Arbeiten in der Dominikanischen Republik - der 1. Monat

Wozu kann dieses Wasser verwendet werden? Meine Mitfreiwillige und ich bei der Arbeit.
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  • Wozu kann dieses Wasser verwendet werden? Meine Mitfreiwillige und ich bei der Arbeit.
  • hochgeladen von Sandra Bolesch

Ein guter Monat ist bereits vergangen, seitdem ich Deutschland verlassen habe. Seitdem lebe ich im Herzen der Dominikanischen Republik, fernab von Strand und Meer, im kleinen Städtchen Jarabacoa.

In dieser Zeit ist viel passiert, vor allem auf der Arbeit. Daher gibt es nun einen ersten Zwischenbericht. An unserem 1. Arbeitstag wurden meine Mitfreiwillige und ich sehr herzlich in Empfang genommen. Es gab eine kleine Vorstellungsrunde und alle waren hoch erfreut darüber, dass wir uns schon ein bisschen auf Spanisch verständigen konnten – wenn auch nur mit auswendig gelernten Texten.

Mein Arbeitgeber Plan Yaque Inc. ist eine nicht-staatliche Organisation und im Bereich Umwelt- und Gewässerschutz aktiv. Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen sind wir insgesamt 12 Mitarbeiter. Das Bürogebäude von Plan Yaque Inc. befindet sich direkt über dem dominikanischen Umweltministerium und besteht beinah komplett aus Holz.

Während uns beim Vorbereitungsseminar in Deutschland immer wieder gesagt wurde, wir sollten uns in den ersten Wochen in Entspannung üben, Vokabelhefte mitnehmen und selbst beschäftigen, haben wir hier eine vollkommen gegenteilige Erfahrung gemacht. Direkt nach der Vorstellungsrunde gab’s die ersten Aufgaben. Eines der ersten Worte, die wir hier lernten, war trabajador, was so viel bedeutet wie arbeitsam oder fleißig.
Was sind nun also meine Aufgabenfelder? Mit welchen Themen beschäftige ich mich? Im Anschluss werde ich drei meiner Aufgabenfelder vorstellen.

  1. Dokumentation der Wasserqualität
  2. Daten zu Land & Leuten verarbeiten
  3. Projekt Müllvermeidung

Dokumentation der Wasserqualität

Wie der Name von Plan Yaque Inc. schon verrät, dreht sich hier beinah alles um den Río Yaque, den längsten Fluss des Landes. Über eine Million Menschen beziehen täglich Wasser aus dem Río Yaque und seinen Ausläufern, was eine regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität so wichtig macht. Nachdem Vanessa und ich die ersten Wochen damit verbracht haben, die Daten der letzten Jahre bzgl. der Wasserqualität zu digitalisieren, sprich, in eine Excel-Tabelle einzutragen, hatten wir wenig später das erste Mal die Gelegenheit, bei den Erhebungen dabei zu sein. Zuerst wurden uns die einzelnen Geräte erklärt: Das eine misst den Sauerstoffgehalt des Wassers, ein anderes die Durchflussgeschwindigkeit, ein weiteres den Trübheitsgrad.

Bei der Fahrt in den Nachbarort Manabao hat man das Gefühl, mit jeder Kurve und jeder sich aufwärts-schlängelnden Serpentine dem gut versteckten Herz des Landes ein Stück näher zu kommen. Die Straßen werden schlechter, die Schlaglöcher tiefer, die Luft besser, der Wald dichter. Schließlich biegen wir rechts ab in einen kleinen, ungeteerten Weg. Dort wird das Equipment ausgebreitet und schon steht unser Kollege mit beiden Beinen im Bach. Er misst die Wasserwerte und ruft uns auf Spanisch die Resultate zu. Vanessa und ich schreiben fleißig mit und führen diverse Rechnungen durch. Auch diese Daten werden wir später in unser System einpflegen, um dann zu vergleichen, wie sich die Wasserqualität in den letzten Jahren verändert hat.

