Keine Zukunft ohne Wandel
„Fridays for Future“ Bewegung in Essen will weiter demonstrieren

100 bis 200 Demonstranten nehmen regelmäßig an den Kundgebungen teil.
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Mit Trillerpfeifen und bunten Transparenten ziehen sie durch die Straßen, eskortiert von einem halben Dutzend Polizeiautos. Immer freitags sieht man sie, die Schar von Schülern, die es unter lautstarken Protesten für eine konsequentere Klimapolitik der Bundesregierung auf die Straße zieht.

Protest sorgt für Aufsehen

Bis zu 200 Demonstranten sind es, die Woche für Woche ihre Meinung auf dem Willy-Brandt-Platz kundtun. Ihr Protest sorgt für Aufsehen. Neben den Jugendlichen sind auch einige Erwachsene mit dabei. Und ab und zu sogar ganz kleine Kinder. „Das ist immer besonders niedlich“, erzählt die Sprecherin von „Fridays for future“-Essen Laura Simmler. Anfangs sei es vor allem Neugier auf das Potential der Bewegung gewesen, die sie angetrieben hat. Nun jedoch steht sie mit vollem Einsatz hinter den wöchentlichen Protesten. „Eigentlich sollte sich jeder engagieren“, findet sie.

Ein Thema, das jeden betrifft

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Timo ist Laura Simmler für die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative in Essen zuständig. Die 19-Jährige ist eine meinungsstarke Frau, die für ihre Ideale eintreten kann. „Politisiert hat mich der Bildungsstreik im Jahre 2009“, erzählt die Wahlessenerin. „Und auch danach habe ich mich immer wieder politisch engagiert.“ Klar, dass sie auch an den aktuellen Protesten gegen den Klimawandel teilnehmen würde. „Das Thema betrifft jeden. Und jeder wird die Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn jetzt nicht gehandelt wird“, sagt sie bestimmt.
Das schwedische Vorbild der Schüler in Essen und ganz Deutschland heißt Greta Thunberg. Die 16-Jährige hatte die Idee für den Protest während der Schulzeit, brachte den Stein ins Rollen. „Man muss Greta auf jeden Fall zugestehen, dass sie den Anfang gemacht hat“, findet Laura Simmler. „Durch die 'einfache Protestform' des Streiks hat sie eine enorme mediale Aufmerksamkeit erreicht.“

Schwedisches Vorbild heißt Greta Thunberg

Aufmerksamkeit, die nicht immer nur positiv auffällt. Denn die Schwedin polarisiert, genau wie die Protestbewegung, für die sie die Initialzündung gab. Immer wieder wird ihr vorgeworfen, nur eine PR-Marionette zu sein. Die Annahme dahinter: In ihrem jungen Alter sei sie gar nicht fähig, selbst derartige Kritik zu formulieren. Ein zynischer Gedanke, wird doch der jungen Generation so häufig vorgeworfen, sich nicht genug für Politik zu interessieren. Auch auf die Essener Demonstranten hagelt es Kritik, vor allem in den sozialen Netzwerken. Häufig stamme die von Klimawandel-Leugnern, die in gleichem Atemzug auch die junge Aktivistin Greta Thunberg als „von ihren Eltern gesteuert“ abtun würden, berichtet die 19-Jährige. Andere werfen den Schülern vor, den Protest nur zu nutzen, um die Schule zu schwänzen. "Ein hirnrissiges Argument", findet Laura. Damit der Protest Wirkung zeige, müsse während der Schulzeit gestreikt werden. „Ähnlich wie bei Tarifverhandlungen. Da würde es auch niemanden interessieren, wenn die Angestellten am Nachmittag in ihrer Freizeit demonstrieren. Um etwas zu erreichen, müssen wir etwas tun, was den Leuten missfällt.“

„Schulbildung ist zwecklos, wenn es keine Zukunft mehr gibt.“

Doch warum finden die Proteste gerade jetzt so einen hohen Zuspruch, wo doch Klimaprobleme bereits seit Jahrzehnten bekannt sind?
Die Bewegung treffe einfach den Zahn der Zeit, weiß Simmler. Nicht nur deshalb, weil es durch moderne Kommunikationsmittel so einfach wie nie sei, sich zu vernetzen. Auch das Bewusstsein darüber, wie akut der Handlungsbedarf sei, werde langsam größer. Und damit auch die Notwendigkeit des Engagements. „Schulbildung ist zwecklos, wenn es keine Zukunft mehr gibt.“

Bewegung stellt klare Forderungen

Die Protestbewegung hat klare Forderungen: Die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, den Verkauf der Essener RWE Aktien und den schnellen Braunkohleausstieg, der jedoch keinesfalls zu Lasten der Beschäftigten durchgeführt werden soll. Selbst wenn diese Ziele von der Politik letztendlich erreicht würden: Es sei noch ein langer Weg, bis der Protest endgültig beendet werde. Denn mit einfachen Abspeisungen wollen sich die Demonstranten nicht zufrieden geben. Man wolle weiterhin Druck ausüben. Nicht zuletzt, weil die Essener Politik bisher verhalten auf die Proteste reagierte. Auch wenn es zunächst ganz anders aussah: Ein Schülervertreter sollte die Möglichkeit bekommen, im Essener Rat die Forderungen der Gruppe darzulegen. „Vertröstet“ wurde er dann jedoch mit einem Redebeitrag im Umweltausschuss. „Mit einer Begründung, die eigentlich nicht existent war“, wundert sich Simmler.

Viel positive Resonanz

Neben aller Kritik gibt es aber auch viel positives Feedback für die Demonstranten. So hat sich beispielsweise eine Gruppe mit dem Namen „Parents for future“ formiert, die sich solidarisch mit der Schülerbewegung zeigt. „Viele Menschen schreiben uns, dass sie stolz auf uns sind“, erzählt die Aktivistin freudig. Sie hofft, dass sich bald noch mehr Menschen an den Protesten beteiligen. Aber auch abseits vom Streik könne jeder Einzelne einen Teil dazu beitragen, die Umwelt zu retten. Also: Fahrrad statt Auto. Und Wasser sparen beim Duschen.

Proteste gehen weiter

Die freitäglichen Demonstrationen starten meist im Stadtkern am Willy-Brandt- Platz, die Route führt in der Regel zum Rathaus.  Die Startzeiten variieren, um die Schüler zu entlasten. So fehlen sie nicht immer in den gleichen Unterrichtsstunden.

100 bis 200 Demonstranten nehmen regelmäßig an den Kundgebungen teil.
„Save our planet“, fordern die Schüler. Ihnen geht es um nichts geringeres als die Zukunft unseres Planeten.
Autor:

Alicia Roetering aus Essen-Borbeck

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