Ruß von gestern - neue Emissionsverordnung beim Betreiben privater Feuerstellen?

Foto: Februar 2014, Xanten-Marienbaum. Autor: Hans-Martin Scheibner.
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Von Christel und Hans-Martin Scheibner

Sagen wir mal ehrlich - hat es Sie nicht auch dauernd geärgert, daß schon bei der geringsten Abweichung der Abgasnorm eine hohe Rechnung fällig ist für den Monteur, welcher Ihre Heizungsanlage so einstellt, daß die Werte wieder stimmen. Doch in der Nachbarschaft qualmt und dampft es trotz gesetzlicher Kontrollvorschrift in allen erdenklichen Rauchfarben aus allen Rohren, und es ist kaum zu unterscheiden, ob hier Kamine oder Holzöfen - von manch Betroffenem und Wissenschaftlern auch als steinzeitliche Dreckschleudern bezeichnet - befeuert werden. Für Betreiber offener Kamine galten bisher Sonderregelungen.

Selbst an milden Abenden und nachts muß mit Qualmbelästigungen gerechnet werden, sei es nur, um mal eben schnell noch etwas zu verbrennen. Lüften in den Herbst-, Winter- und Frühlingsmonaten gestaltet sich zum Lotteriespiel.

Können Betroffene bald wieder durchatmen?

Seit Jahren versuchten Politiker, eine Verordnung für saubere private Schornsteine durchzusetzen, denn die entsprechenden technischen Möglichkeiten sind seit langem gegeben. Wie vertraulichen Quellen zu entnehmen ist, hat man beschlossen, nun auch alle privaten Kamine und Öfen mit Spezialfiltern zu versehen wie auch schon in Müllverbrennungsanlagen vorgeschrieben, welche effektiver sind als bisher eingesetzte. Nicht umrüstbare Anlagen sind zu entfernen, herkömmliche Filter auszutauschen - wenn denn installiert. Die neu vorgeschriebenen Filter sind regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf zu erneuern, was nur durch einen Fachmann vorgenommen werden darf. Da die Filter als Sondermüll gelten, müssen sie entsprechend entsorgt werden. Natürlich entstehen hier nicht unerhebliche Kosten, welche der Betreiber der Feuerstelle zu tragen hat, aber bei sinnvollem Umgang mit seinen Allesbrennern und Reduzierung der Betriebszeit kann man die Kosten in Grenzen halten. Und wer leistet nicht gerne seine Beitrag zur Verbesserung der Umweltbedingungen!

Unterschätzte Gefahr Rauch

Rauch aus privaten Schornsteinen enthält etliche toxische Stoffe wie Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und hochgiftige Schwefelverbindungen, Stickoxide, Salzsäure sowie Rußpartikel. Wenn der Qualm stinkt, ist oft Gift im Spiel. Es handelt sich hier um meist gefährliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Ein weiteres Problem ist der Staub, welcher bei der Verbrennung freigesetzt wird und zu 90 Prozent aus Feinstaub besteht, mit bloßem Auge nicht sichtbar ist und laut Bundesumweltamt Asthma, neurologische und Hirnschäden, Krebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen kann. Er ist aufgrund seiner feinen Konsistenz in der Lage, in tiefste Bereiche eines Organismus einzudringen. Im Jahre 2011 belegte eine dänische Studie genetische Schäden sowie Entzündungskrankheiten durch Feinstaub des Holzrauchs. Gleichzeitig werden in den Städten Umweltzonen eingerichtet, um die Menschen vor dem Ausstoß von Feinstaub durch Pkws zu schützen, obwohl die Feinstaubbelastung durch diese geringer ist als bei der Holzverbrennung. Inzwischen ist erwiesen, daß bei Umrüstung von Ölheizungen auf das Heizen mit Holz mehr Feinstaub ausgestoßen wird, dies mit gleichzeitigem Anstieg von Todesfällen. Oft werden Kamine und Öfen auch noch falsch betrieben, aber auch bei korrektem Betrieb mit mindestens zwei Jahre abgelagertem trockenen Holz ist die Umweltbelastung mit Feinstaub noch bis zu dreißigmal höher als bei einer vergleichbaren Ölheizung. So gehört Holz also zu einem der problematischsten Brennstoffe.

