Jahresbericht 2019 der Frauenberatungsstelle - Impuls fordert mehr Hilfsangebote für Frauen
Es gibt zu viel Gewalt gegen Frauen

Marion Claaßen (links) und Maren Haukes-Kammann sind zwei von insgesamt vier Beraterinnen in der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch.
  • Marion Claaßen (links) und Maren Haukes-Kammann sind zwei von insgesamt vier Beraterinnen in der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch.
  • hochgeladen von Franz Geib

Welchen Einfluss die Corona-Krise auf die häusliche Situation hat, lässt sich schwerlich beurteilen. Allerdings könnte die Pandemie ein mögliches Indiz dafür sein, dass die Krise und die räumliche Nähe, die daraus resultiert, sich zu einer problematischen Gesamtsituation aufschaukeln kann, schreibt die Frauenberatungsstelle Impuls auf ihrer Homepage. Wie sich die Situation in Vor-Corona-Zeiten darstellte, erläuterte Marion Claaßen jetzt bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019.

VON FRANZ GEIB

Goch/Kreis Kleve."Bei den Gesprächen steigen die Zahlen im Vergleich zu 2018 nach wie vor", zieht Marion Claaßen ein Resumee aus dem vergangenen Jahr. 577 Frauen wurden 2019 von den vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Maria Peeters, Hildegard Wolff, Maren Haukes-Kammann und eben Marion Claaßen beraten. Neben den Themen Scheidung und Essstörungen, suchten die Frauen vor allem einen profunden Rat nach Gewalterfahrungen. In 254 Fällen (2018: 244) akuter häuslicher Gewalt wurde die Frauenberatungsstelle durch den Opferschutz der Polizei benachrichtigt. Im Bereich "Sexualisierte Gewalt" -darunter Vergewaltigung, Missbrauch, sexuelle Belästigung, KO-tropfen, Folter- wurden 79 Frauen (2018: 70) von der Frauenberatungsstelle unterstützt. Marion Claaßen: "Gewalt nahm auch in 2019 einen breiten Teil unserer Beratung ein, die Quote liegt mit 66 Prozent nach wie vor sehr hoch."

Große Dunkelziffer 

Den Anstieg der Beratungsgespräche führt die Dipl.-Sozialarbeiterin darauf zurück, dass das Thema in der Öffentlichkeit angekommen ist, die Hemmschwelle, um das Gespräch mit Einrichtungen wie Impuls zu suchen, sei niedriger geworden: "Es gibt sicher noch eine große Dunkelziffer, aber die Frauen trauen sich mehr."
Die Gründe dafür, warum es nach wie vor zu Gewaltexzessen zwischen den Geschlechtern kommt, sieht die Trauma-Beraterin in den gesellschaftlichen Veränderungen. Schlecht bezahlte Jobs, soziale Isolation und Armut seien Faktoren, die Konflikte verursachen könnten. Doch sie warnt davor, hier zu pauschalisieren: "Gewalttaten ereignen sich in allen sozialen Schichten."
Ein weiteres Problem sieht Marion Claaßen darin, dass viele Frauen aus Scham erst spät den Rat der Frauenberatungsstelle suchen, meist aber auch hier nur über Umwege: "Oft kommen die Frauen, die Gewalt erfahren haben, wegen anderer Probleme zu uns, Beispiel Esstörungen. In den Beratungsgesprächen stellt sich dann heraus, dass deren Ursachen in den Gewalterfahrungen zu finden sind." Das Problem: Viele Frauen kommen viel zu spät, um die Tat strafrechtlich noch aufarbeiten zu können. Meist würden sie aus falsch verstandener Scham das Erlebnis verdrängen, gerade auch dann, wennn der Missbrauch innerhalb des Familienkreises stattfand. Marion Claaßen fordert darum viel mehr Aufklärung auch bei jungen Frauen und mehr therapeutische Angebote, denn: "Sexualisierte Gewalt versaut das ganze Leben."

Corona setzt Grenzen

In dem Zusammenhang weist die Beraterin auf die weiteren Angebote der Frauenberatungsstelle Impuls hin. Zu den Besonderheiten im vergangenen Jahr zählt die Aktion "Luisa ist hier!" (wir berichteten darüber ausführlich), die im vergangenen Jahr erstmals gestartet wurde, und an der sich auf Anhieb 13 gastronomische Betriebe beteiligten. Ziel ist es, das Personal in der Gastronomie soweit zu sensibilisieren, dass es für schnelle Hilfe sorgt, wenn Frauen bedrängt, belästigt oder bedroht werden. Die Aktion läuft aufgrund der Corona-Beschränkungen derzeit nicht.
Die Coronakrise hat nicht nur Folgen für Familien und Aktionen der Hilfs-Einrichtung: Auch das Fortbestehen der Frauenberatungsstelle Impuls ist maßgeblich von der Entwicklung der Krise abhängig, wie Marion Claaßen zum Schluss gegenüber dieser verriet. Weil die Mitarbeiterinnen keine Präventionsveranstaltungen organisieren, keine Schulbesuche machen und keine persönlichen Gespräche führen können, gerät die Finanzierung der Einrichtung ins Stocken. Diese ist nämlich zwischen der Beratungsstelle und jeder Kommune im Kreis Kleve geregelt und sieht vor, dass sich ein Großteil der Förderung an der persönlichen Beratung und der Präsenz der Beratungsstelle orientiert, sagt Marion Claaßen.

Mehr telefonische Beratung

Derzeit bilden allerdings die telefonischen Beratungsgespräche aufgrund von Corona den Schwerpunkt der Tätigkeit. Dieses Angebot will die Frauenberatungsstelle weiter ausbauen, weil es auch ein Mobilitätsproblem im großen Einzugsgebiet der Beratungsstelle löst. "Nach Rücksprache mit den Kommunen konnten wir zumindest für das laufende Corona-Jahr vereinbaren, dass die Deckelung von 25 Prozent telefonische Beratung aufgehoben wird. Was im kommenden Jahr sein wird, hängt von der Entwicklung der Corona-Situation ab", blickt das Team von Impuls nach vorn.
Marion Claaßen macht deutlich, dass die Frauenberatungsstelle jederzeit erreichbar ist. Wahlweise unter Tel.: 02823/2191 oder info@fb-impuls.de Mehr Infos unter: www.fb-impuls.de 

Kreisweit parteilich für Frauen

Die Frauenberatungsstelle Impuls in der Trägerschaft des Vereins Frauen helfen Frauen e. V. ist seit dem Jahr 2000 im gesamten Kreis Kleve tätig. Hauptaufgabe ist die psycho-soziale Beratung von Frauen und Mädchen ab 16 Jahren. Hauptsitz ist Goch, Standorte gibt es in Emmerich, Geldern und Kleve. Die Frauenberatungsstelle ist parteilich für Frauen und berät kostenlos und auf Wunsch anonym zu allen Themen, die Frauen belasten. Nach wie vor braucht die Frauenberatungsstelle IMPULS jede Form der finanziellen Unterstützung. Möglichkeiten der Hilfe gibt es viele, diese sind auf der Homepage gelistet.

Autor:

Franz Geib aus Goch

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