Werdener Gymnasiasten gedenken der Gräuel des Ersten Weltkriegs
100 Jahre später

Die 70 Zentimeter hohen Buchstaben wurden mit Sprühkreide aufgebracht.
Foto: Henschke
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Im Gymnasium Essen-Werden wird Erinnerungskultur großgeschrieben. Lehrer Dominik Krister und die Fachschaft Geschichte stehen für ein aktives Bemühen, die Schrecken der Vergangenheit nie in Vergessenheit geraten zu lassen.

Auf dem Schulhof erinnern drei Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus. Jüdischen Gymnasiasten: Jacob Herz, Hans Simon und Felix Steeg. Herz und Steeg waren aber nicht nur Gymnasiasten an der Grafenstraße, sie waren auch Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg. Überlebten den Stellungskrieg, um dann wegen ihrer Religion zu sterben. Werdener Schüler zogen in den Krieg, viele starben in den Schützengräben. Eine große Tafel erinnert an die Toten beider Weltkriege. Ihre Namen sind dort nachzulesen. Sie alle waren jung und fröhlich, hatten das Leben noch vor sich und starben für das Vaterland. Wer tröstete ihre Mütter? Die Tafel hängt etwas abseits im Treppenhaus, mit dem Schriftzug „In Memoriam“. So mancher Pennäler wird bisher achtlos vorbei gegangen sein. Solch ein Denkmal wird im stressigen Schulalltag kaum wahrgenommen.

Krieg. Angst. Trauma. Erinnerung. Familie.

Nun aber weist ein künstlerisches Mahnmal hin auf diese Dokumentation des Grauens: „100 Jahre später“ gilt dem hundertsten Jahrestag der Vereinbarung des Waffenstillstandes und der Ausrufung der Republik. Anlass für ein fächerübergreifendes Projekt der Fächer Geschichte und Kunst. Im Fach Geschichte wurde mit Lehrerin Tina Unterfeld der historische Kontext beleuchtet. Da waren zum Beispiel die traumatisierenden Kriegserlebnisse der Soldaten im Schützengraben. Der Grabenkrieg gilt als Sinnbild des Ersten Weltkrieges. Die Toten konnten oft nicht bestattet werden und ihre Leichen blieben im Niemandsland liegen. Schützengräben wurden in einem sägezahnartigen Muster gebaut, damit nicht der gesamte Graben unter Feuer genommen werden konnte. Auch die Splitterwirkung einschlagender Granaten wurde so begrenzt. Dieses Zickzackmuster nehmen die Schüler auf.

Tod. Trauer. Brutalität. Waffen. Massengräber.

Dem schulischen Denkmal sollte ein zeitgenössisches Denkmal zugesellt werden. Der Krieg und seine Gräuel haben die Bildende Kunst zu Reaktionen getrieben. Künstler wie Otto Dix verarbeiteten das entmenschlichte Leben im Kriegszustand in ihren Werken. Aber diese neue, noch brutalere Form des Kriegs forderte auch neue stilistische Mittel der Kunst. Der entsetzlichen Wirklichkeit wurden etwa mit dem Expressionismus oder abstrakter Kunst der Spiegel vorgehalten. Kunstlehrerin Alexandra Gollan setzte sich im Rahmen des Projekts in der Jahrgangsstufe 11 mit dem Krieg auseinander. Welche Assoziationen werden bei den Jugendlichen geweckt? Wie kann man sie heutzutage ausdrücken? Hier fanden die Schüler für ihr Erinnern eine moderne Kunstform: Street Art. Sie fertigten Schablonen an und sprühten die Lettern mit weißer Farbe auf das Pflaster. Ein Schützengraben aus Schlagwörtern wie „Krieg“, „Angst“, „Brutalität“ oder „Massengräber“. Mitten auf dem Schulhof. Bis zum Schultor erstreckt sich ihr Schützengraben der Erinnerung. Er soll zu Nachdenken und Gedankenaustausch anregen. Einzelne dieser 70 Zentimeter hohen Buchstaben aus Sprühkreide sind besonders markiert. In kräftigem Rot formen sie den Schriftzug „In Memoriam“, der den Toten gilt.

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