Der Nächste, bitte! Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Heute: Grauer Star.

Spezialbrillen, die verschiedene Augenerkrankungen simulieren.
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  • Spezialbrillen, die verschiedene Augenerkrankungen simulieren.
  • Foto: Walter Schernstein
  • hochgeladen von Regina Tempel

Mehmet Z. kneift die Augen zusammen. Er hat seine Enkelin von einer Feier abgeholt und die entgegenkommenden Autos blenden ihn in der Dämmerung mit ihren Scheinwerfern. Es ist nicht das erste Mal, dass der 68-Jährige sich über seine Augen ärgert. Er hat das Gefühl, er sieht schon seit Monaten schlechter. „Alles ist Grau in Grau und irgendwie vernebelt“, beschreibt er es seiner Enkelin.

Typische Symptome für einen Katarakt, auch Grauer Star genannt. „Es ist eine schleichende Entwicklung, die sehr häufig bei älteren Menschen auftritt“, sagt Prof. Dr. Efdal Yörük, Chefarzt der Augenklinik Mülheim am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM). Der Graue Star ist eine Alterserscheinung, bei der sich die Linse eintrübt.

„Im Alter wächst die Linse und wird dicker“, sagt Prof. Yörük. Es komme zu Ablagerungen. Dadurch werde die Linse unflexibler und trübe sich. Die Sehkraft der Betroffenen verringert sich schleichend, manchmal über Jahre, ohne dass sie es merken. Medikamente, die diese Eintrübung aufhalten, gibt es nicht.

Individuelle Entscheidungen

Mehmet Z. geht zu seinem Augenarzt, weil er denkt, er braucht eine neue Brille. Der Arzt stellt bei seiner Untersuchung fest, dass sein Patient am Grauen Star leidet. Ist der Graue Star schon weit fortgeschritten, ist die Eintrübung der Linse mit bloßem Auge sichtbar. Bei Mehmet Z. ist das aber nicht der Fall, der Arzt nutzt ein Mikroskop, um die Erkrankung zu erkennen.

„Solange die Betroffenen gut mit der Einschränkung der Sehkraft zurechtkommen, muss nicht operiert werden“, sagt Prof. Yörük. Es gebe keine Grenzwerte, wann eine OP stattfinden muss. „Das hängt ganz individuell von den Patienten ab. Wenn es sie stört, dann sprechen wir über einen Eingriff.“

Mehmet Z. entscheidet sich dafür – er fährt oft und gerne Auto und möchte das gefahrlos weiter tun. Der Eingriff erfolgt ambulant mit einer lokalen Betäubung des Auges. Die Ärzte entfernen die getrübte Linse und setzen eine neue aus Acryl oder Silikon ein. Der Eingriff dauert 15 Minuten, die neue Linse hält lebenslang. „Dieser Eingriff hat eine sehr große Erfolgsquote und eine sehr geringe Komplikationsrate“, sagt Prof. Yörük. „Auch ältere Menschen können wir so gut behandeln. Es ist kein Problem, wenn sie zum Beispiel Blutverdünner nehmen müssen.“ In seiner Augenklinik führt das Team mehrere Tausend Eingriffe im Jahr durch.

Der Nebel lichtet sich

Mehmet Z. wird nach dem Eingriff von seiner Frau nach Hause begleitet. Am Tag nach der Operation und in den ersten Nächten muss er eine Augenklappe tragen. Er erhält Tropfen gegen Entzündungen und soll sich zwei bis drei Wochen schonen. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen. „Die Patienten verspüren sofort eine Verbesserung“, sagt Prof. Yörük.
Vier Wochen nach dem ersten Auge wird auch das zweite Auge von Mehmet Z. behandelt. „In Regel betrifft der Graue Star beide Augen“, sagt Prof. Yörük.

Spezialbrillen, die verschiedene Augenerkrankungen simulieren.
Prof. Dr. Efdal Yörük

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