Rettungssanitäter der Johanniter: Helfer mit Herz

Einsatz bei Oberhausen Ole. Foto: privat
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Der eine hat eine Schnittwunde, der andere etwas zu tief ins Glas geschaut: Bei der "Ruhr in Love" kommt es immer mal zu kleineren Verletzungen, damit die Besucher bestens versorgt sind, sind sie da: Die Johanniter.

Meist behandeln die Rettungsassistenten von den Johannitern ihre Patienten in einem sterilen, sauberen Rettungswagen. Nicht so bei Ruhr in Love: Matschiger Boden, auf dem ein Zelt steht in dem vier oder fünf Patienten gleichzeitig behandelt werden – das ist hier Routine und macht auch die besondere Atmosphäre aus, so Daniel Stolz, Rettungsassistent: „Das ist ein ganz anderes Arbeiten hier.“
uhr in Love ist für das Team der Johanniter der größte Einsatz im Jahr. 120 Leute waren im Einsatz, um für die knapp 45.000 Personen zu sorgen: „Insgesamt hatten wir nur 160 Behandlungen, davon mussten circa 50 Patienten das Festival liegend verlassen“, so Arndt Jankowski, Fachbereichsleiter Einsatzdienste. Oftmals seien es auch ganz lapidare Dinge, die die Besucher zu einem Besuch bei den Johannitern bringen: „Manch einer hat einfach vergessen, seine Tabletten zu nehmen“, berichtet Jankowski.
Die Teams arbeiten ehrenamtlich, allerdings arbeitet ein Großteil der ehrenamtlichen Helfer auch im Hauptdienst im Sanitätsdienst. Das komme vor allen bei etwas dramatischeren Einsätzen den Patienten zu Gute: „Da für viele Ehrenamtler die Arbeit Routine ist, können sie schnell und gewissenhaft reagieren. Vor gut acht Wochen wurde ein Team bei einer Veranstaltung in der Arena nach draußen gerufen, weil dort eine Frau zusammen gebrochen war. Die Frau war klinisch tot und das Team hat sie mittels Reanimationen zurückgeholt. Dafür braucht man Leute, die routiniert und ruhig arbeiten“, so Jankowski.
Viele ehrenamtliche Helfer kommen über ein FSJ oder BFD zu den Johannitern: „Man kann während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in viele verschiedene Bereiche reinschnuppern und 70 Prozent der FSJ’ler hängen sogar noch ein halbes Jahr dran und bleiben uns danach als Ehrenamtler erhalten“, berichtet Jankowski. Natürlich gäbe es auch Situationen, die länger im Gedächtnis bleiben. So zum Beispiel der Einsatz bei der Love Parade 2010: „Wir gehen bei der Planung bei solch einem Großevent immer vom Schlimmsten aus – aber bei der Veranstaltung haben wir damals direkt gesagt, dass das schief gehen muss“, so Jankowski.

Gespräche helfen

Er sollte Recht behalten. Trotzdem ist das kein Trost für den Rettungsassistenten: „Wenn da ein Bus mit 50 Leuten in Decken gewickelt kommt, ist man schon schockiert. Solche Ausmaße kennt man so nicht. Am Schlimmsten war es aber in die Augen der anderen Kollegen zu gucken, die sonst lustig drauf sind und dann nur noch totale Leere zu sehen.“ Nach so einem Erlebnis stehe natürlich auch jedem frei, erst einmal frei zu nehmen. Aber auch Gespräche im Team helfen.
Stolz war damals auch dabei – und ist es geblieben: Vom Schulsanitätsdienst, über den er zu den Johannitern gekommen ist, bis aktuell. Mittlerweile arbeitet er Hauptberuflich bei der Feuerwehr, ist aber in seiner Freizeit dennoch für die Johanniter unterwegs: „Man lernt hier fürs Leben, da muss man einfach mit dem Herzen dabei sein.“

(von SARAH DICKEL)

Autor:

Klaus Bednarz aus Dinslaken

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