Bloggen Sie ! Bloggen macht Spaß und ersetzt das Tagebuch !

Früher nannte man es Tagebuch. Heute stellen die leidenschaftlich Schreibenden ihre Blogs ins Internet und ein Blog könnte folgendermaßen ausschauen: Kleine Alltagsbeobachtungen, gewürzt mit ein bisschen Fantasie, Ironie und Seele. Schreiben Sie in Ihren Blogs doch einfach das, was Ihnen so einfällt ! Die Seiten des Internet streben nach Unendlichkeit...

Blog 1

Vierzig Jahre hatten sie sich nicht gesehen ! Zum letzten mal, als sie aus der Schule entlassen wurden. Gestern rief Fred an . Sie vereinbarten ein Treffen morgens um 11 Uhr am Markt in dem kleinen Bistro. Sie betrat das Bistro, sah drei Männer an der Theke sitzen, bestellte einen Kaffee und wartete eine Weile. Schade, er war nicht gekommen. Sie zahlte und ging. Einer der drei älteren Herren sah ihr nach.

Blog 2

Lange hatte sie sich vorbereitet auf das Vorstellungsgespräch im ersten Hotel am Platz, Einmal wöchentlich zum Nachmittagstee sollte sie eine Stunde vorlesen aus eigenen Werken. Für ein Salär von 200 Euro die Stunde. Das beste Angebot, das sie je im Leben erhalten hatte. "Sie schreiben so toll", sagte der Personalchef. "Ja, die besten Ideen kommen mir immer beim saufen", entfuhr es ihr. Das Wort stand im Raum. Ihre vorlaute Art hatte ihr nicht umsonst in der Kopfnote "betragen" eine "vier" beschert. Und jetzt, im alter von rund fünfzig Jahren, erlebte sie eine lähmende Zeit der Ungewissheit, die sie nervös machte - trotz ihres stets rebellischen Verhaltens.
War der Job verloren bevor er überhaupt angefangen hatte ?

Blog 3

Der gebrochene Arm wuchs offensichtlich wieder gut zusammen. So gut, das er fünf Wochen nach dem schweren Sturz, der die Fraktur des Oberarmknochens zur Folge hatte, schon neugierig nach einer tonnenschweren Tür griff, um diese aufzureissen. Das hatte die Besitzerin des armen Armes sich nicht so vorgestellt und war völlig entsetzt nach dieser Tat auf die Strasse getreten in dem festen Glauben, nun falle ihr der Arm ab.
Sie konnte sich kaum beruhigen ob dieser Missetat, schalt sich einen großen Trottel und ging zu den Wasservögeln am nahegelegenen See. Hier saß sie lange und sinnierte darüber nach, wie es wohl sei, wenn ein Fuchs sich einen vorderen Beinknochen bricht. Das Gelenk wird auch bei ihm durch Versteifung erstmal dafür sorgen, das der Knochen in Ruhe zusammenwächst. Und wenn er dann zusammengewachsen ist und der Fuchs sieht ein Hühnchen, dann wird er freudig auf es zulaufen und es schnappen. Keineswegs wird er erstmal im Kalender schauen, ob er das schon darf. Wenn sein Beinchen wieder jagen kann, dann jagt er. Er fragt weder nach Röntgenaufnahmen noch nach dem Ablauf einer bestimmten Zahl von Heilungs- und Karenztagen. Wenn der Fuchs wieder jagen kann, jagt er.
Mit diesen Gedanken versiegte der Strom ihrer Tränen und die Wasservögel konnten endlich wieder lachen.

Blog 4

Den ganzen Tag hatte sie sich gefreut auf Helge Schneider. Abends um 23.15 Uhr würde er zu Gast sein bei Markus Lanz. Sie, die als bekennende Nachteule nie vor Mitternacht einschlief, wurde nach dem Anblick von Helge plötzlich so müde, das sie bleiern schwer einschlief. Als ihr beim bläulich leuchtenden Bildschirm mit dem Testbild klar wurde, das sie Helge verschlafen hatte, lächelte sie still vor sich hin. Sie wusste, das eine echte Zuneigung entspannende Wirkung haben kann und dankte ihrem Schwarm für die schöne Stunde Tiefschlaf. Wahre Liebe ist nun mal gekennzeichnet durch Verzicht ...

Blog 5

Heute, beim Besuch in der Arztpraxis, sieht sie eine orange gekleidete Frau auf einem Stuhl im Flur und diese lächelt ununterbrochen vor sich hin. Die Praxis ist buddhistisch geprägt - und die Patienten zum Teil auch. Die orange Frau zieht eine Tupperdose aus dem Rucksack, entnimmt ihr ein Butterbrot nach dem anderen und isst. Dazu aus einer anderen Dose ein Gürkchen, ein Tomätchen und ein Ei. Aus einer großen Thermoskanne schenkt sie sich Kaffee ein. Kaffeebecher, Dosen, Brote, Gemüse und Kanne stehen auf ihrem Schoß. Sie darf nicht wackeln. Sie verstand die Frau nicht - der Blick fällt aus dem offenen Wartezimmer auf die essende Frau. Ca. 27 Augenpaare sind auf sie gerichtet. Warum macht die Frau das ? Es passt nicht und sie alle sind hier nicht auf Trekkingtour im Himalaja sondern in einer Arztpraxis. Vielleicht ist sie ein exhibitionistischer Freßsack ? Sie ist nach Verlassen der Praxis ins Nudelhaus gegangen - Tagliatelle mit Tomaten, Spinat und Parmesan. War lecker ! Auch ohne Arzt in der Nähe...

