BürgerReportermeinung: Rechts gegen Links - Der ewige Konflikt in Steele ...Und ein Lösungsansatz

Seit einiger Zeit ist der Donnerstag (und mittlerweile auch der Dienstag) nun schon der Tag, an dem die Polizei in Essen-Steele Überstunden schieben muss, weil auf der einen Seite vermeintliche Anhänger der rechten Szene durch die City des gemütlichen Stadtteils spazieren und parallel dazu vermeintliche Anhänger der Linken ihre Demo gegen die Spaziergänger abhalten. Dabei kam es bislang Gott sei Dank noch nie zu körperlichen Auseinandersetzungen, aber der Ton im guten alten Steele wird rauer.

Um die Situation mal etwas genauer einzuordnen, sollte man erstmal verstehen, womit man es hier überhaupt zu tun hat. Die so genannten Steeler Jungs und deren Anhängerschaft, die gemeinsam auf Wanderschaft gehen, sind keineswegs komplett rechts besetzt. Der Großteil der Leute besteht aus Familien, Alleinerziehenden, Rentnern und anderen Teilen Essener Bürger, die in keinster Weise mit der rechten Szene verbunden sind. Auch die Steeler Jungs selber sind in vielen Teilen nicht mit der Szene verortet. Wir reden hier wohl gemerkt von rechtsextremistischen Strömungen, mit denen tatsächlich die meisten Mitwanderer überhaupt nichts zu tun haben. Sie haben vielmehr das Problem, dass sich einzelne Teilnehmer aus dem rechten Lager immer wieder unter die Gruppe mischen und dem ganzen den rechten Stempel aufdrücken.

Allerdings hat auch die Gegenbewegung von Links ein ähnliches Problem. Dort haben auch mittlerweile Mitglieder der so genannten Antifa-Bewegung Gefallen an den Demonstrationen gegen rechts gefunden und mischen sich munter unter Demonstranten, die so normal sind wie du und ich. So haben beide Gruppierungen für mich den negativen Beigeschmack, dass sich Leute einbringen, die dem Protest einen negativen Beigeschmack geben.

Letztlich kann ich genauso wenig wie viele andere nicht genau definieren, wie rechts die Spaziergänger nun wirklich sind. Ebenso lässt sich nicht klar sagen, wieviel Antifa in der Gegenbewegung steckt. Fakt ist aber, dass in beiden Fällen pauschal geurteilt wird, was in einer Demokratie nicht passieren sollte. Fakt ist auch, dass extreme Rechte genau wie extreme Linke schon zahlreiche Straftaten in ganz Deutschland begangen haben und Teile der jeweiligen Anhängerschaft gar nicht wirklich weiss, wer da neben ihnen Fähnchen schwenkt, grölt oder schlicht spazieren geht.

Aber es muss die Frage erlaubt sein, wo in beiden Veranstaltungen die Nachhaltigkeit liegt. Macht es wirklich Sinn, sich auf die Auseinandersetzung "Rechts gegen Links" zu fokussieren, obwohl die Probleme doch eigentlich ganz woanders liegen? Wird sich wirklich etwas verändern, nur weil die eine Gruppe durch Steele spaziert, während die andere Gruppe mit bunten Fähnchen wedelt und zumindest in Teilen mit harschen Schimpftiraden gegen das andere Lager vorgeht? Ich glaube es nicht wirklich.

Ich muss zugeben, dass ich weder der einen, noch der anderen Seite besonders viel abgewinnen kann. Ich würde mich an der Stelle eher als jemanden aus der Mitte verorten. Ich glaube aber, dass beide Gruppen oder zumindest die Mitläufer der jeweiligen Gruppen durchaus Gründe haben, warum sie zu den Unterstützern des Protests gehören. Und genau da liegt die große Gefahr. Die Kernthemen, die einen großen Teil der Menschen entweder zu den Spaziergängen oder den Demonstrationen bewegt, werden durch den Rechts-Links Konflikt so dermaßen verwässert, dass im Endeffekt nichts von all dem mehr eine Rolle spielt.

