Dilldorfschule wird Asylunterkunft

Seit August 2010 steht das ehemalige Schulgebäude an der Oslenderstraße leer. Jetzt sollen hier Asylbewerber unterkommen.    Archivfoto: Lukas
  • Seit August 2010 steht das ehemalige Schulgebäude an der Oslenderstraße leer. Jetzt sollen hier Asylbewerber unterkommen. Archivfoto: Lukas
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Seit August 2010 steht das Gebäude der ehemaligen Grundschule an der Oslenderstraße in Kupferdreh leer. Lange war nicht klar, was aus dem Schul­standort, der im Rahmen des Schulentwicklungsplans aufgegeben worden war, werden soll. Jetzt tat sich wieder einmal etwas an der Dilldorfschule. Wie Anwohner dem KURIER berichteten, hat es in der vergangenen Woche eine Ortsbegehung gegeben. Seit Dienstagabend, 30. Oktober, steht nun fest: Das Schulgebäude soll als behelfsmäßige Notunterkunft für Asylbewerber hergerichtet werden.

Die ehemalige Grundschule an der Oslenderstraße 36b in Dilldorf soll als „Behelfseinrichtung für nicht planbare notfallmäßige und vorübergehende Unterbringungen für Asylbewerber“ hergerichtet werden. Dies hat die Verwaltungsspitze am vergangenen Dienstag entschieden, nachdem verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten im Stadtgebiet ausgelotet worden waren.
Die Zahl der Asylbewerber ist höher als sonst: Aufgrund der Lockerung der Visa-Bestimmungen durch die EU im Dezember 2009 haben ab der zweiten Jahreshälfte 2010 vermehrt Personen der Bevölkerungsgruppe der Roma aus Serbien und Mazedonien Asylanträge in der BRD gestellt. Daraufhin hat die Stadt Essen bereits die Übergangsheime an der Sartoriusstraße in Rellinghausen und Auf‘m Bögel 38-40 in Haarzopf reaktivieren müssen.
Im Herbst steigt die Zahl der Asylbewerber dieser Personengruppe erfahrungsgenmäß an, in den Wintermonaten liegt daher die höchste Zahl an unterzubringenden Asylbewerbern vor. Im Sommer des Folgejahres, so die Erfahrung, reist ein großer Teil dann wieder in seine Heimatländer zurück.
Insgesamt ist die Zahl der Asylsuchenden seit 2010 kontinuierlich gestiegen und in diesem Jahr liegt der Anstieg gegenüber dem Vorjahr nochmals um 30 Prozent höher: Bereits jetzt sind mehr Asylbewerber unterzubringen als in den Wintermonaten der Vorjahre.
Der überproportionale und laut Verwaltungspapier „so nicht vorhersehbare“ Anstieg der Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien veranlasste die Bezirksregierung Arnsberg, am 11. Oktober ein Amtshilfeersuchen an die Kommunen und Kreise anzukündigen mit der Aufforderung, innerhalb weniger Tage behelfsmäßige Unterbringungsmöglichkeiten in größerem Umfang bereitzustellen bis die Kapazitäten zur Erstaufnahme im notwendigen Umfang erweitert sind.

Turnhalle auf lange
Sicht nicht zumutbar

Daraufhin hat die Stadt Essen vom 17. bis zum 29. Oktober 55 Asylbewerber behelfsmäßig in der Turnhalle der Hauptschule an der Lohstraße in Bedingsgrade untergebracht. Für die Stadt Essen war dies die einzige Möglichkeit, eine Unterbringung so schnell auf die Beine zu stellen. Für zukünftige Unterkünfte sei der Standort Lohstraße jedoch nicht geeignet: Als dauerhaftes Asyl ist die Turnhalle aus Sicht der Verwaltung aufgrund ihrer Struktur „nicht zumutbar“.
Derzeit verfügt Essen über zehn Übergangswohnheime für Asylsuchende. 656 Menschen wohnen hier - davon 377 Asylbewerber aus Serbien, 126 aus Mazedonien und 153 aus anderen Herkunftsländern. Die Zuweisung von Erstantragstellern erfolgt nach einer errechneten Aufnahmequote durch die Bundesbehörde. Aufgrund der bundesweit ansteigenden Asylbewerberzahlen erhöht sich auch die Anzahl der der Stadt Essen zugewiesenen Asylbewerber, so dass in diesem Jahr vermehrt auch Erstantragsteller nach Essen kommen.
Nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz NRW ist die Stadt Essen verpflichtet, Asylbewerber aufzunehmen. Die Kapazitäten in den zehn Übergangwohnheimen haben dafür bislang auch ausgereicht. Aber schon im Oktober 2012 mussten bereits erheblich mehr Antragsteller untergebracht werden als in den Vorjahresmonaten. Alle beteilgten Stellen in der Verwaltung gehen davon aus, dass in den kommenden Wintermonaten ein weiterer Bedarf von 100 bis 150 Unterbringungsplätzen besteht.
Durch ein so genanntes Umzugsmanagement will die Stadt „bei optimistischer Betrachtung“ bis Ende November dieses Jahres bis zu 50 als mietfähig eingestufte Personen aus den Essener Übergangswohnheimen in Wohnungen unterbringen, um dort Platz für weitere Flüchtlinge zu schaffen. Entsprechende Verhandlungen mit den Wohnungsbaugesellschaften Allbau AG und Viva West seien im Gange.
Ferner schlägt die Verwaltung vor, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, indem vorhandene Platzkapazitäten optimiert werden - so könne die nur zur Hälfte belegte Aussiedlerunterkunft Dahlhauser Straße 185 und 187 für Asylbewerber freigezogen werden, da die derzeitgen Bewohner nach Einschätzung der Verwaltung in Mietverhältnisse vermittelt werden könnten. 60 Plätze würden auf diese Weise frei.
Außerdem soll das vorhandene Wohnheim Auf‘m Bögel um die Hausnummer 42 erweitert werden. Dies würde Platz für 40 weitere Personen schaffen. Durch den Diebstahl von Rohren und Elektoleitungen in dem ehemaligen Jugendwohnheim ist allerdings die komplette Haustechnik außer Funktion und muss erst noch instandgesetzt werden. Geschätzte Dauer der Herrichtung: drei bis vier Wochen; geschätzte Kosten: ca. 150.000 Euro.

Herrichtungszeit: 6 bis 8 Wochen,
Kosten: ca. 100.000 Euro

Auf der Suche nach weiteren Unterbringungskapazitäten hat die Stadt mehrere Immobilien geprüft und ist bei der ehemaligen Dilldorfschule an der Oslenderstraße fündig geworden: Der bauliche Zustand des 2010 freigezogenen Gebäudes sei gut, in den acht Klassenräumen, dem Lehrerzimmer und der Gymnastikhalle könnten etwa 80 Personen untergebracht werden. Aufgrund der Unterbringungsstruktur (große Räume mit wenig Privatsphäre, gemeinsame Sanitäreinrichtungen, zentrale Essensversorgung) „sollte die Dauer der Unterbringung (...) auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben und wäre nur behelfsmäßig geeignet“, so die Verwaltung. Die Herrichtung der ehemaligen Dilldorfschule würde schätzungsweise sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen; geschätzte Kosten: 100.000 Euro.
Die Kosten für die genannten Maßnahmen gehen zu Lasten der Stadt Essen. Im Folgejahr erstattet das Land NRW die Aufwendungen quotenweise zurück. 2011 betrugen die Transferleistungen der Kommune gute 13 Mio. Euro für insgesamt 2.152 Asylbewerber, die Rückestattung des Landes betrug 1,3 Mio Euro.

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