Naturschützerin schreibt offenen Brief gegen die Fällung der Robinien am Schwarzen Weg an die Ratsfraktionen
Viele Anwohner wollen die Bäume erhalten

Sollen gefällt werden: Sechs der noch neun vorhandenen Robinien am Schwarzen Weg
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Klimaschutz bildet neben der aktuellen Pandemie das Hauptthema unserer Zeit. Extreme Trockenheit und zu warme Sommer, Stickstoff- und CO²- Konzentration in der Atemluft und Insektensterben sind nicht gerade positive Merkmale unserer Zeit. Dagegen helfen neben vielen anderen Maßnahmen die richtigen Pflanzen. Bestimmte Stauden und andere Gewächse dienen Insekten als Nahrung und Bäume reinigen die Luft, denn sie ernähren sich vom CO² und wandeln dies in Sauerstoff um.


Ein Baum, der den Anforderungen des Klimawandels besonders gewachsen ist, fand im 17. Jahrhundert aus Amerika seinen Weg nach Mitteleuropa, die Robinie.
Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit jedem Boden und jedem Wetter zurechtkommt, auch bei Trockenheit und extremer Hitze nahezu unverwüstlich ist und zudem mit ihren akazienartigen Blüten im Frühjahr den Bienen als erste Bienenweide dient, wodurch sie auch bei Imkern sehr beliebt ist.

Baum des Jahres 2020

Und ein weiteres Merkmal zeichnet die Robinie aus. Sie filtert nicht nur CO2, sondern ihre Wurzeln ernähren sich auch von Stickstoff, den sie aus der Luft binden. Aus diesen genannten Gründen und wegen der Tatsache, dass sich die Robine gerade in diesen Zeiten des Klimawandels hervorragend als Stadtbaum eignet, wurde sie zum Baum des Jahres 2020 gewählt.
Täglich verschwinden Wälder in der Größe mehrerer Fußballfelder von der Erdoberfläche, wodurch das globale Problem des Klimawandels ständig größer wird.
Die Städte und Gemeinden am Niederrhein haben dieses Problem längst erkannt und tun alles, um dem entgegenzuwirken, so auch die Stadt Xanten.
Wirklich alles?
Die Grünen in der Römerstadt sowie viele Anwohner des Schwarzen Wegs und seiner Stichstraßen sind da anderer Meinung. Sie wehren sich gegen die geplante Fällung von neun Robinien, durch die offensichtlich einige Anwohner der Straße ihre Grundstücke bedroht sehen und aufgrund der ausufernden Wurzeln um die Substanz ihrer Eigenheime fürchten.
Ferner beunruhige sie, dass Früchte und Rinde des Baumes für den Menschen giftig sind.
Deshalb hatten sie die Fällung beantragt und der Rat der Stadt hatte in seiner Dezember Sitzung im Sinne dieses Antrags entschieden.

Baumexperte spricht sich gegen Fällung aus

Dies hat die Naturschützerin Renate Brors nun in einem offenen Brief an den Rat der Domstadt beanstandet, nachdem die Grünen bereits eine Mahnwache am Schwarzen Weg organisiert hatten.
„Es darf nicht sein,“ schreibt sie in ihrem ersten Absatz, „dass einige Anwohner mit einer Klage drohen und Sie als Verantwortliche diesem Wunsch ungeprüft nachgeben“. Ferner beanstandet sie, dass bis jetzt kein unabhängiges Gutachten vorliege, das die Gefährlichkeit der Bäume für die Anwohner und die in etwa vier bis sechs Meter Entfernung verlaufenden Leitungen bescheinige. Auch von den Häusern stünden die Bäume etwa 20 m entfernt.
Der Baumexperte Ulrich Saß aus Wesel, den die Grünen mit der Begutachtung der Bäume beauftragt hatten, sprach sich gegen die Fällung aus: "Die Robinien sind gesund und könnten noch viele Jahre leben. Dass die Wurzeln bis auf Anwohnergrundstücke reichen und die Früchte giftig sind, trifft auf alle Eiben und sehr viele ältere Bäume in Xanten zu. Reicht das als Grund, sie alle abzusägen?"
Joe Becker, Vorstandssprecher der Xantener Grünen, sieht es als Sünde an, die gesunden Bäume zu fällen, denn das Allgemeinwohl sollte Vorrang vor den Wünschen einiger Anwohner haben.
Dieser Ansicht ist auch die Naturschützerin. „Dies Bäume dienen dem Allgemeinwohl und wurden vom Steuerzahler finanziert. Es stehen noch rund 110 weitere Robinien im Stadtgebiet. Muss man nun auch um deren Existenz fürchten?“



