Gaza: Wer ist Schaf oder Wolf in welchem Pelz…?
FIGHTING LIKE A LION IN ZION…

Gedanken von Stephan Leifeld 

Schlimm, was gerade im Nahen Osten geschieht: Auf beiden Seiten sterben erneut zahlreiche Zivilisten, Frauen und Kinder. Auf der einen Seite binnen weniger Tage sollen es über 900 Tote sein, auf der anderen Seite summieren sich die Toten auf etwa 500 zivile Tote seit mehreren Monaten - plus etwa 1500 toter Hamas-Kämpfer der letzten Tage. Das aktuell eskalierte Geschehen erinnert im Anfangsszenario an den Jom-Kippur-Krieg vor beinahe genau 50 Jahren. Damit ist die Perspektive aus meiner Sicht auch völlig klar: dieser Konflikt wird nicht enden, wenn weiter für beide Seiten Partei ergriffen wird, ohne einen Lösungsansatz. Durch die aktuelle Hamas-Offensive ist der Staat Israel augenscheinlich in seinen Grundfesten getroffen worden. Eine als in der Region überlegen geltende Armee, ein hervorragender Spionagedienst, eine unüberwindliche Grenzanlage und das vielleicht beste Raketenabwehrsystem der Welt, sollten ihren Beitrag für Israels Versprechen leisten, allen Juden eine sichere Zuflucht zu sein. Das Versprechen ist dabei schon mehrfach empfindlich gestört worden: 1956, 1967 und 1973 - und jetzt, am zurückliegenden Wochenende, so massiv wie nie zuvor. Israel und die USA haben dabei auch jedes Mal militärisch nachgerüstet. Ohne eine andere Lösung für den Konflikt zu finden. Doch nun will Israel angeblich eine „totale Blockade“ gegen den Gaza-Streifen, dass nicht einmal mehr Lebensmittel und Trinkwasser zu den Menschen dort gelangen sollen. Dabei haben die meisten Menschen dort schon jetzt kaum, was man zum täglichen Leben braucht. Die meisten Menschen sind auch keine Terroristen.

Mehr als zwei Millionen Menschen im Gaza-Streifen leben bereits jetzt in einer Art Reservat, gefühlt im vormals eigenen Land. Zusammengefasst auf engstem Raum, nahezu keine funktionierende Infrastruktur, kein Recht mehr auf den eigenen Staat - als wenn ein Unrecht ein anderes gut machen könnte. So sehe ich das auf den ersten Blick… und will deshalb genauer hinschauen, um wirklich dem Grund von diesem Streit zu finden. Schließlich soll es in Jerusalem auch Zeiten gegeben haben, in denen Christen, Muslime und Juden friedlich miteinander leben konnten. 

Ich sehe diesen Krieg etwas differenzierter als die Tagespresse. Damit will ich aber auf keinen Fall die hohen Zahlen ziviler Opfer in Israel verharmlosen, ganz im Gegenteil. Die jüdische Kultur, die religiöse Lehre, koschere Küche und auch die Kabbala, liegen mir dabei sogar am Herzen. Jedes Opfer finde ich bedauernswert und stimmt mich traurig. Bob Marley und sein Song kommt mir in den Sinn… I have to run like a fugitive to save the life I live… Iron, Lion, Zion.

Die große Politik hingegen vergießt m.E. einmal mehr sogenannte Krokodilstränen: Wenn Europa zum Beispiel seinen jahrhundertelangen AntI-Semitismus hätte ablegen können, würde man vielleicht in der Lage gewesen sein, ein Heimatland für europäische Juden in Europa geschaffen haben. Tatsächlich fand aber der europäische Anti-Semitismus seinen traurigen Höhepunkt in Nazi-Deutschland und seinem Holocaust. Und schon Shakespeare und andere Literatur zeigen deutlich ein Zerrbild jüdischer Mitmenschen in unterschiedlichen Epochen: Geldgierig, geizig, fundamentalistisch, hässlich, große Nasen… selbst für Seuchen wurden unschuldige Juden verantwortlich gezeichnet. Ich provoziere deshalb jetzt einmal bewusst, wenn ich vortrage, Deutschland beispielsweise, wäre 1948 dafür gut geeignet gewesen, den Boden für ein neues Israel zu geben. Einerseits konnten sich vielleicht zuvor verfolgte Juden das ebenso wenig vorstellen, wie die Deutschen andererseits, die vorher das Täter-Regime mitgetragen haben. Dennoch war selbst England als Kolonialmacht im Nahen Osten, zum Zeitpunkt der Gründung der Türkei und weiterer raumgreifender Veränderungen im Nahen Osten nicht mehr sicher, ob Lord Balfour mit Israel im Bereich des früheren Judäa eine gute Entscheidung getroffen hatte. Immerhin war der letzte jüdische Staat dort einige hunderte Jahr her…

