischen Pflicht - und Kürterminen unterscheiden. Es sei Kreativität gefragt, etwa, wie man mit Gedenkveranstaltungen umgehe. Karfreitag in der Bittermark, aber auch für Opfer rechter Gewalt. Die Verantwortlichen des städtischen Krisenstabs arbeiteten jetzt peu à peu eine Proritätenliste ab. Abgesagt werden Veranstaltungen, "um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, um die Infektion zu verlangsamen und so mit dem Gesundheitssystem auf Strecke klar zu kommen", erklärt Dezernentin Birgit Zoerner, als Leiterin des Krisenstabes, dass es vor allem um den Schutz Älterer und chronisch Kranker gehe, denen das Virus gefährlich werden kann. 

Stadt will mit Regelwerk reagieren

 "Wenn noch einige da sind, die das nicht erkennen, als Veranstalter, werden wir mit einem weiteren Regelwerk reagieren", verweist Sierau auf den Ernst der Lage.              
Drei von 41 gesten im Gesundheitsamt genommenen Tests, wurden heute positiv ausgewertet, damit steigt die Zahl der Dortmunder Coronafälle auf 12. Im Klinikum Dortmund wurden davon zwei positive Corona-Tests bestätigt. Diese beiden Patienten befinden sich zurzeit in Behandlung im Klinikum, die meisten seien daheim in Quarantäne. Es handele sich bei einem neuen Coronavirus-Fall um einen Rückkehrer aus Italien, bei einem anderen aus Bayern, noch seien laut Gesundheitsamt die Ansteckungswege nachvollziehbar. 

180 Intensiv-Betten in Dortmund

Dortmund verfügt über 180 Intensiv-Betten, in einem großen Teil davon können Patienten beatmet werden, keine zehn davon seien derzeit frei, dies variiere jedoch von Stunde zu Stunde. Zwei Plätze im Klinikum seien für schwerste Infektionsfälle vorgesehen. "Aber wir haben mehr", erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes. "Wenn sich die Pandemie so weiter entwickelt, wie es zu befürchten ist, müssen wir in Krankenhäusern ändern, dass Eingriffe, in drei bis sechs Wochen, verschoben werden. denn wir befürchten, dass es sich so wie in Italien entwickelt", sagt Dr. Frank Renken. Zu der hohen Sterblichkeit dort habe geführt, dass Patienten mit Beatmung durch die schwere Krise der Lungenentzündung gebracht werden müssen. "In Deutschland haben wir die zehnfache Kapazität an Beatmungsplätzen  in Relation zur Bevölkerung", rechnet Renken hoch.
"Gegen uns spricht die freie Gesellschaft", hat der Gesundheitsexperte die Ausbreitung von Viren im Blick, "für uns spricht der Informationsvorsprung", meint er, dass in China erst die schweren Fälle aufgefallen seien, während die leichten schon das Virus im ganzen Land verbreitet hätten. "Wir glauben, dass wir in einem deutliche früheren Stadium sind, es zu begrenzen, aber ob es gelingt, wissen wir in zwei, drei Wochen."    

Jüngere können unbemerkt Ältere anstecken

Wer aus Südtirol zurück komme, sollte nicht nur im Homeoffice arbeiten, sondern auch in seiner Freizeit Quarantäne ernst nehmen, bis er sicher sei, dass er virusfrei ist. Ein Jüngerer könne symptomfrei sein, aber einen Älteren infizieren, der schwer erkranke.  "In Senioreneinrichtungen gehe man sehr verantwortungsbewusst damit um, dass die Klientel sehr betroffen ist", berichtet Dr. Renken.  Auch in Altenbegegnungsstätten werde das Programm sehr weit runter gefahren, fügt Birgit Zoerner hinzu. "Wir können als Gesundheitsamt eine Schule schließen, wenn es einen bestätigten Coronavirusverdacht gibt", sagt Frank Renken, "aber es kommt darauf an, ob es das angemessene Mittel ist.  Und der Oberbürgermeister meint abschießend: "Wir sind eine unglaublich aktive, lebendige Stadt, und da bin ich froh drum, aber in Zeiten wie diesen, werden die Aktivitäten runtergeschraubt."

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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