Wie kann man Einheimische und Bewohner umliegender Städte in die Hattinger Innenstadt holen?
Hattingen hat eine nette Kampagne

Die ersten Geschäftsleutelassen sich im Beisein der Verwaltung und Hattingen Marketing von Uli Wilkes die Ideen der neuen Marketingkampagne vorstellen. Foto: Pielorz
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  • Die ersten Geschäftsleutelassen sich im Beisein der Verwaltung und Hattingen Marketing von Uli Wilkes die Ideen der neuen Marketingkampagne vorstellen. Foto: Pielorz
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„Die Touristen werden wieder nach Hattingen kommen. Unsere Fachwerk-Altstadt ist beliebt und wir bieten ein grünes Umland mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Ich glaube, das wird ein Selbstläu-fer“, sagt Hattingen Marketing Chef Georg Hartmann. Trotzdem will man vor allem die Innenstadt möglichst schnell wieder beleben – wichtig vor allem für Gastronomie und Handel. Dafür hat die Politik Geld gegeben für eine neue Marketingkampagne. Die Anschubfinanzierung von 30.000 Euro kommt aus nicht genutzten Geldern vom ausgefallenen Hattinger Altstadtfest 2020.

Für die Kampagne wurde der Hattinger Uli Wilkes, Ideengeber der „Kleinen Affäre“ aus Blanken-stein, mit seinem Kölner Unternehmen pro.in space ins Boot geholt. Das Unternehmen, in dem übrigens auch seinerzeit die Firma von Alfred Biolek integriert wurde, ist eine digitale Kreativ- und Onlineagentur. Das Unternehmen ist der Frage nachgegangen, wie man Besucher nach Hattingen holen und Einheimische für die Vorzüge ihrer Stadt sensibilisieren kann. „Die Zielgruppe sind vor allem die Hattinger selbst und die Einwohner aus den umliegenden Städten. Neben dem Fachwerk sind Gemütlichkeit und Gemeinsamkeit, das Zeit haben, entscheidende Etiketten. Aber diese posi-tiven Elemente dürfen nicht ins Negative übersetzt werden – etwa mit Vergangenheit, Langsam-keit oder einfach nur Langeweile. Daher haben wir eine Kampagne erdacht, die mit einem Wort arbeitet, welches für viele von uns zunächst gemischte oder gar negative Assoziationen hervorruft – das Wort ,nett‘. Ich weiß, vielen Menschen kommt sofort der Satz ,Nett ist die kleine Schwester von sch…‘ in den Sinn, doch genau das wollen wir ändern. Denn eigentlich ist der Begriff etwas Posi-tives,“ erklärt Uli Wilkes. Gemeinsam aktiv für alle eine Wohlfühlatmosphäre schaffen – das ist die Übersetzung von „Wir machen es uns nett.“ Dabei verberge sich hinter diesem NETT die Idee von urban, modern und kreativ.
Doch den Worten müssen Taten folgen, die Kampagne muss mit Inhalten gefüllt werden. „Unser NETT ist nicht einfach ein Claim, sondern es steht für ein gemeinschaftliches und besonderes Ge-fühl. Das muss auch gelebt und vor allem gezeigt werden.“ Auch da präsentiert Uli Wilkes erste Ideen. „Zunächst einmal werden wir die sozialen Medien mit Fotos und Texten bespielen, in denen wir zeigen, was alles in Hattingen ,nett‘ ist. Dann werden wir eine Wanderbaumallee mit 12 Bäu-men ins Leben rufen. Optisch sind es Bäume auf einem Handkarren mit einer Bank drumherum. Rechtlich betrachtet dürfen diese Bäume jeweils bis zu drei Wochen an einem Standort stehen. Die Handkarren baut die Hattinger Ideenschmiede Nils Rotterdam und vor allem um „Bauherr“ Fried-helm Wegfahrt zum Materialkostenpreis und für das Material haben wir Sponsoren gefunden. „Die ersten Termine stehen bereits fest. Am 21. August startet die Wanderbaumallee am Steinhagen. Dort steht sie bis zum 4. September. In einem Umzug wird sie nach Holthausen zum Wittpoth-Platz gebracht. Bis zum 18. September ist das ihre Heimat. Dann geht es weiter nach Blankenstein bis zum 2. Oktober und die vorerst letzte Station wird Welper bis zum 16. Oktober werden.“ Vor allem Thomas Schröder, für die SPD als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus, hat hier eine ehrenamtlich-führende Rolle übernommen. Wilkes macht allerdings keinen Hehl daraus, dass die Kampagne nur Fahrt aufnehmen kann, wenn die Bür-ger, der Handel, die Gastronomie und Hotellerie – eben alle – zum Mitmachen bereit sind.
Kontakt wurde auch aufgenommen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die zum ers-ten Mal gemeinsam mit der Stadt Hattingen eine Wortpatenschaft für das Wort „nett“ überneh-men könnte. Ähnlich wie Städtepartnerschaften soll dies auch auf Schildern dokumentiert werden. Hier laufen allerdings noch ergebnisoffene Verhandlungen.

NETT HIER

Ein Fragezeichen steht allerdings hinter Live-Veranstaltungen. Nette Samstag mit kleinen Aktionen der Hattinger Geschäftsleute soll es im Herbst geben. Eine größere Sache will man aber aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht in Angriff nehmen. Zu groß scheint das Risiko, dass die Veranstal-tung dann doch nicht starten könnte. Marketingchef Georg Hartmann: „Wir sind noch unschlüssig, ob wir den Herbstmarkt durchführen. Dazu wird es aber bald eine Entscheidung geben müssen. Gespräche mit Alfred Schulte-Stade zum Thema Weihnachtsmarkt laufen. Da bin ich optimistisch“.
Auch die ersten Geschäftsleute, die sich die neuen Ideen vorstellen ließen, bekundeten Interesse am Mitmachen. Ob „vom Fass“, die „Potteery“, „Duo Optik & Akustik“ in der Innenstadt oder das Café Z & Whiskyshop in Blankenstein – alle stehen in den Startlöchern und wollen die Ideen jetzt als Netzwerk weiter in die Welt tragen.
Marketingchef Georg Hartmann: „ich bin sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, mit diesen Ideen die Innenstadt zu beleben und Einheimische wie Touristen zu begeistern. Unsere Stadtführungen und damit eine wichtige Säule der Einnahmen sind von 6632 im Jahr 2019 auf nur 966 Personen in 101 Gruppen in 2020 zurückgegangen. Die Übernachtungen sind im letzten Jahr um 39 Prozent ein-gebrochen auf 137.869 Übernachtungen. Aber jetzt nimmt die positive Entwicklung doch wieder Fahrt auf und Einheimische und Besucher erleben: Hattingen ist einfach nett.“

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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