Blog 6

Ihre Bewegungen waren schon den ganzen Tag über so langsam, wie ihre Gedanken. Gedankenverloren naschte sie im Eiscafé an ihrem Bananensplit mit Schoko-, Vanille- und Nußeis und viel Sahne. Ihr Blick war gerichtet auf den "Stern" auf ihrem Tisch mit dem Fall Edathy als Aufreißer. Sie würde ihn gleich nach dem Essen lesen.
Es ging aber nicht - weder lesen, noch denken konnte sie. Ständig schob sich ein Gesicht zwischen sie und die sie umgebenden Dinge. Das Gesicht von Fynn lächelte sie an, was immer sie dachte und irritiert ließ sie ihre Beziehung mit ihm Revue passieren.
Seit fünf Jahren flog sie regelmäßig nach Finnland zu ihm - mehrmals im Jahr. Sie lebten dann gemeinsam in seinem kleinen Bauernhaus am See und spielten "Ehepaar". Für sie war er in den vergangenen Jahren das größte Geschenk, was sie je erhalten hatte. Das er kaum lesen und schreiben konnte, störte sie nicht. Sie sah seine blitzenden Augen, wenn er die Fische schuppte und ihr sagte "Gleich gibt es etwas Feines !" Dann briet er die Fische in einer alten Pfanne in viel Sonnenblumenöl und sie aßen dazu mit der Hand trockenes Brot aus dem nahe gelegenen Supermarkt mit einer Flasche Billigwein aus Oberitalien. In der Nacht liebte er sie sanft und umschmeichelte sie wie eine Katze. "Naturkind" nannte sie ihn in Anlehnung an den Roman von Voltaire und nichts vermochte den Zauber zu brechen, den er auf sie aus übte.
Bis sie eines Tages zufällig einen Blick in die Küche warf, wo er einen Topf füllte. Bei näherem Hinsehen erkannte sie, das er auch nur mit Wasser kochte. Und darüber sinnierte sie nun den ganzen Tag und entschied, die Flüge nach Finnland einzustellen.

Blog 7

Täglich ging sie mit ihren beiden Freundinnen nach ihrer aller Berentung in ein kleines Kaffeehaus zur Mittagszeit, um dort eine Suppe zu löffeln und die „Bild-Zeitung“ zu lesen. Andere Zeitungen gab es dort nicht. Den ehemaligen Leserinnen der „Frankfurter Rundschau“ und der „Süddeutschen“ war es gleichgültig. „Ein Leben lang waren wir intellektuell – nun können wir auch mal blöd sein“, war ihr Motto, worüber sie furchtbar dreckig lachten und sich dabei auch noch kräftig auf die Schenkel klopften. Gut gehalten hatten sie sich. Lola hatte die Haarfarbe des reifen Weizens, Lina war pechschwarz auf dem Kopf und Marie stand das rote Haar wie ein Flammenmeer um das Haupt. Lola und Lina waren mit üppigen Kurven versehen und Marie war so schlank, das sie sich hätte unbemerkt hinter einem Laternenpfahl ausziehen können.
In dem gleichen Kaffeehaus saßen jeden Mittag vier Rentner im gleichen Alter, lasen ebenfalls die "Bild-Zeitung" und unterhielten sich lautstark über alle möglichen Begegnungen in ihrem Leben. Ja, sie sprachen auch über Erfahrungen im Bordell, über Geschlechtskrankheiten, die sie sich dort geholt hatten und das alles bei Tomaten- und Linsensuppen und nahe dem Tisch der drei Damen.
Die drei Damen waren längst in dem Modus angelangt, die vier Herren heimlich süffisant zu belächeln. Sie mochten die Herren nicht. In den gesamten zwei Jahren, in denen sie in dem Kaffee einander fast jeden Mittag begegneten – außer Sonntag – hatten die Herren ihnen nicht einmal einen Gruß, nicht einmal ein Lächeln, nicht einmal einen Blick geschenkt. Trotz mehrmaliger aufmunternder freundlicher Blicke und Begrüßungen der Damen herrschte zwischen ihnen das ungeschriebene Gesetz, die Damen nicht zu beachten.
Ein schon längst pensionierter Psychiater, der ebenfalls mittags dort alleine immer wieder sein Süppchen aß, registrierte das alles und fand dafür eine logische Erklärung, die er der Kellnerin mitteilte. Es waren vier Herren und drei Damen. Hätten die Herren geflirtet, wäre vielleicht einer übrig geblieben. Niemand wollte der übrig Gebliebene sein – Niemand ! Also siegte das Gesetz der Harmonie-Seifenblase, die nichts wagt, um nicht zu platzen. Und so versäumten die vier Herren auf ihre alten Tage möglicherweise die letzte Tankstelle vor der Autobahn ins Nirwana...

Autor:

Karin Michaeli aus Düsseldorf

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