DAK-Gesundheitsreport 2019
Krankenstand in Essen deutlich gestiegen - Ausfalltage liegen insgesamt über Landesschnitt

Essen, 30.10.2019. Der Krankenstand in Essen ist 2018 deutlich
gestiegen: Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen lagen 0,4
Prozentpunkte über dem Vorjahresergebnis. Mit 4,4 Prozent gab es
in der Region einen etwas höheren Krankenstand als im
Landesdurchschnitt (4,3 Prozent). Laut DAK-Gesundheitsreport
waren damit an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 44
krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Nordrhein-
Westfalen wurde mit 5,7 Prozent Gelsenkirchen und Bottrop
verzeichnet, der niedrigste mit 3,6 Prozent in Gütersloh und in der
Landeshauptstadt Düsseldorf.

Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für Essen zeigt die
wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der
Krankschreibungen: Einen Anstieg von fünf Prozent gab es bei den
Fehltagen auf Grund von Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems.
Diese Diagnosen haben mit mehr als einem Fünftel den größten Anteil
an allen Ausfalltagen. Einen noch stärkeren Zuwachs gab es bei den
Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Sinusitis. Ihr Anteil am
Krankenstand beträgt 16 Prozent. Einen leichten Rückgang um zwei
Prozent gab es hingegen bei den Ausfalltagen wegen psychischer
Erkrankungen wie Depressionen. Diese belegt Platz zwei im Ranking.

„Mit unseren Analysen zum Krankenstand in der Region setzen wir
gezielt beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement an und bieten
Arbeitgebern konkrete Hilfe“, sagt Alexander Löhr, Chef der DAK-Gesundheit
in Essen.

Hunderttausende Erwerbstätige in NRW haben ein Suchtproblem
Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport
mit dem Schwerpunkt „Sucht 4.0– Trinken, Dampfen, Gamen in der
Arbeitswelt“, wie viele Erwerbstätige in Nordrhein-Westfalen mit
gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele
zu kämpfen haben. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen undRisikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES Institut die
Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in NRW
aus – flankiert von Analysen der ambulanten und stationären
Versorgung. Eine repräsentative Befragung von 5.000 Beschäftigten
sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung
und den Umgang mit den verschiedenen Suchtmitteln und
Verhaltensweisen. Das Fazit: Hunderttausende Beschäftigte zwischen
Rhein und Weser haben ein Suchtproblem. Konkret bedeutet das: Fast
1,2 Millionen Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das
ist jeder achte Beschäftigte. 19,3 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande
sind zigarettenabhängig. Erstmals untersucht der DAK-Report das
Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: 581.000
Erwerbstätige in Nordrhein-Westfalen zeigen ein riskantes
Nutzungsverhalten.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 haben Arbeitnehmer in Nordrhein-
Westfalen mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung
deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige
Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 7,7 Prozent mehr
als doppelt so hoch. Sie fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen
ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Vielmehr zeigen sich
bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich
ist der Unterschied bei den psychischen Leiden. Hier sind es mehr als
dreimal so viele Fehltage. Im Bereich der Muskel-Skelett-Erkrankungen
wie Rückenschmerzen gibt es ein Plus von rund 88 Prozent bei den
Ausfalltagen. Bei Atemwegserkrankungen sind es 53 Prozent.
Insgesamt ergibt eine Hochrechnung der Studienergebnisse unter den
Erwerbstätigen in NRW fast 1,7 Millionen abhängige Raucher, 31.000
erfüllen die Kriterien einer Internet Gaming Disorder
(Computerspielsucht), rund 95.000 Erwerbstätige sind alkoholabhängig.

Alkohol: Fast 1,6 Millionen Arbeitnehmer trinken riskant
Drei Viertel der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in
Nordrhein-Westfalen auf Alkohol zurückzuführen. Laut Studie der DAKGesundheit
haben 13,3 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande einen
riskanten Alkoholkonsum. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei
täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem
0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich fast 1,6
Millionen Erwerbstätige in NRW Risiken aus, krank oder abhängig zu
werden. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und
gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante
Trinken bleibt daher ein zentrales Problem im Westen, das auch
gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Alexander Löhr, Chef der
DAK-Gesundheit in Essen „Sucht ist eine Krankheit, die jeden
treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir
müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu
lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“ Beim Thema
Alkoholprävention fehlen auch in Nordrhein-Westfalen flächendeckende
und wirksame Angebote. Die DAK-Gesundheit schließt diese
Versorgungslücke ab sofort mit einem neuen kostenlosen Online-
Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen. Eine Anmeldung ist auf
www.dak.de/vorvida möglich.

581.000 Beschäftigte in NRW spielen riskant am Computer
Erstmals untersucht der Report auch das Thema Gaming und seine
Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielen 58 Prozent der
Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen Computerspiele. Knapp sieben
Prozent der Erwerbstätigen gelten als riskante Gamer. Das heißt:
581.000 Beschäftigte zeigen auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem
junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report
riskante Computerspieler (11,6 Prozent). Jeder elfte Mitarbeiter mit
riskantem Spielverhalten gab bei der Analyse an, in den letzten drei
Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der
Arbeit gewesen zu sein. Von den Erwerbstätigen mit einer
Computerspielsucht war es sogar jeder Dritte (33,3 Prozent).

Rauchen ist verbreitetste Sucht – auch Dampfen mit Nikotin
Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report in Nordrhein-
Westfalen die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 19,3
Prozent der Erwerbstätigen sind zigarettenabhängig. Unter den jungen
Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den
geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast
jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch
während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen. Derzeit
dampfen über 5,6 Prozent der Erwerbstätigen in NRW E-Zigarette.
Raucher von E-Zigaretten greifen oft parallel zur herkömmlichen
Zigarette, belegt der DAK-Report. Dampfer finden sich deshalb fast
ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen
Deutschlands. Sie hat 1,1 Millionen Versicherte in Nordrhein-Westfalen,
davon rund 40.000 in Essen.

Autor:

Alexander Löhr aus Essen-Ruhr

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