Kurzgeschichte
🚂 „Zwischen Gleisen und Gedanken“
- hochgeladen von Thomas Ruszkowski
Die alte Lokomotive schnaufte leise, als sie sich durch das grüne Ruhrtal schob. Es war ein Zug, der längst aus der Zeit gefallen schien – mit abgewetzten Sitzen, Fenstern, die sich nur mit Mühe öffnen ließen, und einem Rhythmus, der mehr an ein Herz erinnerte als an Technik.
Im Abteil saß Jonas, allein. Die Landschaft zog an ihm vorbei wie Erinnerungen, die man nicht festhalten kann: sanfte Hügel, dichte Wälder, das silbrige Band der Ruhr, das sich durch das Tal schlängelte wie ein Gedanke, der nie ganz zu Ende gedacht wurde.
Er war auf dem Weg zurück. Zurück zu einem Ort, der einmal Zuhause war, bevor er ging. Damals voller Pläne, voller Trotz. Jetzt war er leerer, stiller. Die Lokomotive fuhr durch Witten, vorbei an stillgelegten Zechen, rostenden Kränen – Relikte einer Zeit, die das Tal geprägt hatte und nun langsam verblasste.
Ein alter Mann stieg in Hattingen zu, nickte Jonas kurz zu und setzte sich gegenüber. Sie sprachen nicht. Aber als der Zug durch das Sonnenlicht fuhr, das sich in den Blättern spiegelte, schien es, als würde die Stille zwischen ihnen etwas sagen. Etwas über Verlust. Über das, was bleibt, wenn alles andere gegangen ist.
Als die Lok in Essen einfährt, bleibt Jonas noch einen Moment sitzen. Der Zug steht, aber er bewegt sich nicht. Draußen Menschen, Lärm, Leben. Drinnen nur das Echo der Fahrt, das Rattern der Gleise, das ihn noch begleitet.
Er steigt aus. Und die Lokomotive fährt weiter – durch das grüne Ruhrtal, durch Geschichten, die niemand hört, durch Erinnerungen, die nur der Wind kennt.
Community:Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr |

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