Musical "Titanic" in Bad Hersfeld: Grandioser Schiffsuntergang

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Die erste Klasse speist vornehm, der Kapitänstisch ist begehrt. Nina Janke als Charlotte Drake Cardoza sitzt aber lieber links im Hintergrund... Foto: Bad Hersfelder Festspiele/K. Lefebvre
 
Nina Janke lebt, wenn sie nicht in Sachen Musical unterwegs ist, seit vielen Jahren in Essen. Foto: Karim Khawatmi

Wenn Nina Janke über die Inszenierung des Musicals "Titanic" in Bad Hersfeld spricht, dann bekommt sie glänzende Augen: So gelungen sind Besetzung, Ausstattung und Regie des Stückes in den Mauern der Stiftsruine in dem hessischen Kurort.

Und der Besuch bei ihrem Auftritt zeigt: Die Künstlerin, deren Wahl-Heimat seit Jahren Essen ist, hat nicht übertrieben.

Unsinkbares Schiff in Ruinen-Kulisse

Mit einfachsten Mitteln schafft es Regisseur Stefan Huber zwischen den alten Mauern das gigantische - und unsinkbare - Schiff zum Leben zu erwecken. Die dritte Klasse kommt in Schwarz gekleidet, die Mittelklasse in Grau und die erste Klasse in Weiß. Und mit ihnen die Sorgen, Nöte und Träume von allen: Der Heizer Frederick Barrett (gefühlvoll und mit großer Stimme: David Arnsperger) träumt zum Beispiel von seiner Liebsten, Alice Beane (Kristin Hölck mit ungeheuer komischem Talent) davon, mal zur ersten Klasse zu gehören und Kate Mullins (wunderbar kess: Gabriela Ryffel) davon, einen Vater für ihr ungeborenes Kind zu finden. Derweil will Schiffsbesitzer Ismay (überzeugend unsympathisch: Ansgar Schäfer) immer schneller vorwärts kommen, Captain Smith (könnte auch auf der MS Deutschland Dienst tun: Michael Flöth) gibt dauernd nach und das Schiff wird - im Beisein seines Erbauers Thomas Andrews (zum Schluss herzzerzeißend verzweifelt: Alen Hodzovic) an seine Grenzen gebracht. In der ersten Klasse wird vor allem zu den Klängen des Orcehsters getanzt, Charlotte Drake Cardoza (bis in den kleinen Finger selbstbewusste, emanzipierte Frau: Nina Janke) lässt sich auch mal auf eine Poker-Runde ein... Wie es ausgeht, ist bei diesem Stoff klar, wie es Huber in Szene setzt, wirklich beeindruckend.

Gänsehaut von Anfang bis Ende

"Wir waren schon alle beim ersten Durchsingen von den wunderbaren Melodien begeistert", erinnert sich Nina Janke. "Christoph Wohlleben ist aber auch ein phantastischer musikalischer Leiter und als wir es dann mit dem großen Orchester gesungen haben, waren wir wirklich geflasht." Es gibt in der Tat auch für Musicaldarsteller nicht mehr viele Orte, an denen ein so großes Orchester zum Einsatz kommt. "Titanic" ist eine Wiederaufnahme, die Premiere wurde bereits im letzten Jahr gefeiert. Trotzdem erinnert sich die Musicaldarstellerin noch gut an die Probenzeit, weil damals schon klar wurde, dass sie da etwas Besonderes machen. "Als wir das erste Mal das Einsteigen in die Rettungsboote geprobt haben, da haben wir plötzlich alle da gesessen und geheult." Ganz klar, dass das beim Publikum auch so ankommt, war als nach dem viertelstündigen Opening bei der Premiere zum ersten Mal in Großbuchstanben Titanic auf der Bühne zu lesen war und das Publikum ausgerastet ist. "Da läuft auch uns auf der Bühne ein Schauer über den Rücken - bis heute", versichert Nina Janke. Dass sie eine wahre Geschichte erzählen, dass mache es aus, ist sie sicher. "Alle Namen und Fakten stimmen. Deshalb berührt es so." Das ist richtig, aber auch die kitschfreie, klare Inszenierung, die schöne Musik von Maury Yeston und - nicht zuletzt - die durchweg grandiosen Darsteller auf der Bühne.

Nur noch wenige Restkarten

Es gibt noch Restkarten für die letzten Vorstellungen in diesem Jahr, die finden am Sonntag, 29. Juli, um 15 und 20.30 Uhr statt. Es bleibt die Hoffnung auf eine weitere Wiederaufnahme 2019... 
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