Vor 125 Jahren wurde der amerikanische Erfolgsautor Scott Fitzgerald (am 24.9.) geboren
Ein großer Unvollendeter

„Er war immer mein Lieblingsschriftsteller“, erklärte einmal die Filmemacherin und Autorin Doris Dörrie über den Amerikaner Francis Scott Fitzgerald, der zeitlebens ein unglücklicher Mensch war. Zunächst, weil er als junger Student in Princeton nicht den erhofften Erfolg in der Footballmannschaft hatte, dann fühlte er sich als Werbetexter unterfordert, und später verfiel er dem Alkohol, weil seine Ehefrau Zelda in der Psychiatrie endete.

Im September 1913 begann Fitzgerald, der am 24. September 1896 in St. Paul (Minnesota) als Sohn eines später verarmten Möbelfabrikbesitzers geboren wurde und seinen Vornamen zu Ehren seines Urgroßonkels Francis Scott Key, des Dichters der US-amerikanischen Nationalhymne, erhielt, in Princeton zu studieren. Er machte zwar keinen Abschluss, knüpfte aber Kontakt zum später einflussreichen Literaturkritiker Edmund Wilson, der Fitzgeralds letzten, unvollendeten Roman „Der letzte Taikun" bearbeitete und zur Veröffentlichung brachte.
Scott Fitzgerald war ein exzellenter Beobachter, der in seinen Werken häufig auf seine eigene (bewegte) Vita und auf Erfahrungen mit seiner Familie und Freunden zurückgriff. Als sein Vater seinen Job verlor, notierte er: „Er ging diesen Morgen als vergleichsweise junger Mann hinaus, ein Mann voller Kraft, voller Selbstvertrauen. Er kam heim diesen Abend, ein alter Mann, ein völlig gebrochener Mann.“
Obwohl Fitzgerald die meiste Zeit seines Lebens in Wohlstand lebte, war er als Schriftsteller schon früh ein Kritiker des ausschweifenden Lebens und der amerikanischen Upper Tens. Über allem schwebte bei ihm auch schon in jungen Jahren ein Hang zur Melancholie. In seinem 1920 veröffentlichten Debütroman heißt es an einer Stelle: „Unheimliches Gelächter hallt wider und lässt nur einen fruchtlosen Seufzer nach jugendlichen Sehnsüchten zurück: Die Trauer ist dem gefolgt, was sie liebte, und hat eine große Leere hinterlassen.“
Eine wichtige Einnahmequelle wurde für Fitzgerald der Verkauf von Kurzgeschichten, Essays und Zeitungsbeiträgen, denen er allerdings keinen Wert beimaß, sondern sie lediglich als materielle Basis für seine literarische Arbeit ansah.
Als 26-jähriger „Nobody“ veröffentlichte er die aufsehenerregende Erzählung „Ein Diamant so groß wie das Ritz“, mit der er zu einem der vehementesten Kritiker der sich etablierenden amerikanischen Wohlstandsgesellschaft avancierte. Anhand der Familie Washington beschreibt Fitzgerald darin die fortschreitende moralische Deformation des wohlhabenden Bürgertums.
Seinen größten Erfolg feierte Fitzgerald mit dem 1925 erschienenen Roman „Der große Gatsby“, in dem er Aufstieg und Fall eines listigen Schnapsschmugglers nachzeichnet und sich selbst als eine Art moralische Instanz in Gestalt des Erzählers Nick Carraway mit in die Handlung einbezieht. T. S. Eliot bezeichnete „Der große Gatsby“ als den „ersten Entwicklungsschritt, den der Amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe“.
Zu dieser Zeit lebte Fitzgerald bereits mit seiner Ehefrau Zelda an der französischen Riviera. Das Paar genoss es, im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens zu stehen, gab bereitwillig Interviews und posierte ausdauernd für Fotografen. Ein Rolls Royce, Champagnerorgien, Geldscheine zum Anzünden teurer Zigarren – das Ehepaar lebte in Saus und Braus, verlor aber zusehends die Kontrolle über das eigene Leben. Psychische Krisen und Alkoholsucht waren die Folgen. Fitzgerald notierte: „Ich erinnere mich, dass ich eines Nachmittags im Taxi fuhr, zwischen sehr hohen Gebäuden, unter einem malven- und rosafarbenen Himmel, und ich begann zu schreien, weil ich alles hatte, was ich wollte, und wusste, dass ich nie mehr so glücklich sein würde.“
Ausgehend von der psychischen Krankheit seiner Ehefrau, die sich immer häufiger für längere Zeit in stationäre Behandlung begeben musste, hat Fitzgerald in „Zärtlich ist die Nacht“ (1934) - eingebettet in die Geschehnisse um den „schwarzen Freitag“ - die These aufgestellt, dass psychische Krankheiten ihre Wurzeln in einem maroden sozialen Umfeld haben. Dieser Roman war der letzte große Wurf aus Fitzgeralds Feder. Später schrieb er fast nur noch, um seinen kostspieligen Lebensunterhalt finanzieren zu können.
Kostspielige Reisen nach Paris und an die Cote d'Azur und die Alkoholexzesse mit seinem Freund Ernest Hemingway (unter dem Titel „Wir sind verdammt lausige Akrobaten“ liegt ein umfangreicher Briefwechsel in Buchform vor) forderten ihren gesundheitlichen Tribut. Am 21. Dezember 1940 starb Fitzgerald in Los Angeles im Alter von nur 44 Jahren nach zwei Herzinfarkten - selbst zerbrochen an dem, was er als amerikanisches Übel gegeißelt hatte: am schnellen Reichtum. Ein großer Unvollendeter der Literaturgeschichte. „Scott Fitzgerald war der Größte unter uns allen“, hatte ihn sein Freund Hemingway gepriesen.
Die wichtigsten seiner Werke sind in preiswerten Taschenbuchausgaben im Diogenes Verlag erhältlich. Vor vier Jahren hatte Anne Margaret Daniel unter dem Titel „Für dich würde ich sterben“ 15 bis dahin unveröffentlichte Erzählungen Fitzgeralds im Hoffmann und Campe Verlag heraus gegeben.

Autor:

Peter Mohr aus Wattenscheid

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