ERASMUS+: LEBENSLANGES LERNEN
Der «Integrationsbrücken» e.V.

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ERASMUS+: LEBENSLANGES GENERATIONSÜBERGREIFENDES LERNEN

(Seniorenmagazin esSen. on top / 33, 12/2021, S. 18-19 mit Ergänzungen)

EIN ALTER ADLER IST MANCHMAL SOGAR STÄRKER ALS EINE JUNGE KRÄHE...
In unserer Ruhrmetropole Essen gehören rd. 30 Prozent der Bevölkerung im Alter 60+ zur Zielgruppe des Seniorenmagazins esSen.on top. In diesem Zusammenhang darf man hier nicht einer öffentlichen Diskussion, die derzeit in Deutschland und Europa läuft ausweichen, einer Diskussion über die Optimierung des Verhaltens älterer Menschen in der Pandemiezeit.

Man kann viel darüber diskutieren, welche Vorschriften in dieser Zeit in erster Linie gerade mit älteren Menschen zu tun haben - im Interesse ihrer eigenen Sicherheit natürlich. Diese Regeln sind doch gut bekannt. Nun kommt jedoch ein großes Aber!

Tatsächlich handelt es sich eher um Personen mit chronischen Vorerkrankungen und es ist nicht ausschließlich an das Alter gebunden. Gar nicht! Viele Personen über 60 sind gesund, arbeitsfähig und engagieren sich öfter ehrenamtlich. Darf man das auch über die jüngere Generation sagen? Vielleicht nicht immer.

Gerade deshalb sollte man dafür sorgen, dass das Bild der älteren Generation nicht ausschließlich in negativer Form gezeichnet werden sollte. Das ist für ältere Migranten, die keinen ausreichenden Zugang zu sozialer Infrastruktur und Angeboten haben, besonders wichtig. Soziale Kontakte von Senioren mit Migrationsgeschichte sind besonders notwendig und wichtig.

GIBT ES EINEN SILBERSTREIF AM HORIZONT?
Betrachten wir jedoch diese komplizierte Lage von einer unerwarteten Seite. Oft wird gefragt, ob es auch positive Seiten gibt, durch die sich das Leben der Senioren für die nächste Zeit und vielleicht auch für die nächsten Jahre sogar positiv verändert. Vielleicht zeigen Menschen Solidarität, gegenseitige Hilfe und Selbstorganisation unter dem Einfluss externer Umstände und es gibt damit sogar einen positiven Moment.

Lassen Sie uns ein wenig träumen. Die Menschen werden mehr aufeinander aufmerksam. Vielleicht haben sie die Gelegenheit, gerade in der Weihnachtszeit zu Hause zu bleiben, mehr zu lesen, über etwas nachzudenken, sogar Zeitschriften herauszugeben und Gedichte zu schreiben. Aber wirklich!

DAS EU-PROGRAMM ERASMUS+ VERGISST DIE ERWACHSENENBILDUNG NICHT!
Das Programm ERASMUS+ umfasst im Bereich der Erwachsenenbildung mehrere Leitaktionen. Uns interessiert in erster Linie die Leitaktion 2: «Partnerschaften für Zusammenarbeit». Diese ihrerseits umfasst die Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Einrichtungen, Kooperationspartnerschaften und Verfahrensaustausch.

Dazu gehören die Aufgaben, wie die interkulturelle / generationsübergreifende Bildung und (lebenslanges) Lernen sowie die Migrationsthematik. Dabei gehören zu den unbedingten Prioritäten der EU-Projekte die offene Bildung und innovative Praktiken, die soziale Eingliederung sowie die Entwicklung der nachhaltigen Zusammenarbeit, um nationale, regionale und sektorale Technologien und Kompetenzen zu entwickeln.

MEHR INFO:
https://www.erasmusplus.de/erasmus/erwachsenenbildung

EUROPA HILFT!
Seit 2011 beteiligten sich die Mitglieder vom «Integrationsbrücken» e.V., dessen Ziele auf die Förderung des kulturellen und gesellschaftlichen Wohls von Auswanderern aus der Sowjetunion konzentriert sind, an einer Reihe von EU-Projekten im Rahmen der Programme GRUNDTVIG und ERASMUS+. Diese Programme haben in erster Linie mit Senioren- und Erwachsenenbildung zu tun.

So war das Hauptziel eines der abgeschlossenen Integrationsprojekte «We are responsible» / «Wir sind verantwortlich» (2016-2018, Partnerländer: Deutschland, Finnland und Spanien) die Entwicklung neuer Methoden der Erwachsenenbildung für die deutschen Aussiedler und jüdischen Einwanderer aus der UdSSR. Diese Methoden helfen, die Sprache des Gastlandes auf einem Sprachkurs für Ausländer intensiv zu lernen.

Die Projektpartner haben Workshops im Kommunalen Integrationszentrum Essen durchgeführt, spannende Diskussionen in der Stadtverwaltung mit

OB Thomas Kufen und im Integrationsrat Essen mit Miguel González Kliefken geführt.

Allerdings gab es in dieser Zeit keine Corona-Vorschriften, die diese und andere Veranstaltungen erschweren konnten.

WIE SOLLEN TREFFEN UND ARBEITEN IN GRUPPEN IN DER PANDEMIEZEIT ORGANISIERT WERDEN? WER SUCHT, DER FINDET!
Im Rahmen des laufenden Projekts «Integrationsschlüssel für Senioren und Erwachsenen mit Integrationsgeschichte», dessen Partner die NGOs Deutschlands (Projektkoordinator), Finnlands, Spaniens und Ungarns sind, wurde eine Reihe von Veranstaltungen geplant, um die weitere Integration von Erwachsenen und älteren Migranten zu fördern.

