Feierlicher Gedenktag für Drogentote lässt Erinnerungen erwachen
Eine bewegende Gedenkfeier

Der Baum des Gedenkens gehört seit letztem Jahr zu den Veranstaltungen der Streetworkerinnen von Arzt Mobil dazu und wurde nun um die Namen der 20 dem Team bekannten Drogentoten des letzten Jahres erweitert. Foto: Gerd Kaemper
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  • Der Baum des Gedenkens gehört seit letztem Jahr zu den Veranstaltungen der Streetworkerinnen von Arzt Mobil dazu und wurde nun um die Namen der 20 dem Team bekannten Drogentoten des letzten Jahres erweitert. Foto: Gerd Kaemper
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 Wenn der Verein Arzt Mobil, der Caritasverband der Stadt Gelsenkirchen, Gelsenkirchen packt an! Warm durch die Nacht und Norbert Labatzki gemeinsam in Aktion treten, dann geht es um das Schicksal wohnungsloser Menschen in Gelsenkirchen und damit einher geht oft auch der Drogenkonsum. Gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer Ingo Mattauch feierten die Protagonisten öffentlich und mitten in der Stadt den Gedenktag der Drogentoten.

Ähnlich wie ein Gottesdienst organisiert, gehören auch zu dieser Gedenkfeier Musik, das Totengedenken, eine Art Fürbitten, der Segen des Pfarrers und sogar der „Leichenschmaus“ nach der Feier und doch unterscheidet sich diese Gedenkfeier von den meisten anderen.
Denn hier findet sich ein buntes Völkchen von Menschen ein, die sich sonst oft abseits unserer Gesellschaft befinden und nicht als dazu gehörig empfunden werden. Hier in diesem geschützten Raum, den der Pavillon neben der Propsteikirche St. Augustinus bietet, zeigen sie offen ihre Trauer über die Verstorbenen und nehmen die Kondolenzwünsche anderer Betroffener entgegen.
Mittendrin befinden sich dann auch Bürgermeister Werner Wöll als Vertreter der Stadt und Sozialdezernent Luidger Wolterhoff, der sich erfreut zeigt, über „die große Anteilnahme, die beweist, dass in der Stadt Gelsenkirchen das Schicksal der Drogentoten wichtig genommen wird.“
Besonders war bei dieser sechsten Feier des Gedenktages der Drogentoten in Gelsenkirchen auch, dass die Feier unter das Jahresmotto der Streetworkerinnen von Arzt Mobil gestellt wurde und den Titel „Verwurzelt“ trug. Darum waren die Kunden im Vorfeld angehalten worden, ihre Gedanken zum Thema durch Bastelarbeiten, Malereien und ähnliches zum Ausdruck zu bringen.
Ariane Katzenberg nahm sich zwei Wochen lang Zeit, um sich Gedanken zu machen und eine Installation zu erschaffen, die sich mit dem Leben und dem Tod auseinander setzt. Die raumgreifende Arbeit zeigt, dass egal wie das Leben startet und welchen Weg es einschlägt, am Ende der Tod steht, der alle Menschen gleich macht.
Mit „Verwurzelt“ ist auch ein Beet in der Neustadt hinter dem Hauptbahnhof, also dem Treffpunkt der Wohnungslosenszene, gemeint. Dort ist unter Anleitung der Streetworkerinnen eine grüne und bunte Oase entstanden, für deren Pflege sich die Obdachlosen einsetzen. „Wir haben damit eine verlässliche Beziehungsarbeit angeregt“, wie Karin Schneider, Diplom Sozialpädagogin des Arzt Mobil, schilderte.
„Vom letztjährigen Drogengedenktag bis zu diesem fanden 20 Betroffene den Tod. Diese Feier soll den Raum bieten für die Trauer und das Abschiednehmen“, erläuterte Karin Schneider.
Pfarrer Ingo Mattauch predigte: „Wir sind hier zusammen gekommen, um namentlich der Verstorbenen zu gedenken, um sie nicht einfach so verschwinden zu lassen. Und um ihnen zu zeigen, dass sie weiterleben in unseren Gedanken und Herzen. Dabei ist es egal, ob es sich um den christlichen, jüdischen oder muslimischen Glauben handelt, denn wir alle glauben, dass mit dem Tod nicht das Leben genommen, sondern gewandelt wird.“
Als Schiefertafeln mit den Namen der Verstorbenen, die parallel dazu am Gedenkbaum angebracht wurden, unter den Besuchern verteilt wurden, brachen bei den Hinterbliebenen die letzten Dämme und es flossen Tränen während Blumen vor dem Gedenkbaum niedergelegt wurden und Luftballons in den Himmel entsandt wurden.
Den musikalischen Rahmen gestaltete mit ausgewählten Liedern, wie „Knocking on Heavens door“, „Tears In Heaven“ oder „Baker Street“ der Gelsenkirchener Musiker Norbert Labatzki, der immer wieder auf das Schicksal der Wohnungslosen aufmerksam macht, nicht zuletzt mit seiner StraßenFeuer Spendengala.
Für einen besonders bewegenden Moment sorgte Petra Bec von Warm durch die Nacht, die vor drei Jahren einen Drogenkonsumenten bis zu seinem Tod begleitet hatte. Die Gelsenkirchener begleitete sich selbst auf der Gitarre als sie ein Erinnerungslied an den vor drei Jahren verstorbenen Chris sang und dabei wohl den meisten Anwesenden aus tiefstem Herzen sprach.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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