Ein Wolff im Lehmbruck-Museum

Carl Emanuel Wolff wird vom 8. Juli bis 2. Oktober in der Straßengalerie des LehmbruckMuseums ausstellen. Und was gibt es zu sehen? Es sind Zwerge, die neugierig einen Tisch betrachten. Knallermänner, die hochexplosiv sind. Fischhaufen aus Bronze kommen hinzu. Und natürlich ein Tier, groß wie ein Haus. Wildschweine, die ihre Rotte suchen. Und dazwischen ein Kirschbaum aus umwickeltem Baustahl.

"Wolff erzählt uns mit seinen Objekten immer wieder neue Geschichten. Etwa in seiner Ausstellung 1994 im Kunstverein Düsseldorf, in der neben einem großen Billardtisch mitten im Raum eine Rotte Wilschweine stehen und liegen und neugierig den Spielern zuguckt. Einige Austellungen später dann plötzlich ein Schneewitchen im Sarg, wieder diese Zigarren, und - Zwerge. Doch diese sieben Wesen sind gar nicht klein, sie haben nicht die richtige Größe. Aber wer weiß schon, wie klein ein Zwerg sein muss? Ab wann ist man überhaupt ein Zwerg? Immer wieder fällt bei Carl Emanuel Wolff die unglaubliche Sicherheit auf, mit der er die unterschiedlichsten Räume in erzählerischer Bildsprache mit seinen Wesen, Figuren und Sammelstücken bespielt, mit immer ähnlichen Szenarien, die sich aber nie wiederholen. Bekannt kommen einem diese Figuren vor, jeder kennt sie, jeder weiß etwas über sie zu sagen. Denn: Jeder hat Erinnerungen an Märchen, erinnert sich, wann er sie das erste Mal gehört hat. Und oft sind es gute Erinnerungen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort
Gegenüber diesen Erinnerungen jedoch wirken die Installationen Carl Emanuel Wolffs weder nostalgisch noch verklärt. Böse sind sie, seine Knallermänner aus Böllerhülsen mit ihren Tausenden von Lunten, bei denen sich jeder vorzustellen vermag, was passiert, wenn man ein Streichholz zückt. Und schon beim Gedanken an das Streichholz ist man wieder bei den Zigarren, die Wolff so liebt. In einer Ausstellung bei Taubert in Düsseldorf liegen sie 1995 fein sortiert nebeneinander auf dem Tisch, nur die besten, kubanischen, angeboten von einem gut gekleideten jungen Mann. In solchen Momenten könnte man meinen, Wolff erzählt uns mit seinen Arbeiten seine eigene, sehr private Geschichte, ja, man könnte sogar meinen, etwas über seine Vorlieben zu wissen. Gerne gibt er schließlich Auskunft über die Zigarren oder seine neuesten Leidenschaften, das Sammeln von Gegenständen etwa, die ihm eine Geschichte erzählen. Und mit diesen schickt er uns dann auf eine Reise, an Orte und in Szenen, die wir vermeintlich kennen, nur um uns einige Momente später das Genick zu brechen. Etwa, mit einem Rudel Hirsche, mit Pfeilen und Messern durchbohrt, das überhaupt nicht so aussieht, als wollte es gleich umfallen und wir könnten uns dann ein wunderbares Essen zubereiten. Nein, diese Hirsche tragen silberne Ketten und haben lackierte Fussnägel, und sie sind stolz auf all ihren Schmuck," berichtet Florian Blaschke.

Wie formuliert es einer der Kollegen bei der Pressevorbesichtigung? "Witzig." Und bringt es mit diesem Wort schon auf den Punkt.

Der 1957 geborene Wolff studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler Gotthard Graubners. Heute lebt er in Essen und Dresden. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat er eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden inne. Wolff unterrichtet in Bildhauerei.

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