Beim Lärmschutz an der Emschertal-Strecke spielt die Bahn auf Zeit

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Die Anwohner in Karnap und Horst wurden so kurzfristig über die nächtliche Lärmbelästigung informiert, dass es kaum möglich war, dagegen vorzugehen.

Lärm macht krank. Das gilt nicht nur für Flugzeuglärm und Straßenverkehrslärm, sondern auch für Bahnlärm. Eine Bahnstrecke, die mitten durch dicht besiedeltes Gebiet führt, ist die Emschertal-Bahnstrecke zwischen Bochum und Oberhausen. Der Güterverkehr auf dieser Strecke hat sich in den letzten Jahren vervielfacht auf weit über 200 Züge am Tag. Den Anwohnern wird systematisch durch hohe Lärmpegel Tag und Nacht der Schlaf geraubt. Und das alles nur, weil die Bahn (und damit die verschiedenen Bundesregierungen) hier auf Kosten der Gesundheit der Menschen sparen wollen.

Seit Jahren werden die Menschen von der DB Netz AG und von der Politik immer wieder vertröstet, wird versucht Zeit zu schinden. Nachdem sich 2006 die Bürgerinitiative „Bahnlärm Karnap-Horst“ gegründet wurde, kam Bewegung in die Sache. Doch die aufgebrachten Bürger wurden immer wieder hingehalten.
Erst wurde der Bau von Lärmschutzwänden für 2008 in Aussicht gestellt. Dann wurde auf 2015 vertröstet. Und nun wurde den Bürgern im Oktober 2014 eröffnet, dass erst 2017 mit Baumaßnahmen begonnen werden soll.

Bisher hatte sich die Bahn immer damit herausgeredet, dass sie zu Lärmschutzmaßnahmen nur beim Bau neuer Strecken verpflichtet ist. Im Sommer 2014 entschied nun das Landgericht Bochum, dass die Bahn auch an Altstrecken zur Errichtung von Lärmschutzwänden verpflichtet ist. Im Herbst 2014 gab es ein weiteres Urteil, das einen Anspruch nicht nur auf passiven Lärmschutz (Wände), sondern auch auf aktiven Lärmschutz (Tempolimit) begründet.

Wenn mittlerweile sogar die Europäische Kommission eine örtlich begrenzte Höchstgeschwindigkeit und ein Nachtfahrverbot für laute Güterzüge für vereinbar mit geltendem EU-Recht ansieht, dann wird doch deutlich, dass weder der Verkehrsminister noch die DB die Signale gehört haben. Die BI „Bahnlärm Karnap-Horst“ fordert das seit langem. Vielleicht muss für diese Forderungen wieder mehr Druck gemacht werden.

Denn die Bahn spielt weiter auf Zeit und beruft sich darauf, dass ihr vom Verkehrsminister jährlich nur 100 Millionen Euro für den Lärmschutz zur Verfügung gestellt werden und sich deshalb die Abarbeitung der „Prioritätenliste“ viele Jahre hinziehen wird. Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hat in diesen Überlegungen keine Priorität.

Wie um das zu unterstreichen, hat die Bahn mal eben ganz kurzfristig am 28.1. die Anwohner am Streckenabschnitt Schalke-Bottrop-Süd darüber informiert, dass in den Nächten vom 1. auf den 2.2. und vom 2. auf den 3.2. „maschinelle Vegetationspflegearbeiten durchgeführt“ werden, bei denen „mit Lärmbelästigung zu rechnen“ sei.
Die Anwohner kennen das und sind empört, dass solche Arbeiten immer während der nächtlichen Ruhezeit durchgeführt werden.
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Bettina von der Höh aus Essen-Nord | 08.02.2015 | 21:12  
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