Stücke 2019 – 44. Mülheimer Theatertage
Die besten deutschsprachigen Theateruraufführungen kommen in die Stadthalle

Bettina Milz (v.l.), Werner Mink, Stefan Reuter und Stefanie Steinberg gaben auf der Pressekonferenz am 14. Februar die Nominierungen für die Stücke 2019 bekannt.
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  • Bettina Milz (v.l.), Werner Mink, Stefan Reuter und Stefanie Steinberg gaben auf der Pressekonferenz am 14. Februar die Nominierungen für die Stücke 2019 bekannt.
  • Foto: PR-Fotografie Köhring/SC
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Seit 1976 blickt die deutschsprachige Theaterszene jedes Jahr im Mai nach Mülheim. Im Rahmen der Mülheimer Theatertage NRW werden die von einer Jury erwählten acht bedeutendsten Uraufführungen des Jahres gezeigt. Vom 11. bis 30. Mai ist es wieder so weit. Am Ende der Theatertage vergibt eine Jury den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis für den besten Autoren.

Von Andrea Rosenthal

In dieser Woche verkündete das Auswahlgremium der Stücke im Theater an der Ruhr die diesjährigen Nominierungen. 126 Uraufführungen wurden bis zum 9. Februar gesichtet bis die acht Aufführungen feststanden, die nun in Mülheim zu sehen sind. Stefan Reuter, der Sprecher des Auswahlgremiums für die Stücke 19, gab die eingeladenen Autoren, die überwiegend politisch inspirierte Werke verfasst haben, bekannt.

In erster Linie handelte es sich um bereits bekannte Namen, denn mit der Autorin Enis Maci ist nur eine echte Mülheim-Debütantin darunter. Ihr Stück „Mitwisser“ wird in einer Version des Schauspielhauses Wien gezeigt. Enis Maci thematisiert darin echte Kriminalfälle wie einen Amoklauf in den USA, den Rachefeldzug einer Vergewaltigten in der Türkei oder die Verurteilung eines IS-Sympatisanten in Düsseldorf. Die Verrohung der westlichen Gesellschaft und das Verhalten der Mitläufer und Mitwisser stehen im Zentrum der Aufführung..

Simon Stone war bereits im Vorjahr mit „Hotel Strindberg“ für den Dramatikerpreis vorgeschlagen, doch das Stück konnte wegen des großen technischen Aufwandes in Mülheim nicht gezeigt werden und fiel deshalb aus der Wertung. Diesmal wurde sein Werk „Eine griechische Tragödie“ in einer Aufführung des Berliner Ensembles nominiert. Von insgesamt sechs Frauen und sechs Männern erzählt Simon Stone, deren Lebenswege sich kreuzen und oft aus hässlichste Weise verbinden. Es geht um Geltungssucht, Gewalt und Abwehr – einen Krieg der Geschlechter, den niemand unbeschadet übersteht.

Thomas Köck gewann im letzten Jahr mit „paradies spielen“ den Mülheimer Dramatikerpreis. Diesmal ist er mit „atlas“ in einer Fassung des Schauspiels Leipzig dabei. Es geht um Fremdenfeindlichkeit in Deutschland vor der Wiedervereinigung. Eine Mutter verliert auf der Flucht aus Saigon ihre Tochter und überlebt nur knapp den Exodus der Boat People. Die Tochter gerät als Vertragsarbeiterin in die DDR, verliebt sich in einen Deutschen, wird schwanger und muss sich vor der drohenden Abschiebung verstecken. 50 Jahre später macht sich die Enkelin mit einem vergilbten Foto auf die Suche nach der Oma und ihren Wurzeln. Anhand des Einzelschicksals geht es vor allem um politische Entscheidungen und ihre Folgen.

Konstantin Küspert gewann 2017 den Publikumspreis der Stücke für „europa verteidigen“. Diesmal zeigt das ETA Hoffmann Theater Bamberg sein Stück „Der Westen“. Konstantin Küspers betrachtet darin die politische Ordnung im Westen, besonders ihre historischen und aktuellen Fehler und Bruchstellen.

Auch Sibylle Berg war als Autorin schon mehrfach für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. In diesem Jahr wird in der Stadthalle „Wonderland Avenue“ in einer Aufführung des Schauspiels Köln zu sehen sein. Darin beschäftigt Sibylle Berg sich mit der Vorstellung einer künstlichen Intelligenz, die nur ein paar Restexemplare der Gattung Mensch betreut und nicht eben sanft mit ihnen umspringt.

Wolfram Höll konnte 2014 den Mülheimer Dramatikerpreis für „Und dann“ entgegennehmen. Das Schauspiel Leipzig wird diesmal sein Werk „Disko“ auf die Bühne bringen. Im Bild einer Disko, der Türsteher und der Feierwilligen, die Einlass begehren, erzählt der Autor vom aktuellen Flüchtlingsstrom nach Europa und wie er die Gesellschaft aufspaltet.

Clemens J. Setz, der im Vorjahr das Stücke-Publikum mit „Vereinte Nationen“ begeisterte, ist nun mit „Die Abweichungen“ in einer Version des Schauspiels Stuttgart vertreten. Eine Putzfrau hat sich umgebracht, in ihrem Nachlass findet man kunstvolle Modelle der Wohnungen ihrer Kunden. Diese sind so gut, dass sie den Weg in eine Ausstellung finden. Zum Publikum der Vernissage gehören auch die Wohnungsinhaber, die in den detailgetreuen Nachbildungen jeweils winzige Abweichungen finden, die ein Gesellschaftsexperiment in Gang setzen.

Ein Name scheint fest mit den Stücken in Mülheim verbunden zu sein: Elfriede Jelinek kann sich über die 20. Nominierung freuen. Das Schauspiel Köln zeigt „Schnee Weiss – Die Erfindung einer alten Leier“. Darin greift Jelinek die #MeToo-Debatte auf. Es geht um systematische sexuelle Übergriffe in einem österreichischen Skiort, um Moralvorstellungen und Geschlechterklischees. Wie Stefan Reuter, der Sprecher des Auswahlgremiums“ kurz zusammenfasste: „Es geht ums Leben, das eben kein Ferienidyll ist, sondern meistens nur ein Bänderriss.“

Zu den acht Stücken gibt es wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm. Bekannt sind die Blogger und die Übersetzerwerkstatt, die diesmal auch für das Publikum offene Sitzungen hat. Neu ist eine Kooperation mit den Hochschulen Duisburg-Essen, Bochum, Dortmund und Paderborn. Einige der Studenten beschäftigen sich mit einzelnen Stücken und erarbeiten dazu Performances, die im Rahmenprogramm gezeigt werden. Außerdem werden vom 13. bis 17. Mai zum zehnten Mal die KinderStücke gezeigt.

Das Team um Festivalleiterin Stefanie Steinberg tritt nun in die Planungsphase, um die Aufführungen zu terminieren. Zum Abschluss der Stücke am 30. Mai wird auf der offenen Jurysitzung der Gewinner des diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreises verkündet.

Der Kartenvorverkauf beginnt vorraussichtlich am 14. März. Die Karten kosten zwischen 24 und 37 Euro. Für Schüler, Studenten, Schwerbehinderte und Mülheimpass-Inhaber gibt es Ermäßigungen von 40 Prozent.

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