Arbeitgeber bieten nur 20 Cent mehr pro Stunde
Trotz Mehrbelastung durch Corona: 700.000 Reinigungskräften droht de facto Nullrunde

Gebäudereiniger vor der dritten Tarifverhandlung
  • Gebäudereiniger vor der dritten Tarifverhandlung
  • Foto: IG- Bau Gebäudereiniger
  • hochgeladen von Heinz Kolb (SPD

Obwohl ihre Arbeitsbelastung im Zuge der Corona-Pandemie gestiegen ist, können Reinigungskräfte weiterhin nicht mit einer spürbaren Lohnerhöhung rechnen.
Die mittlerweile dritte Runde der Tarifverhandlung für die bundesweit rund 700.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk blieb am Dienstag in Köln ohne Ergebnis, wie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilt. „Wer Krankenhäuser sauber hält, Schulen reinigt und Büros desinfiziert, macht einen unverzichtbaren Job.

Doch die Arbeitgeber erkennen das nicht an. Geht es nach ihnen, soll der Großteil der Beschäftigten abkommendem Jahr lediglich 20 Cent mehr pro Stunde erhalten. Das liefe de facto auf eine Nullrunde hinaus“, so IG BAU Verhandlungsführerin Ulrike Laux. Außerdem weigere sich der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), über die Einführung eines Weihnachtsgeldes für die Branche zu verhandeln – obwohl beide Tarifparteien dies im Voraus vereinbart hatten.

„Mit steigenden Infektionszahlen setzen sich gerade Reinigungskräfte einer erhöhten Ansteckungsgefahr aus. Für ihren Einsatz erwarten sie Wertschätzung“, betont Laux.

Die Gewerkschafterin verweist auf Berichte von Betriebsräten und Arbeitsverträge, die der IG BAU vorliegen. Danach wurden in vielen Firmen die Arbeitszeiten erhöht, um zusätzliche Aufgaben wie die Desinfektionsreinigung zu bewältigen.

Kurzarbeit spiele nur vereinzelt, etwa bei der Flughafen- und Industriereinigung, eine Rolle.
Die Betriebsrätin eines großen Reinigungsunternehmens aus Bayern berichtet von lediglich 120 Kurzarbeitenden – bei 11.000 Beschäftigten insgesamt. „Wenn die Firmen nun über einen Umsatzrückgang um fünf Prozent im zweiten Quartal klagen, dann ist das ein Jammern auf hohem Niveau.

Die Umsätze lägen damit nahezu auf dem Rekordlevel des Vorjahres“, so Laux. Nach Branchenangaben

stiegen die Umsätze im Gebäudereiniger-Handwerk zwischen 2014 und 2019 um 32 Prozent auf zuletzt 19,7 Milliarden Euro. „Hunderttausende Beschäftigte, ein Großteil von ihnen Frauen mit Teilzeitverträgen, haben in den letzten Jahren für glänzende Bilanzen in der größten deutschen Handwerkssparte gesorgt.

Dabei verdienen sie meist nur den Branchenmindestlohn von 10,80 Euro pro Stunde“, unterstreicht Laux.

Die IG BAU will diese Beschäftigten aus dem Niedriglohnsektor herausführen – und fordert 1,20 Euro pro Stunde mehr für alle Lohngruppen.

Die Arbeitgeber hatten zuletzt lediglich ein Plus von 1,85 Prozent geboten.

Damit stiege der Branchenmindestlohn von 10,80 auf nur elf Euro pro Stunde. „Dieses Angebot ist
völlig unzureichend und ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Gerade die Enttäuschung über die Blockadehaltung beim Weihnachtsgeld ist groß“, so Laux weiter.

Doch wachsender Unmut in den Reinigungsfirmen sei kein guter Begleiter in der Corona-Krise.
Gewerkschaft und Arbeitgeber verständigten sich auf eine vierte Verhandlungsrunde am 3. November in Köln. Die Verhandlungen an diesem Dienstag wurden von Protesten von Reinigungskräften begleitet, die ihrem Unmut über die Haltung der Arbeitgeber Luft machten.
Protestierende aus ganz Deutschland wurden per Video zugeschaltet.

Pressestelle Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Bundesvorstand

Autor:

Heinz Kolb (SPD aus Gelsenkirchen

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