Die "Gallier" wehren sich

Anzeige
Die "Gallier" aus Elten sind bereit für den kleinen Waldspaziergang mit den beiden Verantwortlichen der Deutschen Bahn. Fotos: Jörg Terbrüggen
 
Der Projektabschnittsleiter Michael Teitzel an der Stelle, wo der Eingriff in den Berg stattfinden soll.

Es hat schon so etwas wie bei Asterix und den Römern: ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein kleines Dorf leistet erbitterten Widerstand. "Das sind wir", bemerkte einer der Bergretter in Hochelten im Hinblick auf die Deutsche Bahn, die das kleine Dorf "bedroht" und den Berg abgraben will. Allerdings fehlt den Eltenern der entscheidende Zaubertrank. So versuchen sie ihr Ziel in vielen Gesprächen und Spaziergängen entlang der Endmoräne in den Wäldern unterhalb der St. Vitus-Kirche zu erreichen.

Trotz der sommerlichen Hitze hatten sich zwei "Legionäre" der Deutschen Bahn auf den Weg in das rebellierende Dorf gemacht, um sich die Situation einmal aus unmittelbarer Nähe anzuschauen. Hier oben in den Wäldern kannten sich die "Gallier" natürlich bestens aus, so oft waren sie schon die Hänge entlang gelaufen. Doch am Freitag suchte man das Gespräch: Michael Teitzel, Projektabschnittsleiter und Reiner Landgraf, zuständig für die Bahnübergangs-Beseitigung hatten sich die Zeit genommen.
Sohni Wernicke: "Ich freue mich, dass sie sich heute einmal die Dinge anschauen wollen, um die wir Eltener uns besonders Sorgen machen. Vielleicht bekommt man so ja einen anderen Blick auf die Dinge. Lassen sie das Ganze auf sich wirken und eventuell hinterfragen sie sich, ob die Planungen wirklich so gut sind." Auf der Freiheit wies Wernicke auf die jetzt schon sichtbaren Auswirkungen der Bahn an der Kirche und dem Drususbrunnen hin. "Es gibt Befürchtungen, dass durch die Erschütterungen der Bauarbeiten weitere Schäden auftreten können."
Ein paar Meter weiter zeigte Wernicke den beiden Bahn-Mitarbeitern das weiße Jesuitenhaus. Auch hier hätten schon Erschütterungen für Schäden an dem Gebäude gesorgt. "Das sind immer noch reine Vermutungen", so Teitzel. "Das kann natürlich alles Mögliche sein." Gott sei Dank spendeten die Bäume hier oben etwas Schatten bei der unerträglichen Hitze. Als man sich dem Hang näherte, der den Blick auf den Baumbestand freigab, sagte Wernicke: "Das was da jetzt an Bäumen steht, davon bleibt erst einmal nichts stehen. Und ein Großteil kommt auch nicht wieder. Schließlich braucht Straßen NRW ja auch Fläche für den Straßenbau."
Teitzel verwies auf die Gutachten, die das seiner Ansicht nach sehr gut berechnen könnten. "Dafür gibt es Spezialisten, die die Proben untersuchen und sagen können, wie standfest der Boden ist." Adalbert Niemers vom BUND: "Das kann man nicht gleichsetzen, wir sind ja noch nicht in der Hanglage." Auch bei den Plänen der BI gebe es schließlich drei neue Gleise, da müsse man auch Probebohrungen im Boden durchführen. "Vielleicht ist der Boden ja auch nicht tragbar." Die Speziallösung der Eltener: "Lassen sie den Hang in Ruhe", meinte Wernicke. Etwas oberhalb der Gleise wurde das mögliche Ausmaß der zu befürchtenden Rodungen sichtbar.
Zu guter Letzt erläuterte Johannes ten Brink noch einmal die Pläne der Bahn und von Straßen NRW. "Wenn mir jemand solch einen Plan geben würde, kämen die Maschinen hier nie auf den Berg." Immerhin weiß ten Brink wovon er spricht. Ist er doch vom Fach. Adalbert Niemers: "Hier müssten eine ganze Reihe von alten Eichen entfernt werden. Das, was die Schönheit dieses Weges ausmacht, wäre dahin." Teitzel sprach anschließend über die verschiedenen Planfeststellungsverfahren. "Es gibt eben unterschiedliche Töpfe, aus dem der Ausbau finanziert wird. Ein dreigleisiger Neubau wird deutlich teurer sein. Aufgrund der Gesetzgebung kann man nicht alles in einen Topf werfen, das wird nicht funktionieren."
Die Bergretter hatten immer wieder gefordert, beide Planfeststellungsverfahren (von Bahn und Straßen NRW) zu einem zu verknüpfen. Sohni Wernicke: "Vielleicht sollte aus Richtung Bahn hier einfach mal ein Signal in Richtung Politik gehen." Ob das geschieht? Johannes ten Brink erläuterte Michael Teitzel (links) anhand von aktuellen Plänen noch einmal die Situation am Eltenberg. Der Projektabschnittsleiter Michael Teitzel an der Stelle, wo der Eingriff in den Berg stattfinden soll.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.