Man muss sich doch die Frage stellen, warum so viele Leute mitspazieren, obwohl sie mit der reinen rechten Szene nichts oder nur ganz wenig zu tun haben. Aus genau demselben Grund ist auch die Wählerschaft der "AfD" in den letzten Jahren so massiv angewachsen. Die Menschen haben Ängste, Sorgen, Probleme und Befürchtungen, aber niemand hört wirklich hin, was sie zu sagen haben. Die Politik hört nicht zu und wenn sie es mal macht, reagiert sie nicht angemessen darauf, sondern meist nur mit leeren Versprechungen, die in den wenigsten Fällen tatsächlich dazu führen, das sich etwas verändert. Wenn eine allein erziehende Mutter mit zwei oder mehr Kindern trotz mehrerer Nebenjobs nicht den ganzen Monat für Essen, Unterkunft und angemessene Freizeitgestaltung der Kids sorgen kann, dann ist das in einer sozial ausgerichteten Gesellschaft mit eigentlichen gutem wirtschaftlichem Background einfach nur erbärmlich.

Auch die Tatsache, dass die Menschen in diesem Land eine steigende Angst vor kriminellen Übergriffen haben, egal welcher Nationalität die Täter angehören, spricht das nicht gerade für eine gestiegene Lebensqualität. Wenn Menschen Angst oder Sorgen haben, dann muss die Politik eines Landes das ernst nehmen. Macht sie das nicht, dann verselbstständigt sich der Protest irgendwann und treibt die Menschen in die Arme von Rechtspopulisten wie der AfD, die eigentlich nichts macht, außer den Menschen nach dem Munde zu reden und die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Migrationspolitik zu lenken. Und natürlich gibt es zahlreiche Lücken im System der Migration. Natürlich sind manche Gesetze entweder zu lasch oder werden nicht konstant angewandt.

Aber die Migration ist nicht schuld daran, dass Menschen in Deutschland arm sind, bzw. auf dem besten Weg dahin. Die Migration ist auch nicht schuld daran, dass Menschen keine Arbeit finden oder bezahlbaren Wohnraum. Es sind Fehler im Sozialsystem, Fehler im System der Arbeitsvermittlung, Fehler im Steuerrecht oder dem Rentensystem, aber auch in der Leistungsbereitschaft mancher Menschen. Im Großen und Ganzen sind es meistens einfach Fehler, die aus politischer Untätigkeit resultieren. Man hat über Jahre hinweg vor sich hin regiert und dabei den Blick auf die eigene Gesellschaft verloren. Das kann man nur mit einer Neuausrichtung wieder ausbügeln.

Aber diese Neuausrichtung wird weder durch das linke, noch durch das rechte Lager zustande kommen. Nur die Mitte ist dazu in der Lage, all das demokratisch neuzuordnen. Also haben beide Proteste im letzten Drittel nur die Funktion, Aufmerksamkeit zu provozieren. Doch die ist schon lange vorhanden. Was es jetzt braucht, sind Lösungen. Dazu muss die politische Mitte dieses Landes wieder gestärkt werden.

Ein Lösungsansatz wäre es beispielsweise, dass Links und Rechts versuchen, sich im Sinne des Gesamtkonzepts wieder annähern, statt nur übereinander zu schimpfen. Redet miteinander, lasst die Sorgen, Ängste und Meinungen eures Gegenüber zu und respektiert sie. Das wäre ein erster Schritt. Verurteilt nicht jeden, der anders denkt, als ihr selbst. Nur weil er eine andere Meinung hat, ist er noch lange kein Feind, sondern einfach ein anderer Mensch. Schließt euch zusammen, diskutiert lebendig aber fair. Hört einander zu und überlegt, was konstruktiv getan werden kann, damit das Leben in Deutschland so positiv ist, wie alle es sich wünschen. Nur mit Respekt und Gemeinschaft erreicht man hohe Ziele.

Ich weiß, das ist keine Patentlösung und beseitigt nicht alle Probleme, die es in dieser Stadt gibt. Aber es wäre ein Anfang und ein Denkanstoß für uns alle. Wenn wir es schaffen, aus dem Gegeneinander ein Miteinander zu machen, ist das schon ein echter Gewinn für uns alle!

Autor:

Andreas Breimeyer aus Essen-Steele

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