Notschlafstellen als letzte Zuflucht

Die Notschlafstellen in der Mendener Straße und Oestricher Straße in Iserlohn sind für viele der letzte Ausweg.
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Wer in Tagen wie diesen keinen warmen Schlafplatz hat, wird die Nächte im Freien wohl kaum überleben können. Die sogenannten Notschlafstellen, die das Ordnungsamt der Stadt Iserlohn das ganze Jahr über bereithält, bieten Menschen, die in eine plötzliche Notsituation geraten sind und Obdachlosen Schutz.
„Jeder, der hier ankommt, wird natürlich erst einmal aufgenommen. Es sind Obdachlose oder von der Polizei aufgegriffene Personen, die keine Bleibe haben. Jugendliche dürfen wir hier allerdings nicht unterbringen,“ erzählt Alexandra Carius, Leiterin der Abteilung Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, Bereich Sicherheit und Ordnung.
In der Notunterkunft angelangt, wird durch die Mitarbeiter geprüft, ob Gelder beantragt werden können oder jemand „Selbstzahler“ ist, denn für die Kosten der Unterkunft mit Heizung und Strom müssen die „Nutzer“ selbst aufkommen. Bettwäsche wird zur Verfügung gestellt, und für die Ordnung sorgen die „Bewohner“ hier selbst. In einer kleinen Küche können sich die Schutzsuchenden dann versorgen.
„Streitigkeiten gibt es zwischendurch natürlich auch mal, denn hier treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, aber große Probleme hat noch nicht gegeben“, so Hausverwalter Peter Kopacz.
Zwei Frauen nutzen aktuell die Notschlafstelle an der Oestricher Straße und zwölf Männer sind in dem Haus an der Mendener Straße untergebracht - darunter auch Dauerbewohner. Um gerade diesen wieder ein geregeltes Leben durch einen festen Wohnsitz zu ermöglichen, plant die Diakonie in Kooperation mit dem Ordnungsamt und dem Jobcenter ein Projekt, das vielleicht noch in diesem Jahr startet und gezielt helfen soll, Menschen wieder einzugliedern. „Es ist eine schwierige Lebenslage, in der sich diese Menschen befinden. Es ist ein gesellschaftliches Problem, kein individuelles, und es ist die Struktur, die dazu führt“, erklärt Heidrun Schulz, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr in Iserlohn. Einige der Menschen, die dauerhaft Schutz in den Notschlafstellen suchen, hätten zum Teil unerkannte psychische Erkrankungen, die unter anderem ihre Lebenssituation mit sich gebracht habe. Heidrun Schulz: „Gemeinschaft ist bei ihnen ein großes Thema. Auch, wenn sie in den Unterkünften stets wechselnden Personen begegnen, mit denen sie sich zwangsläufig arrangieren müssen, haben sie dennoch eine Art Gemeinschaft hier, in der sie leben. In einer eigenen Wohnung sind sie alleine. Hinzu kommt die Verantwortung, die eine Wohnung und die eventuelle Beantragung der Gelder mit sich bringt. In den Notschlafstellen haben sie diese Verantwortung nicht. Die Probleme sind also sehr vielschichtig. Mit unserem Projekt, das jetzt noch in den Kinderschuhen steckt, möchten wir unterstützen.“
Aber es gibt auch diejenigen, für die die Notschlafstelle nur eine Zwischenstation ist und gleichzeitig der Start in ein neues Leben. So wie für den 20-Jährigen, der vor wenigen Tagen in dem Haus an der Mendener Straße Zuflucht gefunden hat.
Im Gespräch mit dem STADTSPIEGEL erzählt er hoffnungsvoll: „Ich bin aus der Haft entlassen worden und habe keine Wohnung mehr. Über das Internet habe ich von der Notschlafstelle erfahren. Das hilft mir sehr. Hier bleiben möchte ich natürlich nicht lange. Jetzt werde ich mir schnell Arbeit suchen und eine Wohnung, damit ich wieder neu anfangen kann.“
Wer in Not geraten ist und einen Schlafplatz sucht oder auf hilflose Menschen trifft, kann sich beim Ordnungsamt (rund um die Uhr unter Tel. 02371/2171620) melden.

Die Notschlafstellen in der Mendener Straße und Oestricher Straße in Iserlohn sind für viele der letzte Ausweg.
Autor:

Karola Schröter aus Hemer

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