BürgerReporter des Monats Dezember: Helmut Feldhaus

Helmut vor der amerikanisch-mexikanischen Grenze (Landkarte): "Und da soll eine Mauer hin?! Denk ich an Donald in der Nacht, werd´ ich um den Schlaf gebracht."
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  • Helmut vor der amerikanisch-mexikanischen Grenze (Landkarte): "Und da soll eine Mauer hin?! Denk ich an Donald in der Nacht, werd´ ich um den Schlaf gebracht."
  • Foto: Lukas Schultheis
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Als ehemaliger Duisburger hat er von 2012 bis bis 2016 die politischen Entwicklungen seiner damaligen Heimatstadt genau beobachtet und kommentiert, seit Anfang dieses Jahres lebt er mit seiner Frau in Rheinberg. BürgerReporter Helmut Feldhaus hat in den vier Jahren seiner Lokalkompass-Mitgliedschaft stets seine Beobachtungsgabe und Diskussionsfreude unter Beweis gestellt. 250 Beiträge und knapp 3.000 Kommentare später ist er unser BürgerReporter des Monats Dezember.

1. Du hast die Wahl zum BürgerReporter des Monats angenommen – allerdings stellvertretend und nicht für dich allein, wie du betont hast. Könntest du das ausführen?
Die Wahl oder Ernennung zum BürgerReporter des Monats ist wohl als ideeller Preis, als Auszeichnung zu verstehen. Mit Auszeichnungen, die eine Anerkennung darstellen und ebenso anspornen sollen, befinde ich mich aber in einem zwiespältigen Verhältnis. Klar, der Ausgezeichnete freut sich – ich auch zugegebenermaßen, zugleich ist es jedoch eine Nichtauszeichnung anderer, die es vielleicht genauso verdient hätten. Und was mich persönlich angeht: Ich bin zu alt, um einer Anerkennung hinterherzujagen. Die für mich relevante Resonanz meines Tuns liegt in mir selbst. Das reicht mir völlig. Dennoch habe ich die Wahl zum Bürgerreporter des Monats angenommen, weil ich die Gelegenheit sehe, die damit verbundene Anerkennung an all diejenigen BürgerReporter weiterzugeben, die sich durch interessante Beiträge, aber besonders durch Diskussionsfreude auf sachlicher Ebene hervorgetan haben. Dabei ist das völlig unabhängig davon, ob diese Menschen meine Ansichten teilen oder sich mit mir fetzen. Einige dieser Menschen haben sich im Lokalkompass leider rar gemacht, andere haben dem Portal nolens volens den Rücken gekehrt. All diejenigen, denen ich "meine" Auszeichnung widme, kann und will ich namentlich nicht nennen. Wen ich jedenfalls überhaupt nicht meine, sind diejenigen, die meinen, anderen auf beleidigende Art und Weise ins Gesicht springen zu müssen.

2. Mit deinen Beiträgen lädst du häufig zu Diskussionen zum tagespolitischen Geschehen und anderen gesellschaftlichen Debatten ein. Was erhoffst du dir davon?
Ich erhoffe mir eine lebhafte, sachlich geführte Diskussion, an der möglichst viele Menschen teilnehmen. Es geht mir nicht um ausgefeilte, eloquente Kommentare, sondern um eine klassenlose Teilhabe am Diskussionsprozess, zu der ich jeden Lokalkompass-User ermuntere. So etwas nennt man wohl Meinungsbildung. Nur Recht haben zu wollen ist da ein schlechter Ratgeber. Meine Beiträge, in denen – wie übrigens auch zunehmend in den Printmedien – Information und Meinung gleichermaßen stecken, und ebenso meine Kommentare dienen mir dafür, meine Gedanken zu sortieren und meine Ansichten zu konturieren, bei entsprechenden Einlassungen anderer BürgerReporter auch abzuändern. Darüber hinaus empfinde ich Schreiben als Freude.

