Buchbesprechung "Die neue Macht der Bürger"

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(Foto: rowohlt)

Die neue Macht der Bürger: Es handelt sich bei diesem Buch, um eine von BP geförderte Gesellschaftsstudie, vom Institut für Demokratieforschung in Göttingen.

In insgesamt neun Kapiteln liefert das Buch einen Überblick über die aktuelle Protestbewegung.

Kapitel 1. gibt einen Überblick über die Forschungsmethoden.

Kapitel 2. beschäftigt sich mit Protesten zum Themenkomplex Energiewende.

Kapitel 3. legt den Fokus auf die Bildungspolitik und den Widerstand gegen Veränderungen zu neuen Schulformen.

Kapitel 4. wendet sich der überaus langlebigen Antiatomkraftbewegung zu.

Kapitel 5. geht auf die Occupy-Bewegung ein.

Kapitel 6. hat die EURO-Gegner zum Thema.

Kapitel 7. fasziniert mit Beispielen zu satirischen Protesten, wie durch "Die PARTEI" oder die "Front deutscher Äpfel".

Kapitel 8. behandelt recht ausführlich die modernste Form des Protestes. Die Internetproteste und wie hier die Mechanismen sind.

Im Abschlusskapitel 9 wird noch einmal alles zusammengefasst und eine Art Ausblick gegeben.

Obwohl das Buch in 2013 erschien sind aktuelle Entwicklungen der letzten paar Jahre nicht enthalten. Insbesondere in Kapitel 6 erkennt man dies deutlich, weil die Gründung, der aus dieser Protestbewegung hervorgehenden Partei nicht enthalten war.

Wirklich auffällig war die ungewöhnliche Seitenummerierung, denn diese war auf allen Seiten links. Die Fußnoten befanden sich leider immer erst am Ende des Kapitels, was entweder ständiges hin- und herblättern notwendig macht oder man diese Abschnitte direkt überspringt.

Die Sprache ist in Teilen stark elaborierter Kode, was das Lesen nicht für jeden einfach gestaltet. Allerdings passt dies zum Grundtenor der Studie, dass die Proteste meistens von den Bessergebildeten ausgehen. Sehr oft wurde betont, wie viele Abitur, Universitätsabschluss oder gar Promotion haben.

Wenngleich die Proteste am Anfang als Emanzipation der Demokratie dargestellt wurde ergibt sich aus dem Buch der vielfach unterschwellige Eindruck, dass die Protestler allesamt weltfremde Sonderlinge sind, die von Politik wenig Ahnung haben. Immer wieder werden Textauszüge gebracht, die dieses Bild erhärten zu scheinen. Sehr häufig werden die Protestler als Personen mit einseitigem Blickwinkel dargestellt. Auch Begriffe, wie Arroganz oder Uninformiertheit fallen ein ums andere Mal.

Anderseits scheint auch ein Appell in der Studie zu sein, dass Politiker den Protest ernst nehmen sollten.

Eine genaue Auflistung mit Zahlen von Befragten zu einzelnen Themenblöcken fehlt. So gesehen kann ein Leser nicht beurteilen, ob die Anzahl der Befragten überhaupt einen Überblick der Vielfalt wiedergibt.

Die Grafiken waren durchweg ungeeignet, da Grautöne verwendet wurden, welche die Zuordnung der Legende stark erschwerte. Bei einige Grafiken widersprach zu dem das im Text gesagte der Abbildung.

(Das Buch ist in einfacherer Aufmachung übrigens auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung in der Schriftenreihe (Bd. 1332) erschienen.)
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1 Kommentar
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Bernd Derksen aus Bedburg-Hau | 26.06.2013 | 16:32  
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