Daten zu Land & Leuten verarbeiten

Bei einer weiteren Excel-Tabelle, an der wir momentan arbeiten, geht es um Land & Leute, d.h.: Wie sind die Lebensbedingungen in den einzelnen Gemeinden? Gut, durchschnittlich oder schlecht? Was sind die Leute von Beruf? Wie viel Land besitzen sie – besitzen sie überhaupt Land? Wenn ja: Was bauen sie an – Bananen, Kaffee, Erdbeeren? Das ganze Jahr über oder nur zu bestimmten Jahreszeiten? Wenn ich mich recht entsinne, werden die Daten u.a. dazu benötigt abzugleichen, wie sich die Bewirtschaftung des Landes auf die Wasserqualität der umliegenden Flussarme auswirkt. Ich finde das alles sehr interessant und bin gespannt auf die Resultate.

Projekt Müllvermeidung

Das Thema, mit dem ich mich während meiner Zeit in der Dominikanischen Republik wohl am intensivsten auseinander setzen werde, ist das Thema Müll. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie hierzulande der Müll entsorgt wird, sind unsere Kollegen mit uns schon relativ früh auf eine offizielle Müllhalde gefahren. Zunächst ging es wieder den idyllischen Weg nach Manabao über Stock und Stein hinauf, dann in ein kleines Dörfchen mit grünen Wiesen und freilaufenden Kühen, dann einen äußerst schmalen, enorm unebenen und extrem steilen Feldweg hinauf und dann waren wir plötzlich mittendrin. Wie eine Art Vorhut lag ein fehl-am-Platz-wirkender, zerrissener Müllbeutel am Wegesrand – dann noch einer, dann zwei weitere und dann war auf einmal alles voll. Inklusive tausend verschiedener übel riechende Düfte. Das ist sie also, dachte ich, die Müllhalde von Manabao. Ein Meer aus Müll. Unsortiert. Einige Teile waren schon halb verrottet, aber der Großteil würde wohl niemals vollständig verrotten: CDs, Plastikflaschen, Schuhe, Regenschirme, Porzellan-Teller, Eierkartons, Plastiktüten, Konservendosen, Verpackungen von Tabletten, Stoffbeutel, Plastikbesteck, Decken, Dosen mit Farbresten, Handtaschen, Tetrapacks, Glasflaschen, Gartenstühle… Mittendrin sehe ich einen kleinen Hund, der nach Futter für seinen Welpen sucht.

Auf einen derartigen Szenerie-Wechsel war ich nicht vorbereitet - von luftigen Berglandschaften und saftig-grünen Weiden zu diesem todesstillen, friedhofartigem Ort. Jedenfalls wusste ich inmitten meines Schocks dann wieder zu 100% warum ich hier bin. Nicht etwa, um mir ein laues Jahr in der Karibik zu machen, sondern um etwas zu ändern. Um den Umgang mit Müll zu ändern. Und zwar auf eine nachhaltige, funktionierende Weise, die von der Bevölkerung akzeptiert und gelebt wird.

Es wird kein leichter Weg, aber das war von Anfang an klar. Umso glücklicher bin ich, Teil eines erfahrenen, engagierten Teams zu sein, dem Umweltschutz nicht gleichgültig ist. Zudem ist Plan Yaque Inc. gut vernetzt und kooperiert mit zahlreichen Gemeinden, Schulen und anderen nicht-staatlichen Organisationen.

Insgesamt bin ich nach diesem ersten Monat motiviert und optimistisch gestimmt, hier etwas bewirken zu können und werde zeitnah über weitere Entwicklungen berichten.

All diejenigen, die einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst (wie den meinen) für eine sinnvolle Sache halten, haben die Möglichkeit, das Austauschprogramm meines Vereins Ecoselva e.V. mit einer beliebig hohen Spende zu unterstützen und somit am Leben zu halten. Oder ihr bewerbt euch direkt selber für ein freiwilliges ökologisches Jahr, lernt eine neue Kultur kennen und macht die Welt ein bisschen besser. Ecoselva e.V. bietet jedes Jahr Programme in der Dominikanischen Republik, Peru und Indien an. Weitere Infos findet ihr auf www.ecoselva-verein.de, weitere Fotos und Berichte auf meinem Blog www.aufundnachdom.wordpress.com

Spendenkonto:
Kontoinhaber: Ecoselva e.V.
Bank: Raiffeisenbank Sankt Augustin eG
IBAN: DE47 3706 9707 1003 8250 15
BIC: GENODED1SAM
Stichwort: weltwärts, Sandra Bolesch

Autor:

Sandra Bolesch aus Menden (Sauerland)

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