Eine historische Geschichte zum Schienenbus

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Eine historische Geschichte zum Schienenbus

von Burkhard Wendel

Die Eisenbahnfreunde Hönnetal e.V. hatten um Einsendung von selbst erlebten Schienenbusgeschichten aus der planmäßigen Einsatzzeit 1954 bis 1984 gebeten. Der EFH-Vorstand als Jury prämierte das höchst amüsante Erlebnis von Heinrich Gosewinkel aus Schwerte mit dem 1.Preis. Der Gewinner darf sich über eine Freifahrt für zwei Personen im Weihnachtsmarktsonderzug am 29.11.2014 nach Paderborn freuen. Wir möchten Ihren Lesern diese köstliche Geschichte nicht vorenthalten.
Hier die Eisenbahnfreunde Hönnetal im Internet

Geschichte von Heinrich Gosewinkel

Am 01.08.1976 begann ich meine 3- jährige Ausbildung zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Schwerte. Die 3- jährige Ausbildung beinhaltete neben der praktischen Ausbildung in den Ämtern und Abteilungen der Stadt Schwerte auch den regelmäßigen Berufsschulbesuch in Iserlohn. Berufsschulunterricht war stets montags, ab und zu sah der Lehrplan auch einen wochenweisen Blockunterricht vor.
Die Berufsschule befand sich in Iserlohn- Ost im Karnacksweg.
Da ich noch keinen Führerschein besaß, war ich wegen der Fahrten nach Iserlohn auf die öffentli-chen Verkehrsmittel angewiesen.
Seinerzeit gab für mich 3 Alternativen, um von meinem Wohnort in Schwerte zur Berufsschule nach Iserlohn- Ost zu gelangen:

1. KBS 351/352 Schwerte- Ergste- Hennen- Kalthof – Iserlohn- in Iserlohn umsteigen Iserlohn – Ost
2. KBS 350/352 Schwerte- Ost – Fröndenberg- Menden – Hemer- Westig – Iserlohn –Ost

3. Busverbindung von Schwerte- Geisecke -Hennen- Kalthof - Iserlohn
Da die Busverbindung sehr zeitaufwändig war und ich von meinem Wohnort in Schwerte- Ost (Gänsewinkel) mit dem Fahrrad rund 2,5 km zum Schwerter Bahnhof hätte fahren müssen, entschied ich mich für die Variante 2. Ich erreichte den Haltepunkt Schwerte- Ost an der KBS 350 von der Wohnung fußläufig in gut 5 Minuten und konnte bequem ohne Umsteigen bis Iserlohn- Ost fahren.

Ich benutzte den N 6107, Abfahrt Schwerte- Ost um 6.38 Uhr, Ankunft in Iserlohn- Ost 7.30 Uhr. Somit war man pünktlich um 8.00 Uhr in der Berufsschule. Den Zug bildete eine 798/998/798 Garnitutdes BW Bestwig.

An einem nasskalten und verregneten Montagmorgen im November/ Dezember 1976 begab ich mich mit meinem Kollegen Dieter Mokros wieder zur Berufsschule nach Iserlohn -Ost. Der Lehrplan sah an diesen Montag die erste Klausur im Unterrichtsfach „Staatsrecht“ vor. Nebenamtlicher Dozent für dieses Unterrichtsfach war der Städt. Oberverwaltungsrat Isenberg von der Stadt Iserlohn. Wir hatten uns auf die Klausur eigentlich gut vorbereitet, waren aber etwas angespannt und nervös.
Der N 6107 erreichte planmäßig den Halteunkt Schwerte- Ost. Wir stiegen ein und fuhren los. Der Zug erreichte Fröndenberg um 6.51 Uhr und hatte dort einen planmäßigen Aufenthalt von 5 Minuten (6.51- 6.56).
Um 6.56 Uhr erfolgte entgegen des Fahrplans jedoch keine Abfahrt des Zuges Richtung Iserlohn!
Uns war aus dem Zug heraus bereits aufgefallen, dass Zugbegleiter und Triebwagenführer auf dem Fröndenberger Bahnsteig entlang des Zuges aufgeregt hin und her liefen und diskutierten. Schließlich forderte der Zugbegleiter die im Zug sitzenden Fahrgäste auf, wegen einer Betriebsstörung den Zug zu verlassen. Alle Fahrgäste stiegen aus, die Schienenbusgarnitur knatterte Richtung ehem. BW Fröndenberg

