Hospiz-Initiative Wesel startet am 16. Mai ins "Geburtstagsprogramm" / Ein Interview

Claudia Böckmann
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Die Hospiz-Initiative Wesel feiert ihren 25. Geburtstag mit einem großen Programm. Die zentrale Festveranstaltung beginnt am Mittwoch, 16. Mai, um 19 Uhr im Lutherhaus. Thema: „Schöner sterben? Macht Begleitung das Sterben schöner? Rückfragen an eine lebensrettende Einrichtung“ Referent ist Dr. Christoph Hutter, begleitet wird der Vortrag von drei Schauspielszenen.

Am 19. Juni bedankt sich die Initiative mit Gottesdienst und Sommerfest bei ihren Ehrenamtlichen, am 18. September geht es bei der Jahreshauptversammlung um „Umgang mit Traumata“. Fachfrau an diesem Abend ist Anne Willing-Kertelge, die sich seit 25 Jahren mit der Thematik beschäftigt.

Am 23. September beginnt in der Friedenskirche in Fusternberg um 18 Uhr ein Benefizkonzert für die Initiative mit Pianist Marius Furche und Organist Ludger Morck. Das Jubiläumsjahr beschließt eine Lesung mit Susann Pásztor („Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“) am 7. November um 19 Uhr in der Kirche im Evangelischen Krankenhaus.

Ein Interview ...

Um das sensible Thema näher zu beleuchten, hat die Hospizinitiative ein Interview mit ihrer Vorsitzender Claudia Böckmann erstellt. Lesen Sie an dieser Stelle ihre aufschlussreichen Antworten.

Wer Geburtstag hat, darf sich etwas wünschen. Was wünschen Sie der Hospiz-Initiative zum 25. Geburtstag?

Darf ich unbescheiden sein und drei Wünsche äußern? Ja? Das ist schön. Die drei Wünsche sind: Die Idee der Hospiz-Bewegung soll sich noch stärker verbreiten, damit mehr Menschen wissen, welche Unterstützung sie von uns bekommen können. Wir sind überkonfessionell, und es wäre wunderbar, wenn wir über die beiden christlichen Religionen hinaus Kontakt zu anderen Religionsgruppen aufbauen können. Ziel wäre ein Austausch, der unabhängig von der Religion den Menschen und sein Schicksal im Fokus hat. Und mein dritter Wunsch: Unser bereits existierendes Netzwerk, das uns so tatkräftig unterstützt und trägt, möge weiter wachsen und durch weitere Kooperationspartner stärker werden mit dem Ziel einer ganzheitlichen Begleitung, in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Wie sind Sie zur Hospiz-Initiative gekommen?

Durch meine Freundin Jacqueline. Ich habe zwischen 1983 und 1987 in Orléans in Frankreich gelebt und als Lektorin an der dortigen Universität gearbeitet. Durch Jacqueline hatte ich von dieser Stelle erfahren. In meiner Zeit in Frankreich ist unsere Freundschaft sehr eng geworden. Zehn Jahre später erkrankte Jacqueline an Krebs. Ein sehr aggressiver Krebs, zwischen Diagnose und Tod blieben ihr nur sechs Monate. Ich lebte und arbeitete damals wieder in Wesel. Wir hielten telefonisch Kontakt, aber jeder, der Menschen in einer solchen Situation begleitet, weiß, wie ambivalent und unzureichend Telefonkontakte sind. Am 5. August 1997 machte ich mich auf den Weg nach Orléans, um Zeit an ihrer Seite verbringen zu können. Während ich unterwegs war, ist Jacqueline gestorben. Doch meine Reise war nicht umsonst, ihre allein lebende Mutter brauchte Hilfe und Unterstützung. Ich kümmerte mich um die vielen Dinge, die zu einer Beerdigung gehören, und auch um die vielen Verbindungen, die Jacqueline nach Deutschland hatte.

Und so entschlossen Sie sich, sich in Wesel für die Hospiz-Initiative zu engagieren?