Es ist ein offenes Geheimnis, daß oft nicht nur falsch gelagertes und nasses Holz verbrannt wird, sondern auch Haus- und Gartenabfälle. Besonders groß ist die Gefahr, wenn das Material statt bei größerer Hitze zu brennen nur schwelt und so unzureichend verbrennt. Ist dies der Fall, können das tödlich wirkende Kohlenmonoxid sowie Methangas entstehen.

Oft ist schon an der Farbe des Rauchs zu erkennen, was der Nachbar verbrennt.

So entsteht schwarzer Rauch bei Verbrennung von Holz mit Farb- und Lackresten, Pappe, Papier, Textilien, Kunststoff sowie Hausmüll. Er ist oft dicht und beißend mit äußerst hohem Rußgehalt, Brennstoffresten und meist dioxinbelastet. Diese Stoffe dürfen laut gesetzlicher Bestimmungen nicht privat verheizt werden.

Hellgrauer Rauch bildet sich bei unvollständiger Verbrennung und Rußgehalt, dunkelgrauer bei stärkerem Rußgehalt sowie Anteil an Brennstoffen. Bläulicher Rauch verweist auf Öl und sonstige Fette. Weißgelber bis brauner Rauch ist als hochgiftig anzusehen, leicht entzündlich und enthält flüchtige organische Verbindungen wie Acrolein, Formaldehyd, Benzol,Toluol, Styrol, Isocyanate, Stickoxide etc. Jede Rauchform kann Pyrolysegase enthalten, brennbares Gas, welches zu Kaminbränden führen kann. Weißer Rauch entsteht nicht nur, wenn ein neuer Papst gewählt wurde, sondern auch bei zu feuchtem Holz durch die Bildung von Wasserdampf.

Bei richtigen Betrieb qualmt das Holz zwar beim Anzünden etwas, aber anschließend ist über dem Schornstein nur noch ein leichtes farbloses Flirren zu erkennen.

Symptome einer Rauchvergiftung - auch Rauchgasvergiftung oder Rauchgasintoxikation

Es können einzelne oder gleichzeitig mehrere Symptome auftreten, was nicht unbedingt sofort passieren muß:

Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schweißausbrüche, Übelkeit und/oder Erbrechen, Krämpfe, Kopfschmerzen, Sehstörungen - auch Augenbrennen, Benommenheit oder starke Müdigkeit - aber auch Unruhe, Bewußtlosigkeit, Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Atemnot, Blauverfärbung der Lippen aufgrund von Sauerstoffmangel.

Typisch ist eine sich steigernde Symptomatik. Möglich sind Verletzungen der Schleimhäute, Anschwellen des Lungengewebes und andere Entzündungserscheinungen. Spätschäden unterschiedlichster Art sind nicht immer auszuschließen.

Die Xantener Politiker wird's freuen!

Xanten hat den Titel "Luftkurort" beantragt und hofft auf eine Verwirklichung der Pläne ab dem 1. Juni dieses Jahres. Da kommt die neue Verordnung genau im richtigen Moment, da für den Titelerwerb strenge Auflagen gestellt werden.

Zusatz-Info zum Beitrag vom 1. April 2014:

Bei einer Passage dieses Artikels handelt es sich, wie sicher schon einige vermutet haben, um einen Aprilscherz. Allerdings entspricht nur die Ankündigung des Einsatzes von Industriefiltern in Privathaushalten nicht der Wahrheit, alle anderen Angaben leider ja.

Der eingekürzte Beitrag erschien als Druckversion im Wochenblatt "Der Xantener" Nr. 18, 26. Jahrgang am 30.04.2014 auf Seite 5.

Foto: Februar 2014, Xanten-Marienbaum. Autor: Hans-Martin Scheibner.
Der eingekürzte Beitrag erschien als Druckversion im Wochenblatt "Der Xantener" Nr. 18, 26. Jahrgang am 30.04.2014 auf Seite 5.
Autor:

Hans-Martin Scheibner aus Xanten

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