Wanja - Das Gesamtkunstwerk

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„Irgendwo da hinten ist noch Platz für uns“. Mit einem freundlichen Lächeln und einem großen Glas Wasser empfängt mich die wohl schillerndste „Kunst-Figur“ von Steele an diesem heißen Sommertag in ihrem Reihenhaus an der Veldeckestraße in Freisenbruch.

Tatsächlich finden wir zwischen all den vielen bunten Dingen, die jedes wohl eine eigene kleine Geschichte erzählen könnte, zwei freie Stühle.
Vor ein paar Stunden noch hat sie Ihre Ausstellung im Rathaus Essen-Werden vorbereitet und schon ist diese quirlige kleine Frau mit dem roten Strohhut wieder voller Ideen und Tatendrang.
Kunst und Kurioses, Porträts großer Künstler, die Wanja Richter-Koppitz fotografiert hat,
füllen jede noch so kleine Lücke an den Wänden und auf dem Boden.
Ich betrachte die Abbildungen der Künstler. Josef Beuys, Wolf Vostell, und Marcus Lüppertz sind nur einige große Namen, die den Weg der Fotokünstlerin mitbestimmt haben und deren Porträts sie mit viel Fantasie in eigenständige Kunstfotos verwandelt. Studiengänge an der Folkwangschule in Essen, an der Kunstakademie in Düsseldorf. Kunstgeschichte in Bochum und Essen bilden den professionellen Hintergrund der Kunsthistorikerin. Ihr Onkel Rudolf Koppitz war einer der großen Fotografen in den 20er Jahren und so hat ihre Leidenschaft auch einen familiären Hintergrund.
Ein riesiger Arbeitstisch, mit altrosa Stoff bezogen, entpuppt sich als ein ehemaliger Billardtisch an dem die Mittsechzigerin eine Collage mit Steeler Motiven bearbeitet. Eben noch erzählt sie mir von ihrer Idee im kommenden Jahr eine Performance mit 20 Kinderwagen zu arrangieren um gleich darauf ihr Kaninchen zu füttern. Gedanken und Gesprächsthemen wechseln sehr schnell bei diesem 160 cm großen Energiepaket.
Wir gehen hinaus in den kleinen Zaubergarten, der genau so bunt ist wie Ihre zahlreichen Kostüme oder die Räume. Auch hier Kitsch und Kunst nahtlos ineinander übergehend. Und während sie mir von Ihren Ausstellungen erzählt in Paris und Polen, in Leba (Baltisches Meer) und Leipzig, in Düsseldorf und Dresden, in Salzburg und Steele, hat sie so ganz nebenbei kuriose Dinge aus den verschiedensten Ecken des Garten zusammen getragen, setzt sich einen kleinen Fernseher auf den Kopf und bittet mich, davon ein Foto zu machen.
Wanja als Gesamtkunstwerk.
Ich fühl mich wohl und bemerke so nebenbei, dass man sich mit diesem „Paradiesgeschöpf“ ganz normal unterhalten kann.
Eine ihrer Leidenschaften ist Fußball und so erklärt sich auch, dass sie kürzlich mit viel Freude an der Aufgabe ein fotografisches Objekt mit den Fußballerinnen der Bundesligamannschaft der SG Schönebeck fertig gestellt hat.
Auch dem Karneval ist sie nicht abgeneigt, wobei sie mit ihren ausgefallenen Eigenentwürfen Ihrer Kleidung auch außerhalb der Karnevalszeit Spaß an der Kostümierung zeigt.
Als ich mich verabschiede und vorbei an den vielen skurilen Sammelobjekten auf die schmale Straße trete, frage ich mich: Was ist sie: Fotografin, Kunsthistorikerin, Performance-Künstlerin? Ich denke sie ist von Allem Etwas und doch eins ist sie zu 100 Prozent: Wanja, ein Gesamtkunstwerk.

Dieter Kunst

Autor:

Dieter Kunst aus Essen-Steele

Webseite von Dieter Kunst
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