3. Vor einiger Zeit bist du aus Duisburg nach Rheinberg gezogen. Was für Vorzüge bzw. Nachteile hat das Leben in beiden Städten?
Das ist ein weites, ein zu weites Feld, um es kurz beschreiben zu können. Also lass ich es besser. Der Umzug nach Rheinberg war jedenfalls keine Flucht. Meine Frau und ich brauchten einfach ein barrierefreies Domizil, das wir in Rheinberg gefunden haben. Und wir sind sehr zufrieden in unserer neuen Heimat.

4. Du bist von Beruf Lehrer und gleichzeitig sehr aktiv im Lokalkompass. Gibt es ein Wechselspiel zwischen diesen beiden Lebensbereichen - und wenn ja: Wie äußert sich das?
Ja, ich bin Lehrer. Viel Ferien, Halbtagsjob, zufriedenstellendes Gehalt, da muss man sich schon mal überlegen, wie man sich die Zeit vertreibt. Im Ernst: Es ist immer wichtig, dass man sich Zeit für Sachen freischaufelt, die einem am Herzen liegen. Dabei ist meine Anfangszeit im Lokalkompass geprägt von meinem Einsatz für schulpolitische Belange. Erst später hat sich der auf andere Themenbereiche überspringende "Suchtfaktor" bemerkbar gemacht.

5. Hat sich deiner Meinung nach die Art, wie Debatten heute geführt werden, im Vergleich zu früher geändert?
Ich weiß nicht. Im Grunde, glaube ich, kaum. Was natürlich seit Aufkommen der Flüchtlingsthematik auffällig ist, das ist das vermehrte Auspacken der Nazikeule und die postfaktische – fürchterliches Wort außerdem – Verweigerung von Dialog und Verständigung. Damit hat man wichtige Diskussions- und Meinungsbildungsprozesse aus der Mitte der Politik und Gesellschaft verbannt. Die Folge ist eine Spaltung von Gesellschaften. Ich für meine Person verstehe mich als Vertreter der politischen Mitte, die wieder breiter werden muss, mit allen Meinungsverschiedenheiten, die da möglich sind.

6. Wenn dich deine Freunde und Verwandten mit drei Wörtern beschreiben müssten - welche wären das wahrscheinlich?
Auch wenn ich als Mathelehrer Wahrscheinlichkeitsrechnung unterrichte, verlasse ich mich bei der Beantwortung nicht auf eine von mir formulierte Wahrscheinlichkeit. So habe ich einfach meine Frau gefragt, die spontan antworten sollte. Das tat sie dann auch: peinlich, stur, treu. Damit kann ich leben, zumal das, was da als Attribut peinlich rüberkommt, von mir ganz anders gesehen wird. Ich ecke nun mal gern an, bin mitunter sehr direkt (ohne persönlich zu werden!), schwimme genussvoll, wenn ich es für nötig halte, gegen den Strom. Das beeinträchtigt aber nicht ein hohes Maß an Loyalität, das ich für mich reklamiere.

7. Was sind die wichtigsten drei Dinge in deinem Leben?
Selbstachtung, meine Familie, Freiheit (ohne Rangfolge).

8. Was würdest du (wahrscheinlich) mit einem Lottogewinn von 10 Millionen Euro machen?
Die Frage stellt sich mir nicht. Und auf Spekulationen will ich mich nicht einlassen. Ich bin zufrieden, wie es jetzt ist – ohne einen solchen Lottogewinn.

9. Was gefällt dir am Lokalkompass besonders gut, was sollte verbessert werden?
Der Lokalkompass ist eine Chance zu mehr Informations- und Meinungsaustausch. Und diese Chance ist noch lange nicht ausgereizt. Wenn man bedenkt, wie viel Menschen die "angeschlossenen" Anzeigenblätter erreichen, die für manche Menschen die einzige Zeitung sind, so ist die Beteiligung der Bevölkerung hier am Lokalkompass recht blamabel. Über die Printmedien sollte es ein Leichtes sein, viel mehr Menschen in den Lokalkompass einzubeziehen. Man kann die Meinungsbildung der Menschen doch nicht Facebook und anderen sozialen Medien überlassen. Da ist das Lokalkompass-Team gefordert.

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