Aber großzügig sein, mit einem Land, dass den britischen Imperialisten nicht ursprünglich gehörte - sondern lediglich militärisch besetzt war, um dort Israel zu gründen… war einfacher … und war damit womöglich von der ersten Stunde an, kein Segen für das jüdische Volk, sondern bereits der nächste Fluch. Mit Auswirkungen, in Bezug auf Gewalt und Terror bis heute. Gleichzeitig verdammte man die dort lebenden Menschen anderer Herkunft und Religion, die nämlich auch welche sind, zu heimatlosen im eigenen Land. Der soeben beendete zweite Weltkrieg und der aufkommende Konflikt zwischen West und Ost, machten allerdings ebenso einen gewissen zeitlichen Druck, wie wirtschaftlich das Finden von Öl und sichern wollen, von „Errungenschaften“ wie dem Suezkanal. Es hatte hunderte von Jahren eben an der Stelle des heutigen Israel kaum ein stabiles Land oder Königreich gegeben, sondern „nur“ sogenannte Pufferstaaten. Gleich der Aufgabe von Atlas in der griechischen Mythologie, hat die Völkergemeinschaft quasi den Juden diese Rolle zugewiesen, in der Levante zwischen Orient und Okzident der militärische „Puffer“ zu werden. 

Mir kommen in Bezug auf die Thematik und Situation von Hamas und PLO, schließlich noch die nord- und mittelamerikanischen Apachen und Sioux in den Sinn. Wie die Indianer aus den zugewiesenen Reservaten blutige und chancenlose Aufstände probiert haben, haben wir die Eskalation nun erneut in einem Israel, dass laut Medien „seinen 11. September“ erlebt haben soll. Dabei ist nicht einmal geklärt, ob es um den 11. September der USA oder der Chilenen geht… denn auch in diesem Punkt ist die Medienlandschaft in Deutschland auf einem Auge eher blind. Wobei ich abermals nicht die zivilen Opfer auf beiden Seiten relativieren will, sondern eher im Gegenteil: es geht nicht um eine „Machtergreifung der Hamas in israelischen Siedlungsgebieten (…)“, „liebe“ BILD-Redaktion. Es geht auch darum, dass jahrelang beispielsweise auch Deutschland u.a. an der TH in Berlin palästinensische Raketenwissenschaftler ausgebildet hat, ohne in diesem Punkt 2 plus 2 zusammenrechnen zu wollen. Von diplomatischen Bemühungen in Punkto Israel ist mir gleichzeitig nichts bekannt - außer einer vor Jahren zaghaft vorgetragenen Kritik an Israel, durch einen später mysteriös ums Leben gekommenen FDP-Politiker Möllemann. Auch die grausamen Taten in Nazi-Deutschland führen noch heute zu einer Art öffentlichen „Maulkorb“, wenn man die Politik Israels‘ hinterfragt.

Für Menschen, die weder an Versöhnung oder eine zwei-Staaten-Lösung denken wollten, konnte das letzte Wochenende so überraschend sein. Mir persönlich tun die Zivilisten auf beiden Seiten leid.

Diesen Krieg kann niemand gewinnen.
Das ist m.E. bei jedem Krieg der Fall. Es gewinnen nur diejenigen, deren Geschäft damit floriert. Alle anderen verlieren… jeden Krieg.

Die Geschichte des Staates Israel begann übrigens nicht erst mit seiner Gründung im Jahr 1948. Ihr gingen Bemühungen von Vordenkern des Zionismus über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren voraus, die eine Rückkehr von Juden in das „gelobte Land“ ermöglichen und später einen souveränen Nationalstaat mit eigenem Staatsgebiet für die Juden Europas schaffen wollten. Wenn wir uns alle das ins Bewusstsein rufen, bemerken wir möglicherweise auch die prekäre Situation der Kurden, oder weiterer Volksgruppen, denen die Nationalstaaten heutiger Entwicklung immer wieder Ungemach bereiten - wobei ich nicht einmal von Schotten, Basken oder Schlesiern gesprochen habe.

1. Nationalstaatlichkeit,
2. religiös begründeter Fanatismus und
3. Bellizismus gehören alle drei in die Vergangenheit einer unaufgeklärten Welt.

Ich wünsche mir stattdessen
1. Frieden,
2. Vernunft und
3. grenzenlose Liebe…

Alle sonnengebleichten oder abgenagten Knochen dieser Welt sind weiß. 
Egal, ob wir zuvor eine differente Hautfarbe hatten, religiös oder kulturell uns unterschiedlich fühlten, wie auch immer sexuell orientiert gewesen sind. 

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Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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