Roter Stammtisch in Hünxe diskutierte über Klimaschutz
„Lebensrealität der Menschen im Blick haben“

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„Klimaschutz wird dann zur sozialen Frage, wenn er zulasten geringer Einkommen geht. Das darf nicht passieren“, begrüßt der Hünxer SPD-Chef Jan Scholte-Reh die rund 20 Teilnehmer des vierten Roten Stammtisches. Eigentlich seien sich alle einig: Der Menschen verursachte Klimawandel ist real und es muss etwas passieren. „Wer aber die moralische Keule schwingt, erfüllt dem eigentlich richtigen Anliegen einen Bärendienst. So manche Diskussion der letzten Wochen geht an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Deswegen müssen wir Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammendenken“, macht Scholte-Reh klar.

Hünxe ist gut aufgestellt

Als Referentin berichtet die gemeindliche Klimaschutzmanagerin Katharina Bardenheuer über bereits erfolgte Maßnahmen in Hünxe. So habe die Gemeinde alle Straßenlaternen mit LED ausgestattet. Jährlich nehme Hünxe an der Aktion „Stadtradeln“ teil. Zudem habe die Gemeinde Ladesäulen für E-Mobilität eingerichtet und E-Bikes für Rathausmitarbeiter angeschafft. Nicht zuletzt habe der Bau der Windräder und die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern kommunaler Liegenschaften die CO²-Bilanz der Gemeinde quasi neutralisiert. Darüber hinaus sei Hünxe Teil diverser Netzwerke, die den Bürgern z. B. eine kostenlose Energieberatung ermöglichen. Außerdem wolle die Gemeinde künftig die Installation von PV-Anlagen im privaten Bereich fördern.

„Bund und Land müssen mehr investieren“

SPD-Ratsfrau Waltraud Schilling lobte die Bemühungen, doch in Sachen Mobilität müsse die Gemeinde sowie der Kreis Wesel aktiver werden und Infrastrukturen mit Blick auf die Verkehrswende weiterentwickeln. Eine Teilnehmerin aus Hünxe quittiert: „Busse nach Dinslaken und Wesel fahren unregelmäßig und sind teuer. Natürlich nehme ich dann das Auto.“ Auch Scholte-Reh sieht darin eine Herausforderung: „Busfahren muss attraktiver werden, aber die Kommunen können das nicht stemmen. Bund und Land müssen mehr Geld in den ÖPNV und neue Mobilitätskonzepte investieren. Hier greifen öffentliche Daseinsvorsorge und Klimaschutz ineinander.“ Andernfalls werde Autofahren noch lange eine notwendige Realität im ländlichen Raum bleiben.

Für und Wider der CO²-Steuer

Und was sagt der Stammtisch zur CO²-Steuer? Einerseits hoffen manche, dass dadurch der CO²-Ausstoß reduziert werde, weil alternative Klima-schonende Güter, Dienstleistungen und Produktionsverfahren finanziell attraktiver werden. Zumal der Staat mit den Einnahmen den Ausbau eines wohlmöglich kostenlosen ÖPNV vorantreiben könnte. Andererseits besteht große Sorge vor Mehrbelastungen für Privathaushalte, da die neue Taxe durch die Unternehmen auf den Verbraucher umgelegt werden könnte: „Die SPD muss das Portmonee der ‚kleinen Leute‘ und ihre Lebensrealität im Blick haben. Bei einer CO²-Steuer denken die Menschen auf dem Land daran, ob das Autofahren zur Arbeit ins Ruhrgebiet demnächst teurer wird. Auch der hart ersparte Jahresurlaub mit dem Flieger darf nicht verteufelt werden.“ Ohne Ausgleich und Wegfall anderer Steuern dürfe die SPD das nicht zulassen.

Zum Ende der leidenschaftlichen Diskussion erklärte jeder Teilnehmer, wie er im eigenen Alltag zum Klimaschutz beitragen wolle. Innerorts mehr Rad fahren und Lebensmittel regional und saisonal einkaufen stand dabei ganz oben auf der Ranking-Liste. Man könne auch von Mineralwasser auf Leitungswasser umsteigen. Es sei nachhaltiger, Mineralwasser durch Leitungswasser zu ersetzen. Letzteres habe in der Regel die bessere Qualität und werde regelmäßig streng kontrolliert, so Bardenheuer. Trotz aller Kontroversen über den richtigen Weg brachte es Fitti Hoffmann auf den Punkt: „Wir müssen handeln.“

Autor:

Jan Scholte-Reh aus Hünxe

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