Was war geschehen? Die 798/998/798 Garnitur musste die Tankstelle des ehem. BW Fröndenberg an- fahren und Treibstoff aufnehmen. Der Zug konnte also in Fröndenberg wegen Treibstoffmangel seine Fahrt nach Iserlohn nicht planmäßig fortsetzen. Nachdem der Zug an den Bahnsteig zurückgekehrt war, konnten die Fahrgäste wieder einsteigen und die Weiterfahrt in Fröndenberg erfolgte mit ca. 45 minütiger Verspätung. Entsprechend verspätet trafen wir in der Berufsschule in Iserlohn- Ost ein. Da die Klausur in der 1.Unterrichststunde ab 8.00 Uhr anstand, schied aufgrund unserer Verspätung eine Teilnahme an der Klausur aus. Der Dozent Isenberg reagierte sehr ungehal-ten auf unsere Verspätung und erkundigte sich nach dem Grund der Verspätung.
Mokros und ich antworteten, das der Zug keinen „Spritt“ mehr gehabt habe und in Fröndenberg nachtanken musste. Isenberg reagierte daraufhin sehr ungehalten auf unsere Auskunft und glaubte an einen schlechten Scherz. Er meinte, Zugverspätungen seien zwar möglich , aber eben nicht aufgrund Benzinmangels. Er behalte sich vor, aufgrund der lächerlichen Aussagen die Leitung der Berufschule

zu informieren und eine entsprechende Beschwerde beim Stadtdirektor der Stadt Schwerte einzureichen.
Eine entsprechende Beschwerde ist nach Wochen dann wohl beim Stadtdirektor der Stadt Schwerte eingegangen.
Denn Wochen später wurden wir zum damaligen Personal- und Ausbildungsleiten der Stadt Schwerte, Herrn Kusmierz, gebeten. Wir wurden eindringlich darüber belehrt, derartige Scherze und Späße gegenüber den Dozenten der Berufsschule zu unterlassen und den Berufsschulunterricht , insbesondere die Teilnahme an den Klausuren ernst und mit der gebotenen Einstellung zu neh-men.
Gegenüber des Herrn Kusmierz bestätigtenwir erneut den Grund der Verspätung, wobei auch der Ausbildungsleiter unsere Aussage nicht Ernst nahm und unwirsch reagierte.
Das Gespräch endete mit meiner Bemerkung:“ Wenn man die Wahrheit sagt, wird einem auch nicht geglaubt!“
Die Klausur im Fach „Staatsrecht“ haben wir Wochen später nachgeschrieben. Die Ausbildung bei der Stadt Scherte haben wir erfolgreich abgeschlossen. Doch irgendwie haben wir in der Ausbldungszeit immer den Eindruck gehabt, dass sich der Städt. Oberverwaltungsrat Isenberg von uns Auszubildenden „verarscht“ fühlte.
38 Jahre später fährt der Schienenbus nicht mehr planmäßig. Die Zugverbindung vonSchwerte- Ost nach Iserlohn- Ost existiert nicht mehr. Der Personalchef Kusmierz ist längst pensioniert. Wie es um Herrn Isenberg steht, entzieht sich meiner Kenntnis.
Ich hoffe, mein Erlebnis aus dem Jahre 1976 trägt etwas zur Heiterkeit bezüglich der 798-Historie im Hönnetal bei.

Autor:

Peter Gerber aus Menden (Sauerland)

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