Streik für die Zukunft: Pflegekraft spricht über ihre Einschätzungen, Sorgen und Gründe für einen Streik

Eine Demonstration am 9. August sollte auf den Pflegenotstand und die Streikbedingungen aufmerksam machen. Fotos: Gohl
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  • Eine Demonstration am 9. August sollte auf den Pflegenotstand und die Streikbedingungen aufmerksam machen. Fotos: Gohl
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Die Unterbesetzung von Pflegekraftstellen im Universitätsklinikum Essen führte zum Streik. Eine Pflegerin Claudia C. gewährt einen Einblick in die zusätzlich stressbelastete Situation des Pflegepersonals. Ihre Forderungen sind von einem Wunsch nach angemessener Fürsorge für die Patienten begleitet.

Manche Themen werden schnell kontrovers diskutiert. Vor allem wenn es sich um zentrale und notwendige Angelegenheiten der Gesellschaft handelt, dann lassen die unterschiedlichen Meinungen nicht auf sich warten. Die pflegerische Versorgung in Krankenhäusern gehört zu diesen Themen.

Seit zwei Monaten streikt ein Teil des Pflegepersonals im Universitätsklinikum Essen. Grund dafür ist eine Unterbesetzung, die einen Pflegenotstand bedeutet. Die offiziellen Positionen von Gewerkschaft und Klinikum hat der Süd Anzeiger bereits am Wochenende zusammengefasst. Doch für jede öffentliche Diskussion ist auch ein Blick in den Berufsalltag nötig, der die Grundlage für ein angemessenes Verständnis schafft.

Blick hinter die Kulissen

Claudia C. (Name ist der Redaktion bekannt) bietet einen Einblick in die alltäglichen Problematiken der Pflegeversorgung, die sie dazu brachten, in einen Streik zu treten.
Seit 20 Jahren arbeitet sie im Uniklinikum Essen und absolvierte dort auch ihre Ausbildung. Doch in den letzten Jahren machte sich eine Veränderung in der Besetzung des Pflegepersonals bemerkbar. Ausgeschiedene Pflegekräfte wurden nicht mehr ausreichend ersetzt, sagt sie. Die Folge ist für Claudia C. ein Alltag, der von weniger Personal und mehr Aufgaben geprägt sei. Dabei leide eine angemessene Pflege der Patienten. "Der Patient braucht Ansprache, Motivation und Zuspruch. Das alles ist nicht mehr möglich", bedauert Claudia C. Um daran etwas zu ändern, ist in ihren Augen ein Streik notwendig.

Schwierige Bedingungen

Dass die benötigten Stellen nicht von jetzt auf gleich aufzufüllen sind, ist Claudia C. bewusst. Trotzdem erhofft sie sich die Erfüllung der Sollbesetzung. Den leeren Stellenmarkt kann sie erklären. Sie erkennt eine Problematik, Menschen für den Beruf zu begeistern. "Manchmal fühlt man sich wie im Horrorfilm", meint Claudia C. zu den herrschenden Arbeitsbedingungen und dem ohnehin seelisch und körperlich belastenden Beruf. Der Idealismus geht ihr zufolge dabei schon in den ersten Tagen der Ausbildung verloren.

Sie selbst bringt der Stress an die Grenzen ihrer Kräfte. "Ich habe jeden Tag Angst Fehler zu machen in dem Stress." Diese Auswirkungen werden sogar ihrem neunjährigen Sohn bewusst. Um seine Mutter zu unterstützten, beteiligt sich dieser lautstark mit an der Demonstration.

Vorwürfe, die auch von Vorgesetzten kommen, über die negativen Auswirkungen des Streiks auf Patienten, möchte sie so nicht gelten lassen. Sie sieht die Unannehmlichkeiten, die der Streik mit sich bringt. "Es tut mir leid, dass es so ist, wie es ist." Doch die strukturellen Schwächen, die eine zukünftige Pflege noch weiter beeinträchtigen, will sie nicht hinnehmen. Pflege im Krankenhaus muss für sie immer gewährleistet sein. Aus diesem Grund hofft Claudia C. auf eine Entwicklung in der Streitfrage. "Verhandlungen muss es geben. Es muss weitergehen."

Dass Auszubildene als Springer eingesetzt werden, um die fehlende Besetzung auszugleichen, ist für Claudia C. ein "No-go". Ihr zufolge kann dann keine ordentliche Ausbildung erfolgen. Auch hier gewahrt sie die Gefahr von strukturellen Schwächen. Eine gute pflegerische Versorgung sieht sie in der Zukunft gefährdet. "Wir laufen auf ganz dünnem Eis, wenn es so weitergeht."

Autor:

Nils Krüger aus Essen-Süd

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