Musik-Literaten seit 30 Jahren auf Tour

Das Jugendfoto wurde 1995 aufgenommen | Foto: privat
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Unsere Mitarbeiterin Hilde Goor-Schotten hat sich ausführlich mit Werner Geck und Peter Bochynek über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukunftspläne unterhalten.

„Nehm‘n Se ‘n Alten!“ Mit dem Lied kriegen Peter Bochynek und Werner Geck jedes Publikum, immer. Nicht zuletzt deshalb ist der Klassiker von Otto Reutter bei fast jedem Auftritt des literarisch-musikalischen Kabarett-Duos dabei. Und wenn Peter Bochynek und Werner Geck ihr Lieblingsstück nicht spielen, fragt garantiert das Publikum danach. Das ist den beiden treu, schon seit vielen Jahren.
„Wir arbeiten jetzt ziemlich genau 30 Jahre zusammen“, rechnen sie zurück. Im März 1981 war der erste Auftritt, vorher standen Proben an.
Wer die beiden erlebt, wie sie perfekt harmonieren und sich „blind“ die literarisch-musikalischen Bälle zuspielen, könnte meinen, dass sie sich gesucht und gefunden haben. Zuammengebracht hat sie damals aber die mittlerweile verstorbene Inge-Rose Herzig für „Das Wort beim Wort genommen und musikalisch reflektiert“ im Studio des Parktheaters - der Anfang einer wunderbaren Bühnen-Freundschaft.
Der ehemalige Schauspielschüler und Deutschlehrer Peter Bochynek mochte die Texte von Kurt Tucholsky und Erich Kästner. Der leitende Polizeibeamte Werner Geck schätzte als Jazz-Pianist die zeitlich passende Musik aus den 1920er und 1930er Jahren. „Warum verbinden wir das nicht und bringen zu zweit was auf die Bühne“, war die Überlegung. „Wir wollten Musik und Literatur nicht einfach nebeneinanderstellen, sondern verklammern und auf-
einander abstimmen“, erinnert sich Werner Geck. Nicht vordergründig politisch, sondern in erster Linie menschelnd, so beschreibt Peter Bochynek ihr Programm. „Es soll Pfiff haben, aber keine Comedy sein. Es soll nicht belehren, aber ein bestimmtes Niveau haben. Und dabei leicht und unterhaltsam serviert werden“ - der Anspruch ist hoch. Wie die Zahl der erfolgreichen Auftritte weit über Iserlohn hinaus zeigen (immer wieder auch mit Gecks Trio), wird er aber erfüllt..
Zwei Programme sind in den vergangenen Jahren perfektioniert worden, bei denen jedes Wort und jede Geste sitzt. Ein Wilhelm-Busch-Abend, entstanden zum 100.Todestag des humoristischen Dichters, und ein Kästner-Ellington-Programm. Viele Parallelen zwischen Dichter und Jazzmusiker haben Bochynek und Geck bei ihnen entdeckt. „Sie sind im selben Jahr geboren und gestorben“, so Geck, und schmunzelt mit Bochynek: „Sie hatten beide ein lockeres Verhältnis zu Frauen und ein sehr enges zu ihrer Mutter.“
Die anderen Programme sind flexibel. Eine Stärke des Duos ist es, sie dem jeweiligen Auftrittsort und -anlass anzupassen. „Am Niederrhein taucht dann eben der Ort auf. Zur Ausstellungseröffnung wird etwas zur Kunst vorgetragen“, meint Bochynek: „Wir versuchen immer, unsere Ideen thematisch zu bündeln.“ Beim Schöpfen aus dem Fundus ergänzen sie sich perfekt. Der eine kennt sich in der Musik gut aus, der andere in der Literatur. Hinter dem locker-leichten Auftritt auf der Bühne verbirgt sich jedoch harte Arbeit. Werner Geck ist viel zu sehr Musiker, um sich mit dem einfachen Nachspielen zu begnügen. „Er entwickelt eine eigene auf den Text bezogene musikalische Linie“, erkennt sein Partner an. Nichts wird da einfach aneinandergereiht. „So ein Programm braucht eine Dramaturgie“, sind beide überzeugt. Wenn die Zuhörer bei der „Sachlichen Romanze“, ebenfalls ein Lieblingsstück, mucksmäuschenstill werden, dann müsse man sie anschließend auch wieder aus der Melancholie herausholen.
Daran wird gefeilt - in der Regel einmal wöchentlich. „Vormittags dauern die Proben zwei bis drei Stunden, abends auch schon mal länger“, erzählt Werner Geck und grinst: „Das hängt von der Qualität des Weins ab.“ Das sei manchmal lustiger als die Aufführung, wenn sie sich bei einem Glas Roten die Bälle zuspielen, vergnügt neue Texte zitieren, die passende Mimik probieren, die Wirkung der Musik ausloten - aber auch um einzelne Worte und Zeilen feilschen.
So ist auch das neueste Anti-Aging-Projekt entstanden. „Wir haben gemerkt, dass die Geburtstage, bei denen wir auftreten, immer höher werden. Das Programm wächst mit uns und dem Publikum“, so Geck. Folgerichtig wird im Februar „Hauptsache nicht alt“ uraufgeführt. Einfach war es nicht, zu dem Thema etwas Satirisch-Heiteres mit Niveau zu finden, berichtet Bochynek. Viel leichter sei das beim Friedhofsprogramm gewesen. Für „Bevor du sterbst“ habe man tolle Texte gefunden. Da gebe es so viel Skurriles. „Und die Leute waren begeistert.“ Leider würden sich Veranstalter nicht so recht an das Thema herantrauen, bedauern die beiden die relativ seltenen Aufführungen.
Das Anti-Aging-Programm läuft da sicher besser. „Erste Termine haben wir sogar für 2012. Wenn das nicht mehr klappt, muss das Friedhofsprogramm ran“, schmunzelt Geck mit dem Schuss Selbstironie, der auch das neue Programm verfeinert. Noch wird dran gearbeitet - es reift. Auf jeden Fall dabei sein wird aber „Nehm‘n Se`n Alten!“ Und das ist - die beiden mögen das „alt“ verzeihen - auch in Sachen literarisch-musikalisches Kabarett nicht die schlechteste Empfehlung.

Das Jugendfoto wurde 1995 aufgenommen | Foto: privat
Werner Geck und Peter Bochynek (r.). | Foto: Hilde Goor-Schotten
Autor:

Rainer Tüttelmann aus Iserlohn

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