Wenn das Schicksal zuschlägt

Milan, 11, Benjamin, 11, und Elias, 11, sind allerbeste Freunde. Wenn sie im Garten toben, im Zelt übernachten und auf dem großen Trampolin waghalsige Sprünge sehen lassen, ist für die Kinder die Welt in Ordnung.

Dass Ausgelassensein, sich mit Freunden treffen, unbeschwertes Spielen nicht immer selbstverständlich sind - das wissen die drei Jungen. Allen voran Milan. Sein Papa ist sehr krank. Und das schon sehr lange.
Früher, daran kann Milan sich noch erinnern. Als er noch mit dem Papa spielen konnte, als die Welt noch in Ordnung war. „Wir hatten ein sehr schönes Familienleben“, erzählt die Mama, Sabine Brettmann. Bis zu dem Tag, an dem Horst Brettmann einen Schlaganfall bekam. Von dem sollte er sich nicht mehr erholen.

Sein Bett steht im Wohnzimmer in Rindern. Hier wird er versorgt, rund um die Uhr ist ein Pflegedienst im Haus. Rund um die Uhr steht Sabine Brettmann ihrem Mann zur Seite. „Ich weiß, dass er Vieles mitbekommt. Manchmal gibt es Signale, die ich verstehen und deuten kann“, sagt Ehefrau Sabine. Vor etwas mehr als zwei Jahren hat Sabine Brettmann ihren Mann nach Hause geholt. Trotz der Diagnose „Wachkoma“, trotz der rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Ich hatte das Gefühl, dass er hier gut aufgehoben ist - auch wenn mir von den Klinik-Pflegekräften die notwendige Kompetenz zur Pflege meines Mannes abgesprochen wurde.“

Für Milan, einen äußerst aufgeweckten Jungen, waren die vergangenen Jahre nicht einfach. Auch wenn die Mama alles für Milan tat. „Wir konnten nicht wegfahren, wir können immer noch nicht wegfahren. Einmal gemeinsam schwimmen gehen, mal einen Tag gemeinsam etwas unternehmen, das sind kleine Wünsche, die sich aber nicht einfach realisieren lassen“, so Sabine Brettmann.

Wer Milan im Garten der Familie spielen und toben sieht, erlebt einen unbeschwerten Jungen. Schachspielen ist eines seiner Hobbys, schwimmen geht er mit den Familien seiner Freunde. Mathe macht ihm Spaß und zur Schule geht er auch ganz gerne - die Noten sind prima. Seine Lieblingssendung? „Wissen macht Ah“. Gar zu gerne hätte er einmal hinter die Kulissen geblickt, mit den Moderatoren gesprochen und sich alles, was zu einer solchen Fernsehsendung gehört, erklären lassen. Da kam Reinhold Kohls ins Spiel - und der Verein „Herzenswunsch“.

„Wir haben von Milan und seiner Familie gehört - haben überlegt, dass es doch möglich sein müsste, nach Köln zum WDR zu fahren - um dort die Aufzeichnung einer solchen Sendung mitzuerleben“, so Reinhold Kohls. Der niedergelassene Arzt aus Bedburg-Hau hat vor einigen Jahren mit anderen Menschen zusammen den Verein „Herzenswunsch“ gegründet, um Kranken und deren Familienangehörigen innige Wünsche zu erfüllen.

Da hat er bei Milan genau ins Schwarze getroffen. „Es war super“, erzählt der 11-Jährige, unterstützt von seinen Freunden. Die durften auch mit nach Köln. Dass dabei das ein oder andere Malheur passierte, soll hier nicht weiter ausgebreitet werden. Dass der Tag für Milan ein wunderbarer war, das macht nicht nur ihn, sondern auch die Mama vergnügt. Sie konnte leider nicht mit dabei sein. Milan und seine Freunde haben das Studio inspiziert, haben fachmännisch Fragen beantwortet - und werden, wenn die Sendung ausgestrahlt wird, auf dem Bildschirm zu sehen sein.

Im großen, grünen Zelt im Garten stecken die Sommerferien. Das Zelt kommt auch vom Verein „Herzenswunsch“ - und auch wenn der Campingplatz jetzt im eigenen Garten steht, können Milan und seine Freunde hier doch das ein oder andere Abenteuer erleben.

Sabine Brettmann ist ganz zufrieden. Ihr Mann ist Zuhause, wird hier versorgt. Er gehöre in die Familie, hier solle er auch leben. Dass das ohne Hilfe nicht möglich gewesen wäre, weiß Sabine Brettmann. Sie dankt vor allem Dr. Pelzer aus Rindern, der in den ersten Wochen immer - rund um die Uhr - mit Rat und Tat zur Seite stand; Gemeinsam statt Einsam, dem Verein, dessen Mitglieder unterstützten, aber auch der Hospizgruppe, allen voran Maria Reinders.

Herzenswünsche erfüllt der Verein „Herzenswunsch“. Kontakt gibt es per Email: kohls.bedburg-hau@gmx.de, oder unter Telefon 02821/1 34 55, oder 02821/6 92 79.

Autor:

Annette Henseler aus Kleve

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