Etwa 30000 Euro volkswirtschaftlicher Schaden pro Baum

Ein 44 Jahre alter Baum schlage mit etwa 30000 Euro volkswirtschaftlichem Wert zu Buche, die nun praktisch zum Fenster hinausgeworfen würden, zumal man für die gefällten Bäume Ersatzpflanzungen vornehme, gibt Renate Brors zu bedenken. Für drei Robinien, die schon gefällt wurden, sind diese bereits erfolgt. Auch hierbei handele es sich um einen Baum aus Amerika, dem Amberbaum, erklärt Brors.
Er zeichnet sich durch tiefe Wurzeln aus und ist ebenfalls sehr widerstandsfähig. Während er in den USA bis zu 40 m hoch wird, erreicht er in Mitteleuropa eine durchschnittliche Höhe von 15 bis 20 m bei einem Wachstum von etwa 40 cm pro Jahr.
Soweit, so gut, „aber warum erst die bestehenden fällen, um neue zu pflanzen“, fragt sich die Naturschützerin. Bis die neuen Bäume den Effekt wie die alten erzielen, vergehen rund 20 Jahre und schließlich sei es mit Bäumen genauso wie mit Menschen, jeder habe seine Vor- und Nachteile. „Und Wurzeln haben sie alle“.
Und wie viele Leute sich in den 40 Jahren schon durch die Robinie vergiftet haben, frage sie sich auch, denn ihr sei keine entsprechende Statistik bekannt. "Dagegen kenne ich Statistiken über Tausende von Lungentoten bedingt durch steigende Luftverschmutzung".
Deshalb sammelte Renate Brors Unterschriften und siehe da, bereits über 30 Anwohner des „Schwarzen Weges“ und seiner Stichstraßen bekundeten durch ihre Unterschriften, dass sie die Robinien behalten möchten.
Ob es noch etwas nützt, ist zwar fraglich, aber trotzdem ist sich Brors sicher, „Wir brauchen in dieser Hinsicht eine Grundsatzdebatte“.

Baumschutzgruppe Düsseldorf schaltet sich ein

Nun hat sich auch die Baumschutzgruppe Düsseldorf in die Debatte eingeschaltet. "Es kann nicht sein, dass die Stadt Xanten lächerliche Partikularinteressen weniger Anwohner bedient, statt dem Grundsatz zu folgen, dass Bäume, die mit öffentlichen Mitteln gepflanzt wurden, unter Schutz stehen", so Andrea Vogelsang von der Baumgruppe Düsseldorf. Zudem bestehe eine Bedrohung von unterirdischen Leitungen offensichtlich gar nicht, da diese 1981, also einige Jahre nach der Baumpflanzung auf der den Bäumen gegenüberliegenden Straßenseite gelegt worden seien und somit mindestens fünf Meter von den Baumwurzeln entfernt lägen. Dies habe der örtliche Gas- und Netzbetreiber auf Nachfrage bestätigt. Zudem gebe es im Falle einer Bedrohung die Möglichkeit, Leitungen mit Schutzrohren zu versehen oder nachträglich Wurzelsperr- Folien einzusetzen.
Die Entscheidung des Stadtrates bezeichnet Vogelsang als Gefälligkeitsentscheidung und Missbrauch auf Zeit vergebener Ratsmandate. Aus diesem Grunde werde sich die Baumschutzgruppe Düsseldorf an den Landrat des Kreises Wesel wenden und dessen Stellungnahme erbitten.

Randolf Vastmans

Sollen gefällt werden: Sechs der noch neun vorhandenen Robinien am Schwarzen Weg
Der amerikanische Amberbaum als Ersatzpflanzung wächst in unseren Breiten etwa 40 cm pro Jahr
Autor:

Randolf Vastmans aus Xanten

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