Jugendarbeit
Streetwork-Café hilft jungen Wohnungslosen

Etwas versteckt neben einer Tiefgarage liegt der Eingang zum Streetwork-Café.
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  • Etwas versteckt neben einer Tiefgarage liegt der Eingang zum Streetwork-Café.
  • Foto: Schwalbert
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Es ist kein schöner Ort in der Nordstadt: Direkt neben der Einfahrt zum Parkhaus an der Leopoldstraße liegt ein schmaler Eingang: Hier geht es zum Streetwork-Café.Die Linienstraße ist gleich um die Ecke, das Keuninghaus mit seinem Park nur ein paar Meter weiter.

Und dennoch ist es ein guter Platz: Dort, wo die Streetworker gebraucht werden, wo Jugendliche und junge Erwachsene ohne feste Bleibe sich tagsüber und nachts aufhalten.

Schon seit dreißig Jahren gibt es in Dortmund Streetwork-Angebote für Jugendliche an verschiedenen Standorten, im April 2000 wurde das Streetwork-Café an der Leopoldstraße 22 eröffnet – unter anderem als Anlaufstelle für die verschiedenen Gruppen von Punks, die immer weiter aus der Innenstadt verdrängt wurden.

„In den 30 Jahren hat sich viel verändert“, erzählt der Leiter der Einrichtung, Dietmar Fiedler. „Am Anfang war unsere Zielgruppe überwiegend wohnungslose junge Menschen.“ Heute kommen in das Streetwork-Café zusätzlich junge Leute, die schon viele „Beziehungsabbrüche“ hinter sich haben. „Das sind junge Menschen, die schon vieles und meist nichts Gutes erlebt haben.“

Noch immer sind viele wohnungslos, und ihre Zahl steigt weiter an. „Für sie sind wir hier eine Überlebenshilfe-Einrichtung, denn wir bieten eine postalische Adresse. Das ist wichtig für Kontakte zum Jobcenter und zu anderen Behörden.“ Daneben gibt es Hilfestellungen im ganz normalen Alltag von jungen Menschen, die auf der Straße leben oder bei einem Freund untergekommen sind: Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Begleitung bei Behördengängen. Und vor allem Unterstützung beim Lösen von Problemen und Konflikten.

Außerdem können die jungen Leute im Streetwork-Café ihre Wäsche waschen, sich duschen, neue Kleider bekommen und etwas essen. Kürzlich wurden in einer größeren Aktion Isomatten und Schlafsäcke gespendet und verteilt. Die Altersspanne der jungen Menschen reicht von 15 bis 27 Jahren. „Viele haben keine eigene Wohnung, sie leben bei einem Kumpel, übernachten in leerstehenden Häusern oder Fabrikhallen“, weiß Fiedler.

„Im Laufe der letzten Jahre ist die Zahl der betreuten Klienten gestiegen“, berichtet Harald Landskröner, stellvertretender Bereichsleiter der Jugendförderung. Rund hundert Klienten kommen regelmäßig. „Konzipiert wurde das Café für 35 bis 40 Personen. Und weil die Einrichtung immer nur drei Stunden am Tag geöffnet ist, drubbelt es sich manchmal. Im Moment können wir die räumliche Situation hier aber noch ganz gut händeln“, erklärt Landskröner.

Viele der jungen Wohnungslosen haben Tiere, für die es im Streetwork-Café Futter gibt. Auch die medizinische Versorgung der Zwei- und Vierbeiner ist durch verschiedene Kooperationen, beispielsweise mit dem Verein DoDog und dem Tierschutzverein abgedeckt.

Bevor die Klienten aber den Weg in das Streetwork Café finden, muss erst einmal Vertrauen aufgebaut werden. Zwar gibt es unter den Jugendlichen viel Mund-zu-Mund-Propaganda, doch den ersten Kontakt zu den Streetworker gibt es auf der Straße. „Wie haben schon ein gutes Standing bei den Jugendlichen“, weiß Dietmar Fiedler. „Aber die klassische Straßensozialarbeit ist ein wichtiger Faktor. Wir versuchen, jeden Tag auf die Straße zu gehen.“

Dort warten ganz verschiedene multiple Problemlagen auf den Diplom-Sozialpädagogen, von Drogensucht über Prostitution bis hin zu Verschuldung oder psychischen Abhängigkeiten. Rund 30 Prozent der Klienten sind Mädchen oder junge Frauen. „Das dauert mitunter ein halbes Jahr Arbeit auf der Straße, bis sie genug Vertrauen gefasst haben, um in das Streetwork-Café zu kommen“, so Fiedler.

Durch fehlende Unterstützung im Elternhaus und schlechte Erfahrungen mit Bürokratien fallen die jungen Menschen aus dem Versorgungssystem. Weil sie ihre Pflicht-Krankenkassenbeiträge nicht bezahlt haben, sind die wohnungslosen Jugendlichen oft verschuldet. Dann wird an eine Schuldnerberatung vermittelt. In Dortmund ist das Café bestens vernetzt und hat viele Unterstützer. Und es gelingt, die Klienten in entsprechende Hilfsangebote weiter zu vermitteln.

Finanziell ist das Café über das Jugendamt gesichert, „doch was zusätzlich über Spenden kommt, hilft uns weiter.“ Besonders dankbar ist das Café über Kleidung und Schuhe speziell für Jugendliche. Engagierte Vereine, Ehrenamtler und Praktikanten unterstützen das Team mit zweieinhalb Stellen, das demnächst noch um eine Vollzeitstelle aufgestockt werden soll.

Rückmeldungen über Erfolge bekommen die Sozialarbeiter und Sozialpädagogen eher selten, doch es gibt sie. So ein Fall ist Dietmar Fiedler bekannt. Ein junger Mann, der zur Stricherszene am Hauptbahnhof gehörte. Es gelang den Streetworkern, ihn in einem Aussteigerprogramm unterzubringen. Er machte eine Ausbildung, und hat mittlerweile seinen Meister in der Tasche. „Doch dafür bedarf eines eines langen Atems, mit viel Betreuungsarbeit am Anfang.“

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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