Ja, in gewisser Weise ist mein Engagement ihr Erbe, auch wenn der Gedanke nicht sofort vorhanden war, sondern sich erst später konkretisierte. Jacqueline ist in den letzten Wochen ihres Lebens nie allein gewesen. Es gab viele Menschen, die an ihrer Seite waren und sie begleitet haben. Zurück in Wesel dachte ich viel darüber nach und mir wurde klar, dass ich gerne Teil dieser Gemeinschaft gewesen wäre. Irgendwann griff ich zum Telefonhörer und wählte die Nummer der Hospiz-Initiative. Das war im Herbst 1998 und im folgenden Frühjahr gehörte ich zu den Teilnehmern des neuen Vorbereitungskurses.

Die ersten 25 Jahre des Vereins sind vorbei, wo sehen Sie die Initiative in 25 Jahren?

In unserer schnelllebigen Gesellschaft wäre eine Prognose für das Jahr 2043 viel zu gewagt. Sagen wir lieber, wo und wie ich die Hospiz-Initiative in zehn Jahren, also im Jahr 2028, sehe.
Gut aufgestellt mit unserem Kinder- und Jugendhospizdienst und dem Kati-Fassbender-Projekt. Diese beiden Komponenten stellen die Pole der menschlichen Existenz dar - Kinder und Jugendliche am Anfang und der ältere Mensch in einer geriatrischen Einrichtung am Ende des Lebens. Mitten drin unsere vielfältige Begleitungsarbeit, unabhängig vom Alter, von der Religion und Lebenssituation. Außerdem sehe ich eine weitere Säule: ein stationäres Hospiz in Wesel.

Warum ein stationäres Hospiz?

Weil es eine ganz wichtige Ergänzung und Bereicherung der hospizlichen Kultur ist. Unsere Gesellschaft verändert sich massiv. Immer mehr Menschen leben alleine, Angehörige wiederum sind oft so eingespannt, dass eine häusliche Pflege kaum möglich ist. Ein stationäres Hospiz wäre ein sehr, sehr wertvoller Baustein für eine lebenswerte Welt. Wie human eine Gesellschaft ist, lässt sich sehr gut an den Rahmenbedingungen ablesen, die sie für Kinder und alte Menschen bereitstellt. Den Anfang seines Lebens kann keiner aus eigener Kraft stemmen, das Ende oftmals auch nicht mehr. Da sehe ich unsere Hospiz-Initiative als Wegbegleiter für den Sterbenden und als Unterstützer für die Angehörigen, zu Hause, in den Einrichtungen der Altenpflege und auch in einem stationären Hospiz.

Sie sehen die Hospiz-Initiative auch in der Verantwortung, immer wieder eine Lanze für humanes Sterben zu brechen?

Ja, auf jeden Fall. Bereits seit einiger Zeit nehme ich in unserer Gesellschaft einen Diskurs wahr, der sich im Zusammenhang mit Lebensanfang und -ende mit dieser Frage beschäftigt: „Dürfen wir alles, was wir können?“ Die Medizin und die mit ihr verwandten Disziplinen machen immer mehr möglich, Grenzen werden durchlässig oder überschritten, Grenzen, die bisher als unüberwindbar galten. Meines Erachtens gibt es keine unumstößlichen Wahrheiten mehr, das Individuum ist mit vielen existentiellen Fragen auf sich selbst gestellt. Und solche Fragen stellen sich besonders am Ende des Lebens. Auch ohne in jedem Einzelfall konkrete Antworten parat zu haben, sehe ich uns Ehrenamtliche der Hospiz-Initiative hier als gute Gesprächspartnerinnen und -partner. Und die Initiative als Institution in der Verantwortung, ein Podium zu bieten, auf dem immer wieder aufs Neue eine Lanze für humanes Sterben gebrochen wird, ein Forum, das sich dafür einsetzt, dass Menschen bis zuletzt in Würde leben und in Frieden sterben können, ganz im Sinne von Cicely Saunders, der Begründerin der ersten stationären Hospize in England.

Claudia Böckmann

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