So ist die Ausgabe einer Gedichtsammlung in Russisch und Deutsch geplant, in der Gedichte darunter auch Weihnachtsgedichte von Hobby-Dichtern, die aus Russland, Kasachstan und anderen Republiken der Sowjetunion nach Deutschland kamen, aufgenommen werden. Während der Epidemie des neuen Coronavirus waren leider nur einige der dafür geplanten Veranstaltungen aufgrund der Anordnung der lokalen, Land- und Bundesbehörden möglich.

In diesem Zusammenhang haben die Projektkoordinator*innen beschlossen, einen anderen Weg zu beschreiten, zumal die Projektziele und Aufgaben eine intensive soziale Inklusion von Migranten, Erwachsenen und älteren Menschen und deren aktivere Integration in eine neue Gesellschaft, eine Optimierung des Fremdsprachenunterrichtes durch intensive Kontakte zu Muttersprachlern vorsieht.

Alle Projektteilnehmer*innen sollten selbst oder mit Hilfe der Freiwilligen elementare Computerkompetenz erlernen und die Mappen ihrer Verse mit Anmerkungen und Fotos auf Russisch und Deutsch vorbereiten. Nach entsprechender Bearbeitung im Deutschkurs und unter Beteiligung von Muttersprachlern wird die Sammlung von eigenen Kräften in zwei Fassungen DE/RU herausgegeben.

WAS KANN MAN SONST NOCH FÜR DIE WEITERE AKTIVE INTEGRATION DER ERWACHSENEN UND ÄLTEREN BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSGESCHICHTE ANBIETEN?
Außerdem veröffentlicht der «Integrationsbrücken» e. V. seit Oktober 2020 ein eigenes

deutsch-russisches Integrationsblatt «Neue Zeiten / Essen auf Russisch», das ebenso mit eigenen Kräften herausgegeben und per E-Mail verteilt wird.

Mithilfe dieser Zeitschrift können wichtige Aspekte der Integrationsarbeit besser erreicht werden, um die soziale Isolation der älteren Migranten zu überwinden, die weitere Integration durch das Kennenlernen der neuen Heimat zu beschleunigen, eine freiere Orientierung im Informationsfluss zu gewehrleisten, Erinnerungen / Memoiren der älteren Generation in Deutschland, Finnland und Ungarn zu dokumentieren etc.

Gerade in der Pandemiezeit hilft das deutsch-russische Integrationsblatt «Neue Zeiten / Essen auf Russisch» die wichtigen EU-Integrationsprojekte implementieren, damit die soziale Isolation der älteren Migranten überwinden werden kann. Da sind die wichtigsten Handlungsfelder davon.

● Intensive soziale Inklusion der Migranten
● Orientierung im Informationsstrom. Der Kampf gegen die Marginalisierung der älteren Migranten, die sich sonst in die leichte Beute der populistischen Massenmedien verwandeln könnten
● Entwicklung der Digitalisierungsmethoden online
● Verbesserung des Sprachunterrichts durch intensive Kontakte mit Muttersprachlern
● Integration durch das Kennenlernen der neuen Heimat
● Nachhaltige Entwicklung durch die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch mit den Projektpartnern, das Bekanntmachen mit den Partnertätigkeiten sowie die Bekanntschaft mit der Kultur der Projektländer
● Erinnerungen / Memoiren der älteren Generation, die mit Deportationen und Holocaust in Deutschland, Finnland und Ungarn verbunden sind

Im Rahmen dieser Veröffentlichung nehmen gerne Mitglieder der Jüdischen Kultus-Gemeinde (JKG Essen) aktiv teil, sie gehören auch zum Redaktionsteam. Im Weiteren nehmen auch Mitglieder des Jüdischen Sozialkulturellen Zentrums Yahad Haverim Bochum daran teil. Damit wird geholfen, die Integrationsarbeit weiter zu beschleunigen sowie die Computerkompetenz von Teilnehmer*innen zu erlernen / zu verbessern.

Die nächste Ausgabe von diesem Integrationsblatt folgt im Januar/Februar 2022.

MEHR INFO: 
http://www.immigrantenverbund.de/uploads/media/INTEGRATIONSBLATT_4_Januar_Februar_21.pdf

DA LIEGT DER HUND BEGRABEN!
Am Anfang wurde indirekt gefragt, ob es auch positive Seiten gäbe, dadurch sich das Leben der Senioren davon auch mit Migrationsgeschichte für die nächste Zeit verändert. Dafür gibt es unterschiedliche Meinungen, die eher eine Frage des Menschenbildes darstellen. Vielleicht werden die Menschen in dieser Pandemiezeit noch egoistischer und rücksichtsloser, vielleicht zeigen die Menschen unter dem Einfluss externer Umstände eher Solidarität, gegenseitige Hilfe und Selbstorganisation.

Es ist sehr wünschenswert, dass die optimistischen Noten gerade in der Weihnachtzeit und im neuen Jahr 2022 vorherrschen, zumal dafür erhebliche Anstrengungen auf städtischer, nationaler und internationaler Ebene unternommen werden!

KONTAKT:

Dr. Dmitri Piterski
Seniorenbeirat Essen
Integrationsrat Essen
«Integrationsbrücken» e.V.

DmitriPiterski@web.de

Autor:

Dmitri Dr. Piterski aus Essen-Steele

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